Keine Zeit, um "Das Duell" zwischen Schweitzer und Schnieder live zu verfolgen? Kein Thema: Hier gibt es die kompletten 90 Minuten zum Nachschauen.
- Faktencheck: Messerkriminalität
- Faktencheck: Straßennetz
- Faktencheck: 100 Prozent Ökostrom
- Faktencheck: Investitionsausgaben des Landes
- Voting: Wer hat Sie mehr überzeugt?
- Faktencheck: So viele Lehrer wie nie, aber...!
- Fakencheck: Fehlende Schulreife
Die komplette Sendung zum Nachschauen
Gute Nacht, Rheinland-Pfalz!
Nach einem spannenden TV-Duell zwischen den beiden Spitzenkandidaten, Alexander Schweitzer (SPD) und Gordon Schnieder (CDU), ist unser Liveblog hiermit am Ende angekommen.
Das SWR Fakten-Team RLP bedankt sich bei allen Mitleserinnern und Mitlesern für das Interesse und freut sich bereits auf die Wahlarena am Donnerstag um 20:15 Uhr - da sind wir auch wieder am Start. Wir lesen uns!
Nach dem "Duell" - welcher Eindruck bleibt?
Auch wir hier im Hause haben alle das "Duell" mit Spannung verfolgt. Den folgenden Eindruck nimmt Olaf Kapp aus der Landespolitik Rheinland-Pfalz im SWR nach der 60-minütigen Sendung mit:
"Das TV-Duell zwischen Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) und seinem Herausforderer Gordon Schnieder (CDU) verlief insgesamt sachlich und ohne dramatische Zuspitzungen. Beide Kandidaten konnten Akzente setzen - am Ende hinterlässt der Abend jedoch leichte Vorteile für den Herausforderer.
Schweitzer punktete vor allem mit Regierungserfahrung und Routine. Der Amtsinhaber wirkte vorbereitet und argumentierte aus der Perspektive eines Regierungschefs, der die politischen Abläufe in Mainz genau kennt - von der Unternehmensansiedlung in Rheinhessen bis zur Transformation in Kaiserslautern. Seine Antworten waren meist klar, zuweilen aber etwas formal und allgemein.
Schnieder nutzte dagegen die Rolle des Herausforderers sichtbar, um Schwachstellen der Landesregierung anzusprechen. Besonders seine Kritik an der Bildungspolitik - etwa Unterrichtsausfall und Lehrermangel - traf einen sensiblen Punkt, gerade nachdem Schweitzer zu Beginn des Duells versucht hatte, das Thema zu besetzen. Auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes setzte er mehrere klare Akzente und konnte damit thematisch Druck auf den Amtsinhaber ausüben.
Inhaltlich zeigten sich zwar keine völlig gegensätzlichen Programme. Dennoch gelang es Schnieder mehrfach, konkrete Problemfelder zu benennen und damit den Charakter eines klassischen Herausforderer-Auftritts zu unterstreichen - eine Balance zwischen Kritik und eigener Perspektive.
So bleibt nach diesem Duell der Eindruck eines insgesamt ausgeglichenen Abends - mit leichten Vorteilen für Gordon Schnieder, der es stellenweise schaffte, die politische Agenda zu setzen.
Der Wahlkampf in Rheinland-Pfalz bleibt damit weiterhin offen.
Video: Beim Sonderurlaub für Spitzenbeamte wird es hitzig
Seit einigen Tagen steht die Landesregierung erneut wegen eines Sonderurlaubes in der Kritik. Das SPD-geführte Innenministerium hat einer Beamtin Sonderurlaub gewährt, um als Kampagnenleiterin den SPD-Landtagswahlkampf zu organisieren. Die Beamtin erhält während des Sonderurlaubs keine Bezüge vom Land. Ihre Pensionsansprüche steigen aber weiter. Experten bewerten den Fall als rechtswidrig. Es ist das erste Mal an diesem Abend, dass Schnieder und Schweitzer wirklich hart diskutieren.
