Die Kosten für die geplante Sanierung des Theaters haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht - von ursprünglich 51 auf inzwischen 90,5 Millionen Euro. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) kritisiert, dass dafür Mittel aus dem Bundes-Sondervermögen genutzt werden - Gelder, die ihrer Meinung nach besser in Schulen, Kitas oder Straßen investiert wären.
Im Interview mit dem SWR bezieht Frank Schellenberg, Geschäftsführer der Münchner Strategieberatung actori, klar Position: Theater seien kein überflüssiger Luxus, sondern ein zentraler Bestandteil städtischer Identität. Sein Unternehmen berät bundesweit Städte und Kultureinrichtungen. Schellenberg betont, wie wichtig kulturelle Orte für das gesellschaftliche Leben sind.
SWR Aktuell: Frank Schellenberg, welche Wirkung haben Theater auf die Entwicklung einer Stadt?
Schellenberg: Ein Theater ist mehr als eine Bühne. Es schafft Arbeitsplätze, zieht Aufträge für lokale Betriebe nach sich und bringt Menschen in die Stadt - oft auch in die Gastronomie oder in Geschäfte. Jeder investierte Euro löst zusätzliche wirtschaftliche Aktivität aus.
Darüber hinaus steigert ein Theater die Attraktivität eines Standorts, gerade für Fachkräfte. Menschen überlegen heute genau, wo sie leben und arbeiten möchten - und Kulturangebote spielen dabei eine große Rolle.
Theater leisten einen Beitrag zum demokratischen Miteinander.
Und nicht zuletzt: Theater sind Orte der Begegnung. Sie bringen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammen und tragen zur Diskussion über aktuelle Themen bei. Damit leisten sie auch einen Beitrag zum demokratischen Miteinander.
SWR Aktuell: Kritiker sagen oft: Theater sind wichtig - aber warum müssen sie so teuer sein?
Schellenberg: Weil man Gebäude nicht endlos flicken kann. Wenn es durchs Dach regnet, hilft kein Klebeband - man muss es richtig sanieren. In vielen Städten wurde jahrzehntelang zu wenig in die Infrastruktur investiert, irgendwann wird das teuer.
Natürlich kann man theoretisch sparen. Aber wenn man zu viel kürzt, ist der Betrieb später gar nicht mehr möglich. Theater müssen heute auch neuen Anforderungen genügen - von Sicherheit über Barrierefreiheit bis hin zu moderner Nutzung. Deshalb erscheinen Summen oft groß, sind aber bei genauerem Hinsehen meist nachvollziehbar.
SWR Aktuell: Die IHK Trier hat vorgeschlagen, über kleinere oder abgespeckte Lösungen nachzudenken. Ist das sinnvoll?
Schellenberg: Solche Überlegungen gehören zu jedem Prozess, aber am Ende muss man fragen: Kann ein Theater dann noch richtig arbeiten? Ein Bespieltheater, das nur Gastspiele zeigt, kann funktionieren - aber es ist ein anderes Modell.
Ein Stadttheater, das selbst produziert, ist Teil der Stadtgesellschaft. Es reagiert auf lokale Themen, schafft künstlerische Arbeitsplätze und ist täglich präsent. Das kann ein reines Gastspielhaus nicht leisten.
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SWR Aktuell: In Trier sorgt die Debatte zwischen Politik, Wirtschaft und Kulturszene für Spannungen. Ist das ein typisches Bild in deutschen Städten?
Schellenberg: Ja, solche Diskussionen gibt es mittlerweile fast überall. Sie sind legitim, denn Kommunen müssen genau abwägen, wofür sie Geld ausgeben. Aber man sollte sich auch fragen: Was passiert, wenn man auf Kultur verzichtet.
Dass sich eine IHK kritisch äußert, ist eher ungewöhnlich. Gerade weil Kultur ein wichtiger Standortfaktor ist.
Am Ende entscheiden sich die meisten Städte doch für Investitionen, wenn man offen erklärt, was auf dem Spiel steht. Dass sich eine IHK kritisch äußert, ist eher ungewöhnlich. Gerade weil Kultur auch für die Wirtschaft ein wichtiger Standortfaktor ist.
Und ich finde: Die Gegenüberstellung "Straßen oder Theater" greift zu kurz. Straßen allein machen keine lebendige Stadt. Wenn es keine kulturellen Angebote mehr gibt - wo wollen wir dann eigentlich noch hinfahren?