Waldumbau mit kleinem Projekt

So bleibt das Wasser im Bitburger Wald

Was tun, um das Wasser länger im Wald zu halten? Maßnahmen gibt es einige. In Bitburg hat man jetzt in einem kleinen Projekt eine davon ausprobiert.

Teilen

Stand

Von Autor/in Anna-Carina Blessmann

Erstaunlich saftig und grün ist der Stadtwald bei Bitburg, trotz der langen Trockenheit in diesem Sommer. Lukas Maaß stapft durch Farne und Unterholz, um etwas zu zeigen, das in Zukunft noch besser dafür sorgen soll, dass der Wald Dürren trotzt.

Lukas Maaß vom Forstrevier Bitburg-Steinborn hat Entwässerungsgräben verschlossen und damit einen Schritt in Richtung Wald der Zukunft gemacht.
Lukas Maaß vom Forstrevier Bitburg-Steinborn hat Entwässerungsgräben verschlossen und damit einen Schritt in Richtung Wald der Zukunft gemacht. Anna-Carina Blessmann

"Wir hatten noch Bohlen und Eichenpfähle im Lager. Und haben hier eine gute Stelle gefunden, um dem Wald in immer trockeneren Sommern das Wasser etwas verfügbarer zu machen", sagt der Forstoberinspektoranwärter bei der Stadt Bitburg.

Die Gräben wurden angelegt, damit die Fichten keine nassen Füße kriegen.

Denn bisher ist Wasser an dieser Stelle oft über einen Hauptgraben und zwei weitere Gräben direkt wieder aus dem Wald geflossen. "Wir vermuten, dass diese Entwässerungsgräben vor über 100 Jahren mal angelegt wurden, bevor man hier Fichten gepflanzt hat. Einfach, damit die Fichten keine nassen Füße kriegen."

Diese Bohle soll dafür sorgen, dass aus dem 100 Jahre alten Entwässerungsgraben das Wasser nicht mehr rasend schnell aus dem Wald fließt.
Diese Bohle soll dafür sorgen, dass aus dem 100 Jahre alten Entwässerungsgraben das Wasser nicht mehr rasend schnell aus dem Wald fließt. Anna-Carina Blessmann

Die können nämlich mit Staunässe nicht gut umgehen. Die Zeiten solcher Monokulturen und regelmäßiger Niederschläge sind aber vorbei. Deshalb mussten die Gräben verschlossen werden. Zwar nicht vollständig, aber doch so, dass Wasser nicht direkt abläuft, sondern in den Boden sickern kann.

Jungen Leuten den Wald näher bringen

Im Juni hat sich Maaß also mit Forstwirten und Azubis der nahen Brauerei an die Arbeit gemacht: "Die Azubis konnten mit einem dicken Hammer die Bohlen eintreiben und mit der Nagelpistole an die Pfähle nageln. Ich glaube, da hatten alle Freude dran, mal was anderes zu machen als in ihrer eigentlichen Ausbildung."

Der Bitburger Wald wird bewirtschaftet, das zeigt der abgesägte Baum. Die Fichte hat hier aber keine Zukunft.
Der Bitburger Wald wird bewirtschaftet, das zeigt der abgesägte Baum. Die Fichte hat hier aber keine Zukunft. Anna-Carina Blessmann

Es sei dem Forstrevier Bitburg-Steinborn wichtig gewesen, jungen Leuten den Wald näher zu bringen, indem sie mit Holz arbeiten können: "Wir können schlecht mit denen eine Holzernte machen, dafür braucht man eine Ausbildung. Aber so hat auch jeder gesehen, was er geleistet hat."

Wasserrückhalt zeigt sich erst in Jahrzehnten

Dass das eine kleine, niedrigschwellige Maßnahme ist, ist Maaß bewusst. Dennoch ist sie wichtig für den Wald, weiß Simon Keller. Er forscht an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg am Wasserrückhalt im Wald.

Auch Versickerungsgruben sind laut Forschungsanstalt eine gute Maßnahme, das Wasser im Wald zu halten.
Auch Versickerungsgruben sind laut Forschungsanstalt eine gute Maßnahme, das Wasser im Wald zu halten. FVA BW / Simon Keller

Früher, sagt der Experte, als es noch regelmäßig geregnet hat, habe das Entwässern des Waldes funktioniert: Heute gebe es immer öfter lange Dürreperioden oder kurzen, heftigen Starkregen im Sommer: "Das, was früher richtig und nachvollziehbar war, ist es heute nicht mehr."

Wenn ich den Wald umbaue, sehe ich in 20, 30, 60, 80, 100 Jahren eine Veränderung.

Wasser im Wald zu halten, könne auf mehreren Ebenen geschehen. Langfristig zähle dazu, Bäume zu pflanzen, die unterschiedlich tief wurzeln.

Die so Wasser aus unterschiedlichen Bodenschichten ziehen, aber auch Wasser über Kanäle in ihren Wurzeln in den Boden bringen können: "Wenn ich heute etwas waldbaulich ändere, sehe ich nicht morgen irgendeine Veränderung. Das geht 20, 30, 60, 80, 100 Jahre."

Drei Ebenen für mehr Wasser im Wald

In einem weiteren Schritt gehe es darum, den Waldboden weniger zu verdichten, damit er mehr Volumen hat, um Wasser zu speichern. Keller selbst forscht am dritten großen Bereich: der Infrastruktur und Gewässern im Wald.

Teilweise wurden Wälder auch durch Rohre im Boden entwässert. Die hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg mit Rigolen, also Schottersteinen, ersetzt, um das Wasser zu halten.
Teilweise wurden Wälder auch durch Rohre im Boden entwässert. Die hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg mit Rigolen, also Schottersteinen, ersetzt, um das Wasser zu halten. FVA BW / Heike Puhlmann

Der Wasserhaushalt in der Landschaft sei massiv vom Menschen beeinflusst worden. Die meisten Wirtschaftswege hätten parallel einen Graben.