Faktencheck: Messerkriminalität
Wir haben nochmal genauer auf die Aussagen zur Messerkriminalität geschaut. Gordon Schnieder sagte: "Wir haben erst gestern die polizeiliche Kriminalstatistik bekommen. Wir sehen dort ein Phänomen, was erst seit 2020 aufgenommen worden ist. Das ist die Messerkriminalität. Das ist keine deutsche Kriminalität, das ist eine zugewanderte Kriminalität. Und wer mit Messern rumläuft, die Zahlen sind nochmal gestiegen, nahezu 1,5 bis 2 Fälle pro Tag, wer so straffällig wird, muss dieses Land verlassen."
Laut der polizeilichen Kriminalstatistik für Rheinland-Pfalz gab es im Jahr 2025 561 Fälle, bei denen bei einer Tat ein Messer verwendet wurde - also, wie Schnieder sagte, im Schnitt etwa 1,5 Fälle pro Tag. Dabei handelte es sich vor allem um Körperverletzungen, aber es gab darunter auch Fälle von Totschlag, Mord oder sexueller Nötigung. Über ein Viertel der Gewalttaten mit einem Messer standen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Anzahl an Straftaten unter Verwendung eines Messers seit 2022 (436 Fälle) gestiegen, waren aber auch schon höher (2020: 600 Fälle).
Fazit: Schnieder nennt eine korrekte Größenordnung, was die Anzahl der Straftaten mit einem Messer angeht. Mit Blick auf die Herkunft von Tätern, gibt Thomas Bliesener vom Kriminologischen Institut Niedersachsen dem SWR folgende Einschätzung:
Die Aussage Schnieders, es handele sich um "keine deutsche Kriminalität", sondern um eine "zugewanderte Kriminalität", lässt sich ihm zufolge wissenschaftlich nicht belegen, auch wenn Migranten in der Kriminalstatistik überrepräsentiert seien.
Straßenausbaubeiträge - wer will was?
Dieses Thema ist in Rheinland-Pfalz schon ein Evergreen: die Straßenausbaubeiträge. Sie sind vielen Bürgern und Bürgerinnen ein Dorn im Auge, immer wieder führen sie zu erheblichen finanziellen Belastungen.
Schaut man in die Wahlprogramme, findet man bei der SPD nichts zu diesem Thema und bei der CDU das Versprechen, die Beiträge abzuschaffen und die Finanzierung künftig aus allgemeinen Landesmitteln zu stemmen. In der Diskussion wird klar, dass die beiden Parteien in dieser Frage nicht auf einer Linie sind.
SPD-Spitzenkandidat Schweitzer erklärt seine Haltung damit, dass der Gemeinde- und Städtebund an den Straßenausbaubeiträgen festhalten wolle. Der Grund: Eine fehlende Alternative für die Finanzierung.
Herausforderer Schnieder hält dem entgegen, dass es sich um eine allgemeine Daseinsvorsorge handele, die von allen genutzt werde. "Dann muss sie auch von allen getragen werden."
Wie machen es andere Bundesländer?
Der Bund der Steuerzahler RLP weist in einer Stellungsnahme zum Thema darauf hin, dass es in neun Bundesländern keine Ausbaubeiträge gebe und in sechs Bundesländern die Kommunen die Wahlfreiheit bei der Erhebung hätten. Und weiter: "Und dort wo die Kommunen die Wahlfreiheit haben, entscheiden sich diese in großer Zahl bewusst gegen die Ausbaubeiträge. Beispielsweise verzichten in Hessen und Niedersachsen jeweils rund 50 Prozent der Kommunen auf Ausbaubeiträge und in Schleswig-Holstein sogar rund 80 Prozent."
Video: Wer ist Schuld an der Unterfinanzierung der Kommunen?
Viele Kommunen in Rheinland-Pfalz leiden unter knappen Kassen. Zuletzt hatten mehr als 740 Ortsgemeinden in Rheinland-Pfalz gemeinsam Alarm geschlagen und sich direkt an den Ministerpräsidenten gewandt. Der sagt im TV-Duell: "Würde die Bundesregierung so viel leisten für die Kommunen, wie ich es getan habe, hätten wir in Deutschland ein Problem weniger." Da kommt CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder ins Schmunzeln.
