Bald sind in Rheinland-Pfalz Sommerferien, in Baden-Württemberg starten sie Ende Juli. Wie das Wetter am 27. Juni war, das soll ein Fingerzeig für den restlichen Sommer sein. So die Bauernregel zum Siebenschläfertag - Meteorologen mahnen jedoch zur Vorsicht. Seriös ließen sich höchstens die jeweils kommenden Tage vorhersagen, heißt es.
ARD-Wetterexperte Marcel Herber sagt im Gespräch mit dem SWR, es gebe da eine relativ ordentliche Korrelation mit dem Wetter der folgenden Wochen, die man aber nicht überbewerten solle: "Oft haben wir zu dem Zeitpunkt Ende Juni eine Lage, wo sich das Wetter ein wenig umstellt und dann auch über den Sommer hinweg mal mehrere Wochen am Stück ähnlich bleibt wie im Siebenschläferzeitraum."
Neue Hitzewelle baut sich ab dem Siebenschläfertag auf
Und wie sieht es da aus? Ab dem Siebenschläfertag baut sich der Vorhersage zufolge eine neue Hitzewelle auf, die über das Wochenende bis Mitte der kommenden Woche anhält.
Schaue man auf längerfristige Modelle, habe man vor allem über Südeuropa sehr warme Luft, so Herber. Das Mittelmeer sei derzeit zwei bis drei Grad wärmer als im Schnitt. Das deute darauf hin, dass im Süden in nächster Zeit immer wieder Hitze liege, die sehr leicht "angezapft" werden könne und dann zu uns fließe, sagt Herber. Wie das mit dem Anzapfen aussieht, zeigt eine Grafik des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) für Anfang Juli.
Tendenz: Wechselhafter Sommer auf hohem Temperaturniveau
Grundsätzlich sei das ein Zeichen, wenn das westliche und das zentrale Mittelmeer sehr, sehr warm sei. Der Juni in Deutschland sei voraussichtlich auch schon zwei Grad wärmer gewesen als im Zeitraum 1991 bis 2020. Es deute sich wahrscheinlich eher eine Fortsetzung des Wetters an, das wir die letzten zwei, drei Wochen hatten, sagt Herber. Sommerwetter, aber schwankend, immer wieder Warmluft, aber auch Gewitter und kühlere Phasen. Wenn mal ein Tief durchrutsche, werde es Unwetter geben - und zwei, drei Tage kühler sein. Die Tendenz: Ein wechselhafter Sommer, aber auf hohem Temperaturniveau.
Der wahre Kern in den Bauernregeln
Bauernregeln, die sich ums Wetter drehen, gibt es unzählige. Kein Wunder, sind doch die Landwirte wie kaum andere auf das Wetter angewiesen und haben - schon lange vor wissenschaftlichen Aufzeichnungen - ihre Beobachtungen und Erfahrungen weitergegeben. Einen wahren Kern haben die Weisheiten also schon. Sie basieren teilweise auf jahrhundertelangen Wetterbeobachtungen. Zum so genannten Siebenschläfertag gibt es besonders viele Regeln.
Woher kommt eigentlich der Name "Siebenschläfertag"?
Viele glauben, der Tag sei tatsächlich nach dem kleinen, mausähnlichen Nagetier benannt. Aber das ist ein Irrtum - die Siebenschläfer heißen schlicht so, weil sie ziemlich faul gut sieben Monate Winterschlaf halten.
Der Siebenschläfertag hat seinen Namen vielmehr von einer alten Legende. Sieben Brüder sollen während der Christenverfolgung in einer Höhle eingemauert worden und fast 200 Jahre später wieder aufgewacht sein. Die Bauernregeln zum Siebenschläfertag spielen auf den langen, stabilen Schlaf der Brüder an. Im Englischen wurde der Tag - unmissverständlich - mit "Seven Sleepers' Day" übersetzt.
Streng genommen ist das Datum 27. Juni für den Siebenschläfertag falsch. Die Bauernregel war bereits vor der gregorianischen Kalenderreform im Jahr 1582 entstanden. Beim "Umstieg" vom julianischen Kalender wurden zehn Tage gestrichen. Dadurch fällt der heutige Siebenschläfertag eigentlich auf den 7. Juli.
Wird es ein Hitzesommer oder wird es keiner?
