Ex-Bosch-Manager am Steuer

Togg: Junge türkische Automarke startet in Deutschland mit E-SUV und E-Limousine

Beim türkischen Autohersteller Togg sitzt ein Ex-Bosch-Manager am Steuer. Bislang gab es einen E-SUV nur in der Türkei. Auf der IAA werden Modelle für den deutschen Markt gezeigt.

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Von Autor/in Petra Thiele, Geli Hensolt

Togg ist ein Gemeinschaftsunternehmen verschiedener Konzerne, das vom türkischen Staat unterstützt wird. In der Türkei ist das Unternehmen bereits sehr erfolgreich: Vergangenes Jahr verkaufte Togg mehr als 30.000 Elektro-SUVs.

Deutschlandsitz des Unternehmens ist Stuttgart. Die Region sei auch wegen der vielen Technonologieunternehmen ein gutes Umfeld, um weiter zu wachsen, erklärte Togg-Chef Mehmet Gürcan Karakaş gegenüber dem SWR auf der Automesse IAA Mobility.

Ich glaube, dass Stuttgart und das Umfeld durch die vielen neuen Technologieunternehmen, auch die traditionellen, zusammen ein tolles Cluster bietet, um einfach weiter zu wachsen.

Nach 20 Jahren bei Bosch nun E-Autos am Bosporus

Der ehemalige Bosch-Manager Karakaş hatte 2022 in der Hafenstadt Gemlik am Bosporus Unternehmen aus den Schlüsselbranchen Maschinenbau, Telekommunikation und Handel zusammengebracht und das Joint Venture Togg gegründet.

"Wir wollen mehr sein als ein Autohersteller", erzählte Karakaş in einem "Stern"-Interview mit leicht schwäbischen Akzent. Der Togg-Chef war mehr als 20 Jahre bei Bosch beschäftigt und dort unter anderem für das Asiengeschäft verantwortlich.

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Deutschland auch ein Testmarkt für Togg

Mit zwei Elektromodellen will Togg Ende September in Deutschland starten – einer Limousine und einem SUV. Zum Preis macht das Unternehmen noch keine Angaben. Deutschland sei faktisch der größte Markt, so Karakaş: "Wenn wir uns dort behaupten, können wir uns überall behaupten". Experten schätzen, dass der Hersteller auch auf die große türkische Community in Deutschland setzt.

2022 stellte Togg (Kurzform von "Türkiye'nin Otomobili Girişim Grubu") sein erstes Fahrzeug vor. Die Pandemie hatte den Zeitplan etwas verzögert. Seitdem wurden rund 60.000 Exemplare des SUV T10 X im eigenen Land verkauft. Das Modell soll die türkische Alternative zum Volkswagen ID.4 sein. Mit gleicher Technik kommt nun eine E-Limousine dazu, die mögliche Kundschaft vom VW-Modell ID.7 ansprechen will.

IAA-Messestand 2024 vom türkischen E-Autohersteller Togg. Togg hat von 2023 auf 2024 seinen Absatz um etwa 54 Prozent steigern können  - von 19.583 auf 30.093 Stück.
IAA-Messestand von Togg: Der E-Autobauer hat von 2023 bis 2024 seinen Absatz in der Türkei um etwa 54 Prozent steigern können - von 19.583 auf 30.093 Stück.

"Handelsblatt": Digitales wie sonst eher im Luxussegment

In der Türkei gibt es die SUV-Basisversion ab 40.000 Euro. Autoexperte Wolfgang Gomoll vom Nachrichtenmagazin "Stern" lobte im April 2024 nach einer Testfahrt: "Der Elektro-Crossover beeindruckt mit einem digitalen Ökosystem, in dem die künstliche Intelligenz sogar Radio-Playlists erstellt und mit guten Ladeleistungen." Das "Handelsblatt" lobte kurz vor dem Start der Automesse in München, dass der E-SUV T10X mit hoher Leistung fahre. Der Wagen beinhalte Ideen, die es auch bei anderen Herstellern geben würde. Aber wenn, dann eher im Luxussegment und nicht in der Mittelklasse.

Und weder der durchgehende Bildschirm quer über die gesamte Fahrzeugbreite ist einzigartig, noch wird Togg viele Kunden allein mit einem Musikgenerator überzeugen können, der aus 2000 Instrumentaltiteln mit künstlicher Intelligenz ganz individuelle Sounds komponiert. Auch die digitale Kunst hat man schon öfter gesehen - obgleich nicht so ausgefuchst wie im Togg und obendrein eher im Luxussegment als in der Mittelklasse.

Erdoğan wollte türkischen Volkswagen

Togg gilt als Prestigeprojekt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Er hatte die Gründung des Joint Ventures gefördert und bewirbt es auch bei Staatsbesuchen. Dabei hat er auch Togg-Exemplare verschenkt.

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Der pakistanische Premier fuhr zusammen mit dem türkischen Präsidenten im Islamabad im Februar 25 in einem Togg. Die türkische Automarke startet jetzt offiziell auch in Deutschland.

Togg hat in der Türkei mit dem Ladeinfrastruktur-Unternehmen Trugo ein Schnellladenetz mit über 2.000 Ladepunkten aufgebaut. "Ermöglicht durch enge Zusammenarbeit mit lokalen Behörden, nationalen Entscheidungsträgern und Infrastrukturpartnern", so der Togg-Chef im Interview mit Pressestelle der Automesse. In einer knappen halben Stunde könnten so 80 Prozent Leistung aufgeladen werden. 

Wie in der Türkei soll der Togg-Vertrieb in Deutschland direkt erfolgen. Dafür sollen in großen Städten wie etwa München, Berlin und Hamburg "Experience Center" entstehen. Bis 2032 sollen eine Million Togg auf den Straßen rollen.

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Autor/in
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele
Geli Hensolt
Geli Hensolt

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