Baden-Baden, Ludwigshafen, Pirmasens oder Ettlingen. An einigen Orten im Südwesten gab es in den vergangenen Tagen und Wochen Stromausfälle - gefühlt gehäuft und während oder kurz nach der Hitzewelle Ende Juni. Welche Rolle spielen Klimawandel, Extremwetter und Hitzewellen für unsere Stromversorgung?
Juni-Hitzewelle setzt Stromversorgung zu
Plötzlich war das Licht aus, der Kühlschrank leise, der Fernseher schwarz. Von Stromausfällen betroffen waren zum Beispiel Teile der Ortenau, der Pfalz, Baden-Baden oder Idar-Oberstein (Landkreis Birkenfeld). Oft waren in einem kleineren Umkreis mehrere Kommunen gleichzeitig für ein paar Stunden ohne Strom. Grund für die Ausfälle waren in vielen Fällen defekte Erdkabel. Teilweise sind die Netzbetreiber noch auf Ursachensuche, oft ist aber auch schon klar, was den Kabeln zugesetzt hat: die Hitze.
Mehrere Schwachstellen
Zu hohe Temperaturen machen die Isolierungen der Erdkabel spröde. Gleichzeitig steigt bei Hitze der elektrische Widerstand innerhalb der Kabel, wodurch zusätzliche Wärme entsteht. Auf diese Weise kann sich der Effekt weiter verstärken, bis das Kabel der Belastung nicht mehr standhält und beschädigt wird. In solchen Fällen greift ein Sicherheitsmechanismus, es wird automatisch abgeschaltet, der Strom fällt aus. Auch Kabelmuffen, die Kabel miteinander verbinden und die Hitze nicht vertragen, sind aktuell ein Thema.
Ein anderes Problem sind brennende Trafohäuschen oder Stromkästen. Nicht immer ist die Hitze klar die Ursache der Brände. Bei dem Brand bei Idar-Oberstein zum Beispiel kam es laut Netzbetreiber zu einer Störung, die auch bei Minusgraden auftreten kann. Trotzdem verstärkt die Hitze die Problematik.
Klimawandel macht Stromnetz anfälliger
Deutschland hat ein vergleichsweise zuverlässiges Stromnetz, trotzdem setzt der Klimawandel unser Netz unter Druck. Das Forschungsnetzwerk EconPol Europe stellt fest: Im Hochsommer steigt die Zahl ungeplanter Stromausfälle spürbar an.
Extreme Hitze, Gewitter oder Stürme schädigen ein Kabel oder eine Verbindung und dann folgt eine Kettenreaktion. Oft sind es nur kleine Ausfälle - ein Ort oder Stadtteil, für wenige Stunden. Aber auch das Risiko für größere Ausfälle steigt, sagen die Forschenden.
Klimaanlagen verschärfen das Problem
Neben den Materialschwierigkeiten ist die hohe Netzauslastung bei Hitze problematisch. Denn immer mehr Klimaanlagen oder kühlende Wärmepumpen ziehen, gerade wenn es heiß ist, jede Menge Strom. Das Netz soll also mehr leisten, wenn es eigentlich weniger Stromtransport bräuchte.
Zu viel Solarstrom?
An Theorien, dass zu viel produzierter Solarstrom bei Hitze das Netz lahmlegt, ist aber nichts dran. Denn gerade bei Hitze sind Solaranlagen gar nicht so produktiv. Ihre Leistung sinkt eher, wenn es zu warm wird. Schaut man sich über das Jahr an, wann wirklich Spitzenwerte an Solarstrom erzeugt werden, dann sind das eher kalte Tage, mit klarer Luft und viel Sonne. Trotzdem sind Solaranlagen im Sommer produktiv und sinnvoll, die Tage sind lang, der Einfallswinkel der Sonne ist gut. Die Produktion lohnt sich also, ist aber eben nicht der Grund, warum unser Stromnetz bei Hitze Probleme bekommt.
Energiewende hilft
Die Energiewende zu Ende denken - das sehen viele Fachleute als großen Hebel für Stromversorgung und Netzsicherheit. Denn Sonne oder Wind liefern übers Jahr große Mengen an Energie. Jetzt müsse es gelingen, diese Energie sinnvoll zu speichern, gut zu verteilen und schlauer abzurufen, so die Experten. Also Batteriespeicher, Pumpspeicherkraftwerke und Wasserstoff als Langezeitspeicher auf der einen Seite. Dann Dezentralisierung auf der anderen. Strom vor Ort erzeugen und verbrauchen, statt ihn über Riesenstrecken zu transportieren. Und Strom sollte möglichst dann genutzt werden, wenn er auch in großen Mengen produziert werden kann. Hierfür sind die intelligenten Stromzähler, die Smartmeter der Schlüssel. Wenn all diese Faktoren zusammenwirken, kann Elektrifizierung auch im Kontext des Klimawandels eine mögliche Lösung darstellen.