Und damit wären wir wieder an dem Punkt, wo Sagen und Mythen auf wissenschaftliche Wetterbeobachtung treffen. Fragt man den Deutschen Wetterdienst (DWD) nach einer belastbaren Vorhersage für den ganzen Sommer, wird man sofort auf den Boden der Tatsachen geholt. Er sei kein Freund davon, sich an solchen Spekulationen zu beteiligen, sagt David Bötzel vom Deutschen Wetterdienst. Es sei wissenschaftlich nicht möglich, jetzt schon solche langfristigen Prognosen über die gesamten Sommerferien zu tätigen. In der Wettervorhersage gehe es um die kommenden ein bis vier Tage, als Trend bis Tag 10. Nur experimentelle Wettermodelle rechneten darüber hinaus. Allerdings sei da die Güte der Vorhersagen recht gering.
Siebenschläferregel bewährt sich vor allem im Alpenvorland
Die Siebenschläferregel habe, statistisch betrachtet, für Süddeutschland noch ein bisschen bessere Prognosen als nach Norden hin, sagt Bötzel. Im Alpenvorland liegt sie nach früheren Angaben des DWD bei etwa 70 Prozent, sonst bei 55 bis 60 Prozent. Und das auch nur, wenn man die Regel nicht sonderlich eng auslege, also nicht sieben Wochen, sondern vielleicht nur drei oder vier betrachte. Statistische Analysen haben demnach ergeben, dass die Siebenschläfer-Regel zwar nicht für den 27. Juni selbst, jedoch für die erste Juliwoche durchaus zutreffen kann.
Insbesondere der Zeitraum nach dem Siebenschläfertag gilt als meteorologische "Singularität", das sind eigenartige und sich regelmäßig wiederholende Wetterlagen im Jahresablauf. Und diese Singularitäten haben laut DWD durchaus ihre Berechtigung. Die vereinfachte meteorologische Erklärung dafür: Aufgrund des Jetstreams stabilisiert sich in diesem Zeitraum erfahrungsgemäß die Wetterlage über Europa. Dann entscheidet sich, ob unser Sommerwetter vorwiegend durch warme südliche oder kalte nördliche Luftströmungen beeinflusst wird.
Eines lässt sich aber, laut Bötzel, tatsächlich feststellen: Im Zeichen des Klimawandels können Großwetterlagen über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben als früher.
Ein wichtiger Punkt: die Trockenheit im Frühjahr. Darauf angesprochen bestätigen beide Wetterexperten, dass wir mit einem Defizit an Regen in den Sommer gehen. Und das bereitet ihnen Sorge. Das Frühjahr sei extrem trocken gewesen, sagt ARD-Wetterexperte Herber. Die paar Gewitter im Mai hätten nicht die langfristige Feuchtigkeit der Böden bringen können wie ein Dauerregen. 30 Grad nach einem nassen Frühjahr wie im vergangenen Jahr bedeuteten 32, 33 Grad über trockenen Böden in diesem Jahr. Der Mechanismus: Trockene Böden heizen sich schneller auf – und mit ihnen die Luft darüber. Meteorologen sprechen dann von einem "Heat Dome" (Hitzeglocke).
Wie wird denn nun das Wetter, sobald in RP die Ferien anfangen?
Und wie wird es zu Ferienbeginn in Rheinland-Pfalz am 7. Juli? Lässt sich etwas seriös vorhersagen? Schon da gebe es Unsicherheiten, sagt David Bötzel. Es gibt ihm zufolge Modelle, die kälteres und wechselhaftes Wetter vorhersagen, es gibt aber auch Modelle, die lassen das Ganze weiter im derzeitigen Bereich. Und Marcel Herber sagt, es sehe zum Ferienbeginn in RP so aus, als würden wir auf der Rückseite eines Tiefs hängen und vielleicht wieder kühlere Luft haben. Die Hitze über Südeuropa werde den Modellen zufolge in den nächsten 14 Tagen aber nicht verdrängt. Rücke ein Tief bis Spanien vor, könne erneut warme Luft über Frankreich zu uns fließen.
Und nach diesem historischen und meteorologischen Exkurs müssen wir einräumen, wie das Wetter in den nächsten Wochen wird, ist offen. Ob das Wetter an diesem 27. Juni 2025 also ein Fingerzeig für den Sommer gewesen sein wird - das wird sich noch zeigen.