Erstaunlich saftig und grün ist der Stadtwald bei Bitburg, trotz der langen Trockenheit in diesem Sommer. Lukas Maaß stapft durch Farne und Unterholz, um etwas zu zeigen, das in Zukunft noch besser dafür sorgen soll, dass der Wald Dürren trotzt.
"Wir hatten noch Bohlen und Eichenpfähle im Lager. Und haben hier eine gute Stelle gefunden, um dem Wald in immer trockeneren Sommern das Wasser etwas verfügbarer zu machen", sagt der Forstoberinspektoranwärter bei der Stadt Bitburg.
Die Gräben wurden angelegt, damit die Fichten keine nassen Füße kriegen.
Denn bisher ist Wasser an dieser Stelle oft über einen Hauptgraben und zwei weitere Gräben direkt wieder aus dem Wald geflossen. "Wir vermuten, dass diese Entwässerungsgräben vor über 100 Jahren mal angelegt wurden, bevor man hier Fichten gepflanzt hat. Einfach, damit die Fichten keine nassen Füße kriegen."
Die können nämlich mit Staunässe nicht gut umgehen. Die Zeiten solcher Monokulturen und regelmäßiger Niederschläge sind aber vorbei. Deshalb mussten die Gräben verschlossen werden. Zwar nicht vollständig, aber doch so, dass Wasser nicht direkt abläuft, sondern in den Boden sickern kann.
Jungen Leuten den Wald näher bringen
Im Juni hat sich Maaß also mit Forstwirten und Azubis der nahen Brauerei an die Arbeit gemacht: "Die Azubis konnten mit einem dicken Hammer die Bohlen eintreiben und mit der Nagelpistole an die Pfähle nageln. Ich glaube, da hatten alle Freude dran, mal was anderes zu machen als in ihrer eigentlichen Ausbildung."
Es sei dem Forstrevier Bitburg-Steinborn wichtig gewesen, jungen Leuten den Wald näher zu bringen, indem sie mit Holz arbeiten können: "Wir können schlecht mit denen eine Holzernte machen, dafür braucht man eine Ausbildung. Aber so hat auch jeder gesehen, was er geleistet hat."
Wasserrückhalt zeigt sich erst in Jahrzehnten
Dass das eine kleine, niedrigschwellige Maßnahme ist, ist Maaß bewusst. Dennoch ist sie wichtig für den Wald, weiß Simon Keller. Er forscht an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg am Wasserrückhalt im Wald.
Früher, sagt der Experte, als es noch regelmäßig geregnet hat, habe das Entwässern des Waldes funktioniert: Heute gebe es immer öfter lange Dürreperioden oder kurzen, heftigen Starkregen im Sommer: "Das, was früher richtig und nachvollziehbar war, ist es heute nicht mehr."
Wenn ich den Wald umbaue, sehe ich in 20, 30, 60, 80, 100 Jahren eine Veränderung.
Wasser im Wald zu halten, könne auf mehreren Ebenen geschehen. Langfristig zähle dazu, Bäume zu pflanzen, die unterschiedlich tief wurzeln.
Die so Wasser aus unterschiedlichen Bodenschichten ziehen, aber auch Wasser über Kanäle in ihren Wurzeln in den Boden bringen können: "Wenn ich heute etwas waldbaulich ändere, sehe ich nicht morgen irgendeine Veränderung. Das geht 20, 30, 60, 80, 100 Jahre."
Drei Ebenen für mehr Wasser im Wald
In einem weiteren Schritt gehe es darum, den Waldboden weniger zu verdichten, damit er mehr Volumen hat, um Wasser zu speichern. Keller selbst forscht am dritten großen Bereich: der Infrastruktur und Gewässern im Wald.
Der Wasserhaushalt in der Landschaft sei massiv vom Menschen beeinflusst worden. Die meisten Wirtschaftswege hätten parallel einen Graben.
"Das heißt, wir haben selbst wie so eine Art künstliches Gewässernetz gestaltet und da passen natürlich auch diese Entwässerungsgräben rein." Entgegenwirken könne man auch mit Versickerungsmulden, von denen aus das zwischengespeicherte Wasser langsam in den Boden sickern kann.
Projekt in Bitburg guter Startpunkt
Zwar gebe es in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Böden. Dennoch: Die in Baden-Württemberg erforschten Prinzipien würden überall gelten. Also auch für das Projekt in Bitburg, findet der Experte: "Das ist definitiv etwas Sinnvolles."
Man müsse sich klar sein, dass das keinen großflächigen Effekt habe. Aber es sei ein guter, gelungener Startpunkt, um das Wasser Schritt für Schritt länger im Wald zu halten.
Wasserrückhalt als Teil des Waldumbaus
Wirklich messbar wird der Effekt laut Keller erst, wenn man an vielen Stellen Entwässerungsgräben derart verschließt. Und er empfiehlt, grundsätzlich über einen Waldumbau nachzudenken.
Wird das Wasser wieder im Wald gehalten, entsteht schließlich auch wieder Staunässe. Schlecht für die Fichten: „Es gibt Baumarten, zum Beispiel die heimischen Eichen-Arten, die mit so einer Staunässe wesentlich besser zurechtkommen.“
Die Fichte hat auf diesem Standort keine Zukunft mehr.
Und genau darum geht es auch im Bitburger Wald, bestätigt Lukas Maaß, der Waldumbau sei Thema Nummer 1: "Fichten waren lange Zeit der Brotbaum des Waldes. Aber die Fichte hat auf diesem Standort keine Zukunft mehr."
Bitburg will Wald klimastabiler machen
Weil der Borkenkäfer auch hier immer mehr Bäume wegfresse, wird diese Monokultur langsam durch Mischwald ersetzt: "Der wird in Zukunft auch klimastabiler sein." Wer sich im Wald umsieht, entdecke hier und da schon junge Buchen: "Wenn man genau guckt, sieht man auch mal ne Eiche oder einen Ahorn."
So soll der Wald, wenn Fichten von Käfern oder Trockenheit vernichtet wurden, nicht lange kahl bleiben. Stattdessen sollen heimische, aber an den Standort besser angepasste Bäume nachwachsen.
Dabei gehe es sowohl darum, den Wald weiter bewirtschaften zu können, als auch, ihn als CO2-Speicher zu erhalten. Auch bei Starkregenereignissen, wie dem, das zur Flut 2021 geführt hat, hält Maaß es für gut, wenn das Wasser im Wald bleibt und nicht ungehindert in die Orte fließt.
Bilanz erst im Winter
Ob das Ganze auch erfolgreich ist, kann er noch nicht sagen. Schließlich regnet es erst seit zwei Wochen wieder nach einer sehr langen Trockenphase. "Aber im letzten Winter ist hier das Wasser regelrecht geflossen wie in einem natürlichen Bachlauf – die Gräben sind aber eben nicht natürlich."
Er hofft, dass das bei den Niederschlägen im kommenden Winter nicht mehr so ist. Und das Wasser im Wald der Zukunft in Bitburg länger gehalten werden kann.