"Das heißt, wir haben selbst wie so eine Art künstliches Gewässernetz gestaltet und da passen natürlich auch diese Entwässerungsgräben rein." Entgegenwirken könne man auch mit Versickerungsmulden, von denen aus das zwischengespeicherte Wasser langsam in den Boden sickern kann.

Projekt in Bitburg guter Startpunkt

Zwar gebe es in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Böden. Dennoch: Die in Baden-Württemberg erforschten Prinzipien würden überall gelten. Also auch für das Projekt in Bitburg, findet der Experte: "Das ist definitiv etwas Sinnvolles."

Dieses Beispiel aus Hachenburg zeigt, dass Wasser sich wirklich in den Entwässerungsgräben hält, wenn sie zum Teil verschlossen werden.
Dieses Beispiel aus Hachenburg zeigt, dass Wasser sich wirklich in den Entwässerungsgräben hält, wenn sie zum Teil verschlossen werden. FVA BW / Simon Keller

Man müsse sich klar sein, dass das keinen großflächigen Effekt habe. Aber es sei ein guter, gelungener Startpunkt, um das Wasser Schritt für Schritt länger im Wald zu halten.

Wasserrückhalt als Teil des Waldumbaus

Wirklich messbar wird der Effekt laut Keller erst, wenn man an vielen Stellen Entwässerungsgräben derart verschließt. Und er empfiehlt, grundsätzlich über einen Waldumbau nachzudenken.

Wird das Wasser wieder im Wald gehalten, entsteht schließlich auch wieder Staunässe. Schlecht für die Fichten: „Es gibt Baumarten, zum Beispiel die heimischen Eichen-Arten, die mit so einer Staunässe wesentlich besser zurechtkommen.“

Die Fichte hat auf diesem Standort keine Zukunft mehr.

Und genau darum geht es auch im Bitburger Wald, bestätigt Lukas Maaß, der Waldumbau sei Thema Nummer 1: "Fichten waren lange Zeit der Brotbaum des Waldes. Aber die Fichte hat auf diesem Standort keine Zukunft mehr."

Bitburg will Wald klimastabiler machen

Weil der Borkenkäfer auch hier immer mehr Bäume wegfresse, wird diese Monokultur langsam durch Mischwald ersetzt: "Der wird in Zukunft auch klimastabiler sein." Wer sich im Wald umsieht, entdecke hier und da schon junge Buchen: "Wenn man genau guckt, sieht man auch mal ne Eiche oder einen Ahorn."

Auf dem Weg neben dem Entwässerungsgraben im Bitburger Wald stehen Pfützen vom letzten Regen. Die sollen bald auch im Graben selbst entstehen.
Auf dem Weg neben dem Entwässerungsgraben im Bitburger Wald stehen Pfützen vom letzten Regen. Die sollen bald auch im Graben selbst entstehen. Anna-Carina Blessmann

So soll der Wald, wenn Fichten von Käfern oder Trockenheit vernichtet wurden, nicht lange kahl bleiben. Stattdessen sollen heimische, aber an den Standort besser angepasste Bäume nachwachsen.

Dabei gehe es sowohl darum, den Wald weiter bewirtschaften zu können, als auch, ihn als CO2-Speicher zu erhalten. Auch bei Starkregenereignissen, wie dem, das zur Flut 2021 geführt hat, hält Maaß es für gut, wenn das Wasser im Wald bleibt und nicht ungehindert in die Orte fließt.

Bilanz erst im Winter

Ob das Ganze auch erfolgreich ist, kann er noch nicht sagen. Schließlich regnet es erst seit zwei Wochen wieder nach einer sehr langen Trockenphase. "Aber im letzten Winter ist hier das Wasser regelrecht geflossen wie in einem natürlichen Bachlauf – die Gräben sind aber eben nicht natürlich."

Lukas Maaß geht der Zukunft des Waldes entgegen. Er sagt, niemand könne in die Glaskugel gucken, aber man könne so gut wie möglich dafür sorgen, den Wald gut aufzustellen.
Lukas Maaß geht der Zukunft des Waldes entgegen. Er sagt, niemand könne in die Glaskugel gucken, aber man könne so gut wie möglich dafür sorgen, den Wald gut aufzustellen. Anna-Carina Blessmann

Er hofft, dass das bei den Niederschlägen im kommenden Winter nicht mehr so ist. Und das Wasser im Wald der Zukunft in Bitburg länger gehalten werden kann.

Hohes Venn/Trier/Wittlich

Feuer in Ostbelgien Wie Naturschützer Bränden wie im Hohen Venn vorbeugen wollen

Immer noch ziehen Rauchschwaden aus dem Hohen Venn bis nach Rheinland-Pfalz. Der Naturschutzbund und die Stiftung für Natur und Umwelt fordern, Wälder und Moore besser zu schützen.

Minheim

Mehr als 1.000 Bäume gefällt Kahlschlag an der Panoramastraße: Käfer zerstört Wald an der Mosel

An der Mosel kämpfen Förster gegen einen schier unbesiegbaren Feind: den Eichenprachtkäfer. In Minheim ist ihm jetzt ein ganzes Waldstück zum Opfer gefallen.

Impuls SWR Kultur

Westerwald

Folgen der Dürrejahre ab 2018 Fünf Jahre nach dem großen Fichtensterben: So geht's dem Westerwald

Das große Fichtensterben im Westerwald war für viele Menschen ein Schock. Die riesigen Kahlflächen sind zum großen Teil wieder grün. Aber warum noch nicht überall?

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!