"Aktuell wird bei der Schwangerschaftsfeststellung in der Praxis meist direkt bis zur Entbindung durchterminiert", sagt Anne Sophie Kiefer, Geschäftsführerin der Mainzer Praxis DIE GYN-PRAXIS. Unter anderem diese frühzeitigen Vorsorgetermine für die gesamte Schwangerschaft, die viele Frauen bisher bekommen, könnten ab 2027 schwierig werden.
Neue Budgetgrenzen sorgen für Unruhe
Hintergrund ist das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung). Ab Januar 2027 sollen Leistungen der Schwangerenvorsorge und Krebsfrüherkennung wieder stärker unter gedeckelte Budgets fallen.
Für bestimmte Untersuchungen ist die Anzahl dann begrenzt. Hat eine Praxis dafür ihr Limit erreicht, kann sie diese Untersuchungen nicht mehr bei den Krankenkassen abrechnen, also im schlimmsten Fall nicht mehr anbieten.
Vor allem Routine- und Vorsorgetermine betroffen
Nach Einschätzung der Praxis trifft das vor allem Routine- und Vorsorgetermine - also Untersuchungen, auf die viele Frauen regelmäßig angewiesen sind.
Die Praxis in Mainz versorgt nach eigenen Angaben rund 70.000 Frauen im Jahr, etwa 90 Prozent davon gesetzlich versichert. Kiefer warnt davor, dass Praxen ihre Kapazitäten künftig deutlich strenger planen müssten.
Sparpläne bei den Krankenkassen Frauenärzte fürchten Folgen für Schwangere
Ab 2027 ändert sich die Finanzierung der Schwangerschaftsvorsorge. Frauenärzte warnen vor Engpässen. Die Krankenkassen widersprechen. Von Jule Lampe.
Schwangerschaftstermine könnten knapper werden
Die Praxis betont zwar, dass weiterhin ein Versorgungsauftrag bestehe und Patientinnen grundsätzlich nicht abgelehnt würden. Gleichzeitig werde aber der wirtschaftliche Druck größer.
Wenn das Quartalsbudget erreicht sei, arbeite die Praxis faktisch ohne zusätzliche Vergütung weiter. Gleichzeitig seien Personal-, Miet- und Hygienekosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, so Anne Sophie Kiefer. Für Schwangere könnte das generell bedeuten, dass sie ab 2027 schwieriger Termine bekommen oder Neupatientinnen gar keine Termine mehr.
Auch Krebsvorsorge betroffen
Nicht nur Schwangere könnten die Folgen spüren. Auch bei der Krebsvorsorge rechnet die Praxis mit längeren Wartezeiten.
Aktuell seien Termine teilweise noch am selben Tag möglich. Das könne sich ändern, wenn Quartalsbudgets erreicht seien. Betroffen wären vor allem klassische Routineuntersuchungen.
"Ist das Quartalsbudget aufgebraucht, arbeiten wir faktisch ohne Vergütung weiter."
Sorge bei Patientinnen
Auch unter Patientinnen sorgen die angekündigten Änderungen für Verunsicherung. Eine Patientin, Loredana, zeigte sich überrascht, dass wichtige Vorsorgetermine durch Budgetvorgaben schwieriger werden könnten.
Gerade bei der Krebsvorsorge dürfe nicht gespart werden. "Es ist wichtig, dass wir einen Termin bekommen, wenn wir einen brauchen", sagt sie.
Praxen verlangen bessere Finanzierung
Die Praxis in Mainz unterstützt deshalb eine Petition und fordert von der Politik eine nachhaltige Finanzierung der ambulanten Frauenheilkunde.
Vor allem Grund- und Vorsorgeleistungen müssten nach Ansicht der Praxis aus der Budgetierung herausgenommen werden. Wenn die Politik eine lückenlose Schwangerschaftsbetreuung und Krebsvorsorge verspreche, müssten Praxen dafür auch ausreichend finanziert werden.
Wie stark Frauen die Auswirkungen tatsächlich spüren werden, ist noch offen. In den Praxen wächst jedoch schon jetzt die Sorge, dass die Versorgung schwieriger planbar wird.