Zweite Chance Pflegeeltern

Abenteuer Pflegefamilie: "Das Kind ist uns ans Herz gewachsen"

Eine Pflegefamilie soll für ein Kind ein sicherer Hafen sein. Liebe, Zuwendung und Geborgenheit sind dafür wichtig. Aber manchmal gibt es auch große Herausforderungen.

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Von Autor/in Nicole Mertes

Es gibt Schlüsselmomente im Leben, die man nie vergisst. Für Pflegekinder ist es der Moment, in dem sie erkennen, ein neues Zuhause zu haben. In dem sie sich wohlfühlen können. Für Pflegeeltern ist es der Augenblick, in dem sie ihr Pflegekind zum ersten Mal gesehen haben.

Es ist ein Kind, das uns ans Herz gewachsen ist.

Mit ihrem Mann hat Simone, die in Wirklichkeit anders heißt, aber lieber anonym bleiben möchte, vor fünf Jahren einen kleinen Jungen als Pflegekind bei sich aufgenommen. Er war damals gerade ein Jahr alt. "Es ist ein Kind, was vielleicht nicht aus meinem Körper gekommen ist, aber es ist ein Kind, was uns ans Herz gewachsen ist und wo wir uns ganz als Eltern fühlen", sagt sie. Sie hofft, dass ihr Pflegesohn bei ihr bleibt, bis er erwachsen und selbständig ist.

Eine Karte eines Pflegekindes für seine Pflegemutter mit gemalten Herzen.
Pflegekinder lieben Pflegeeltern, die ihnen Sicherheit und Geborgenheit schenken. Jacob Schröter

Maria, die auch anders heißt, hat sich immer eine große Familie gewünscht. Mit ihrem Mann hatte sie schon einen 13-jährigen Sohn, als sie sich entschlossen, noch drei kleine Mädchen als Pflegekinder bei sich aufzunehmen.

Abenteuer Pflegefamilie - auch mit Konflikten

Anfangs war alles wunderbar. Doch eines der Mädchen verhielt sich schon im Kleinkindalter auffällig, konnte nicht weiter in den Kindergarten gehen, weil es aggressiv wurde und andere Kinder schlug. Erst Jahre später stellte sich heraus, dass das Kind krank war, weil die leibliche Mutter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hatte. Das war sehr schwer zu ertragen, sagt Maria. Trotzdem hat sie es nie bereut, drei Pflegekinder aufgenommen zu haben. Gebraucht zu werden und eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, gebe ihr sehr viel, sagt sie.

Kontakt zu den leiblichen Eltern kein Tabu

Wenn ein Kind nicht bei seinen leiblichen Eltern leben kann, ist in der Regel viel passiert. Einiges davon hat dem Kind vielleicht auch geschadet. "Solche Kinder bringen schon einen Rucksack mit", sagt Carmen Ritgen vom Kinderpflegedienst Wittlich. Darauf sollten Pflegeeltern sich einstellen.

Jedes Kind bekommt ein solches Erinnerungsbuch. Das können sie mit ihren leiblichen und Pflegeeltern und ihren eigenen Erinnerungen füllen.
Damit jedes Kind seine Geschichte kennt, schenkt der Kinderpflegedienst ihnen solche Erinnerungsbücher. Sie können sie mit ihren leiblichen und ihren Pflegeeltern mit ihren Erinnerungen füllen.

"Eltern wollen immer das Beste für ihr Kind", davon sei sie überzeugt, sonst könnte sie ihren Job nicht machen, sagt Carmen Ritgen. Eltern, die scheitern, hatten oft selbst eine schwere Kindheit und haben nie gelernt, Verantwortung zu übernehmen, können es einfach nicht, erklärt sie. Das sage sie auch den Pflegeeltern. Denn es sei wichtig, dass sie mit den leiblichen Eltern des Kindes eine gute Beziehung hätten.

Regelmäßige Treffen an neutralem Ort

Normalerweise gibt es etwa einmal im Monat ein gemeinsames Treffen der Pflegeeltern, der Kinder und ihrer leiblichen Eltern. An einem neutralen Ort. Der Kinderpflegedienst begleitet diese Treffen. Sie können zum Beispiel auf einem Spielplatz stattfinden. Die Fachleute achten aber auch darauf, ob diese Treffen den Kindern gut tun. Denn es gebe auch Kinder, die in ihrer Herkunftsfamilie Gewalt erlebt hätten. Man müsse da vor allem auf die Kinder achten.

Anfangs fand ich das cool, zwei Mamas zu haben.

Oft ist es so, dass kleine Kinder kein Problem damit haben, ein Pflegekind zu sein. "Anfangs fand ich das cool, zwei Mamas zu haben, zweimal Geburtstag zu feiern", sagt eine junge Frau, die im Alter von vier Jahren als Pflegekind aufgenommen wurde. Doch als Teenager litt sie unter teils verletzenden Bemerkungen oder Fragen anderer Kinder in der Schule. Der Kontakt zu anderen Pflegekindern hat ihr geholfen.

Viele Kinder bleiben gerne bei ihren Pflegeeltern

Jetzt ist Nina 18 und kann selbst entscheiden, wo sie lebt. Sie sagt, sie habe sofort einen Antrag gestellt, bei ihren Pflegeeltern bleiben zu können. Sie habe so viel in dieser Familie, Liebe, Freiheit und Geborgenheit. Sie wolle Abitur machen und studieren. Dafür habe sie in ihrer Pflegefamilie optimale Voraussetzungen.

Pflegeeltern werden in allen Landkreisen der Region Trier und auch in der Stadt Trier gesucht. Der Kinderschutzbund und die Kinderpflegedienste sind Ansprechpartner für Menschen, die gerne Pflegeeltern werden wollen und einem Kind Sicherheit und Geborgenheit geben können.

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Zu wenig Pflegeeltern in Baden-Württemberg Pflegefamilie aus dem Deggenhausertal möchte anderen Mut machen

Es fehlen Pflegeeltern, mahnt der Jugendhilfeverein "Arkade e.V." in Ravensburg. Dabei gelinge Integration dort besonders gut. Bestes Beispiel: Familie Gerdes und ihr Pflegesohn.

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Autor/in
Nicole Mertes
Nicole Mertes ist Redakteurin im SWR Studio Trier.

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