Experte zu Gewalt an Schulen und einem Social-Media-Verbot
Zum Thema Gewalt an der Schule und einem möglichen Social-Media-Verbot sagt Professor Olaf Köller vom Leibniz Institute for Science and Mathematics Education in Kiel, dass "insgesamt wenige wissenschaftliche Belege vorliegen, wonach die Nutzung von Social Media einen Anstieg der Gewalt in Schulen erklärt. Vor allem erklären sie nicht die Zunahme der Gewalt bei den Jüngeren. Zurecht weist der Ministerpräsident allerdings darauf hin, dass die Gesellschaft insgesamt gewalttätiger geworden ist."
"Die Idee von Herrn Schnieder, Videoüberwachungen zu ermöglichen, ist vermutlich datenschutzrechtlich sehr kritisch. Klassengrößen zu reduzieren, erscheint mir im Grundschulbereich wenig zielführend, da die Klassen dort ohnehin relativ klein sind. Richtig im Sinne der Gewaltprävention ist der Ansatz von Herrn Schnieder, bei den Kleinsten anzufangen."
Experte zu Videoüberwachung an Schulen: "Noch nicht evaluiert"
Wir haben Experten gebeten, uns ihre Einschätzungen zu einigen Themengebieten zu geben. Professor Thomas Bliesener vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen sagt zum Thema Videoüberwachung:
"Die kriminalpräventive Wirkung der Videoüberwachung ist international gut untersucht. Es finden sich moderate Effekte bei der Vermeidung von Eigentumskriminalität und Drogenhandel im öffentlichen Raum. Besonders Diebstähle von und aus Kfz auf Parkplätzen und in Parkhäusern können vermindert werden. Bei der Prävention von Gewaltvorfällen sind die Befunde ernüchternd. Der Wirkungsnachweis fehlt bisher. Allerdings sind Videoüberwachungen im schulischen bisher nicht evaluiert, möglicherweise weil sie dort bisher auch kaum installiert sind."
Experte für Körpersprache: "Jeder Stammtisch hat wahrscheinlich mehr Schärfe"
Bei so einem Duell geht es ja nicht nur um den Inhalt, sondern auch darum, wie sich die Kandidaten präsentieren. Werner Dieball, Experte für Körpersprache und Auftrittswirkung, hat sich für den SWR angeschaut, wie Alexander Schweitzer und Gordon Schnieder sich verhalten haben. Ihm zufolge entscheidet "die Körpersprache darüber, wer sympathischer rüberkommt, wem wir mehr Vertrauen schenken, wer überzeugender seine Positionen vertritt. Deshalb sind Gestik, Mimik und Motorik wichtig."
Sein Fazit fällt deutlich aus: "Jeder Stammtisch hat wahrscheinlich mehr Schärfe." Dieball analysiert, "dass beide sehr stark in ihrem statischen Korsett waren, sie waren sehr kontrolliert. Ich würde sagen: kontrollierte Defensive und wenig Offensive. Wenn wir es von der Form her betrachten, hat Herr Schweitzer sich häufiger auch mal an Herrn Schnieder gewandt. Er ist eher in die aktive Rolle gegangen. Darauf hat Herr Schnieder dann reagiert. Er blieb eher meistens in seinem Radius".
Umfrage: Schnieder hat mehr Menschen überzeugt
Wir hatten Sie gefragt, wer aus Ihrer Sicht mehr überzeugt hat: Alexander Schweitzer (SPD) oder Gordon Schnieder (CDU)? Hinweis: Das Ergebnis zeigt ein aussagekräftiges Stimmungsbild der Zuschauer im SWR, ist aber nicht repräsentativ. Rund 13.000 Stimmen wurden gezählt. Pro Endgerät wurde im Backend nur eine Stimme gezählt.
Gordon Schnieder hat 57 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer überzeugt: Ihm wurden klare, konkrete Antworten ohne Floskeln zugeschrieben. Er habe authentisch und glaubwürdig gewirkt und er habe faktenbasiert und kompetent argumentiert.
Alexander Schweitzer hat 43 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer überzeugt: Er habe authentisch und sympathisch gewirkt. Er hatte demnach ein souveränes und sicheres Auftreten und wirkte sachlich, kompetent und ehrlich.
Die Finanzierung der Kommunen - ein ständiger Zankapfel
Schweitzer sagt im Duell, dass unter ihm als Ministerpräsident die Kommunen in Summe 1,4 Milliarden Euro bekommen haben. Wie ist diese Zahl einzuordnen?
