In Rheinland-Pfalz werden gerade viele Windräder abgebaut. Das hat nichts mit einem plötzlichen Strategiewechsel zu tun: Viele Anlagen stammen aus der Ausbauwelle der 2000er und sind nun gleichzeitig in die Jahre kommen.
Warum gerade jetzt so viele Windräder abgebaut werden
Zudem endet nach 20 Jahren für viele die EEG-Förderung. Ohne diese sichere staatliche Vergütung pro Kilowattstunde wird der Weiterbetrieb wirtschaftlich riskanter. Zumal nach 20 Jahren oft teure Reparaturen anstehen. Gleichzeitig steigen dann auch Prüf- und Wartungsaufwand, so das Umweltbundesamt.
Repowering bei Windenergie: Weniger Anlagen, mehr Leistung
Deshalb entscheiden sich Betreiber häufig für ein sogenanntes Repowering: Die alten Anlagen werden durch weniger – aber deutlich leistungsstärkere – neue ersetzt. Das wirkt optisch wie ein Rückbau-Boom, ist energetisch aber oft der Start in eine neue Windpark-Generation.
Ein Beispiel ist das Repowering-Projekt in Höheinöd (Landkreis Südwestpfalz): Dort werden drei alte Anlagen zurückgebaut und durch zwei Anlagen ersetzt, die viermal leistungsstärker und auch höher sind. Laut Projektinfo des Betreibers steigt die Gesamtleistung dabei von 6 auf 14 Megawatt.
Rückbau der Windräder vor Ort: Erst Demontage, dann Sprengung
Bevor die neuen, größeren Anlagen aufgestellt werden können, muss die alte Technik jedoch erst einmal runter. Wie das läuft, lässt sich derzeit in Höheinöd gut beobachten: Zuerst werden Rotor, Gondel und obere Turmsegmente per Kran demontiert. Danach wird der Betonturm "kontrolliert durch eine Sprengung wie ein Baum gefällt", beschreibt die Bauleitung.
Recyclingbilanz: Beton und Metalle sind gut verwertbar
Grundsätzlich gilt: Windenergieanlagen sind zu einem großen Teil gut wiederverwertbar. Das Umweltbundesamt (UBA) betont, dass mehr als 90 Prozent der Masse einer Anlage eine hohe Recyclingfähigkeit haben - vor allem Metalle und Beton. Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) nennt vergleichbare Zahlen.
Das Recycling beginnt oft schon auf der Baustelle: Der Beton wird nach der Sprengung zerkleinert, der Stahl aus dem Stahlbeton aussortiert und als Schrott verwertet. Der Betonbruch wird aufbereitet und direkt wieder als Baumaterial eingesetzt. In Höheinöd wird dieser nach Aussagen der Bauleitung zum Beispiel für Kranstellflächen der Neuanlagen genutzt.
Rotorblätter: Die größte Herausforderung beim Recycling
Sorgenkind der Kreislaufwirtschaft bleiben aber die Rotorblätter. Sie bestehen meist aus schwer trennbaren Verbundwerkstoffen. Die machen das Recycling laut EnBW technisch aufwändig und teuer. In der Praxis werden viele Rotorblätter daher zersägt oder geschreddert und anschließend in Zementwerken mitverwertet; ohne dass jedoch die Rohstoffe dabei zurückgewonnen werden.
Mit dem sogenannten Repowering wächst der Druck, bessere Lösungen zu finden: Das UBA rechnet mit bis zu 20.000 Tonnen Rotorblattmaterial pro Jahr allein in diesem Jahrzehnt. Diese Zahl soll weiter steigen. Langfristig sollen alle Rotorblätter wiederverwertet oder recycelt werden. Da fehlt es EU-weit jedoch noch an verbindlichen Standards.