Es handelt sich dabei um diverse Einmalzahlungen. Die Kommunen fordern aber dauerhaft, also strukturell mehr Geld, weil ihre Einnahmen nicht mehr reichen, um die Ausgaben zu decken. Der Landesrechnungshof hat für 2023 ausgerechnet: Die Ausgaben der Kommunen sind mehr als fünfmal so stark gestiegen wie die Einnahmen.
Für das Jahr 2024 hat der Finanzreport der Bertelsmann-Stiftung berechnet, dass von den 36 Kreisen und kreisfreien Städten im Land nur drei Kommunen einen Überschuss erzielt haben. Alle anderen haben Minus gemacht.
Und im Sommer 2025 beschreibt die Landrätin des Landkreises Südwestpfalz, Susanne Ganster (CDU), die Lage so: "Wenn das Land uns nicht mehr Geld gibt, saufen wir ab."
Faktencheck: Straßennetz
Alexander Schweitzer sagt zum Thema Mobilität und Verkehr: "Rheinland-Pfalz hat das dichteste Straßennetz in ganz Deutschland."
Tatsächlich hat Rheinland-Pfalz ein 18.306 Kilometer langes Straßennetz, inklusive Autobahnen, Bundesstraßen, Landstraßen und Kreisstraßen. Gemessen an der Landesfläche ist es das dichteste Straßennetz aller Bundesländer, noch vor Nordrhein-Westfalen und dem Saarland.
Video: Batteriefabrik sorgt für erste Spannungen in der Lokhalle
Die Enttäuschung war groß, als kürzlich bekannt wurde, dass ACC doch keine Batteriezellfabrik in Kaiserslautern bauen wird und damit in der ohnehin nicht mit Arbeitsplätzen gesegneten Westpfalz keine neuen Jobs entstehen. Gordon Schnieder kritisiert im Gespräch, das Land habe sich zu wenig für das Projekt eingesetzt. Das lässt der Ministerpräsident nicht auf sich sitzen.
Das waren "Das Duell" und Analyse im TV - hier gehts aber weiter
Das Duell zwischen SPD-Spitzenkandidat Alexander Schweitzer und Gordon Schnieder, Spitzenkandidat der CDU, ist im Fernsehen vorüber. Wir bleiben hier im Blog aber weiter am Ball und analysieren weiter.
Am Donnerstag um 20:15 Uhr treffen hier in großer Runde die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten von sieben Parteien, die sich zur Landtagswahl stellen, aufeinander. Die Sendung wird wieder live im SWR Fernsehen zu sehen sein und im Internet gestreamt. Wir freuen uns, wenn Sie wieder dabei sind.
Videoüberwachung gegen Gewalt in Schulen - wie effektiv ist das?
Um die Bildung und die Situationen an den Schulen im Land ging es zu Beginn der Sendung. Hier reichen wir noch eine Einordnung nach: Schnieder sagte zum Thema Gewalt in Schulen: "Und dann kommen wir in die Situation an den Realschulen, dass sich Lehrer Polizei an den Schulen wünschen. Es war ein Wunsch der Lehrerschaft, Videotechnik auch auf Fluren einzusetzen."
Dabei bezog sich Schnieder offenbar auf die Situation an der Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen. Dort gab es tatsächlich solche Forderungen. Doch kann eine Videoüberwachung Gewalt an Schulen verhindern?
"Die Annahme, dass Videoüberwachung Gewalt verhindert, kann nicht bestätigt werden. Videoüberwachung hilft gegen Diebstähle von Autos auf Parkplätzen und Parkhäusern, aber nicht bei der Vermeidung von Gewalt," so eine Einschätzung von Thomas Bliesener vom Kriminologischen Institut Niedersachsen.
Zudem sei es ein Mythos, dass Strafe schnell erfolgen muss. "Alle Maßnahmen, die zur Verfahrensbeschleunigung beigetragen haben, zeigen nicht unbedingt eine Wirkung."
Faktencheck: 100 Prozent Ökostrom
Wir haben uns folgende Aussage von CDU-Kandidat Gordon Schnieder zur Windkraft genauer angeschaut: "Wir haben noch vier Jahre Zeit bis 2030 bilanziell, Strom nur aus Erneuerbaren herzustellen. Das würde mindestens 900 zusätzliche Windkraftanlagen bedeuten, jetzt noch in weniger als vier Jahren."
Zurzeit stammen laut Statistischem Landesamt 64 Prozent des in Rheinland-Pfalz genutzten Stroms aus Erneuerbaren Energien wie Windkraft, Solar, Biomasse und Geothermie. Den größten Teil macht die Windkraft mit insgesamt 1.783 Windenergieanlagen aus.
Nimmt man an, dass die neuen Windräder dieselbe Leistung wie die bisherigen Windräder erzeugen, kommt man für eine 100-Prozent-Versorgung auf 2.701 Windkraftwerke, was 918 zusätzliche wären. Dabei ist allerdings nicht berücksichtigt, dass immer mehr alte Windräder durch neue, wesentlich leistungsfähigere ersetzt werden (Repowering). Außerdem geht der Ausbau der Solarenergie schneller voran als der Zubau bei der Windkraft. Deshalb wächst der Anteil an Solarstrom im Verhältnis zum Strom aus Windenergie.
Eine weitere unbekannte Größe ist der künftige Stromverbrauch. Mehr E-Autos und eine fortschreitende Dekarbonisierung der Industrie könnten den Strombedarf in die Höhe treiben. Klar ist: Um das Ziel 100 Prozent Ökostrom bis 2030 zu erreichen, muss in Rheinland-Pfalz mehr Strom aus Erneuerbaren Quellen erzeugt werden.
Fazit: Wie viele zusätzliche Windkraftanlagen dafür benötigt werden, lässt sich nicht so einfach sagen.
Faktencheck: Investitionsausgaben des Landes
Schweitzer sagt zu Infrastruktur: "Der Landesrechnungshof attestiert uns für 2024, dass unsere Kommunen überdurchschnittlich viel investieren im Vergleich zu ganz Deutschland."
Aus dem aktuellen Kommunalbericht geht hervor, dass die RLP-Kommunen bei den Investitionsausgaben pro Kopf im Vergleich der Flächenländer (also ohne die Stadtstaaten) den zweiten Platz hinter Hessen belegen.
Darüber hinaus hat der Rechnungshof festgestellt, dass die Investitionsausgaben der RLP-Kommunen seit 2016 kontinuierlich steigen. Aber: Daraus lässt sich nicht ableiten, dass in den RLP-Kommunen auch tatsächlich immer mehr gebaut wird. Im Bericht heißt es dazu: "Angesichts deutlich gestiegener Baupreise ist jedoch davon auszugehen, dass der Anstieg vor allem inflationsbedingt war und nicht mit einer Ausweitung der Bautätigkeit einherging."
Wenn man den Preisanstieg berücksichtigt, ist es sogar so, dass die RLP-Kommunen 2022 weniger investiert haben als vor 30 Jahren. Im Bericht heißt es dazu: "Preisbereinigt blieben die Investitionsausgaben des Jahres 2022 deutlich hinter denjenigen des Jahres 1991 zurück."
Fazit: Ja, statistisch gesehen investieren die RLP-Kommunen mehr als andere Länder. Das bedeutet aber keineswegs, dass in RLP-Kommunen mehr gebaut wird. Ganz im Gegenteil. Die RLP-Kommunen investieren unterm Strich laut Rechnungshof weniger als 1991.
Die weichen Standortfaktoren - wie schneidet RLP ab?
Schnieder sagt: "Und dann hat mich schon geschockt die ZEW-Studie Standortfaktor: Wir sind bundesweit Letzter. Wir haben keine Verlässlichkeit in der Kita, wir haben keine Verlässlichkeit in der Bildung. Wir haben keine Verlässlichkeit in der Gesundheit. Da sind wir Letzter. Wenn ich aber Firmen ansiedeln lassen möchte, wenn ich will, dass sich hier Familien niederlassen, müssen wir diese Standortfaktoren deutlich nach oben bringen. Dass es dann auch für alle wünschenswert ist, hier hinzukommen."
Die von Schnieder angesprochenen Punkte Kita (Kinderbetreuung) und Bildung sind in der Studie gesondert erfasst. Unter den Flächenländern liegt Rheinland-Pfalz in Sachen Kinderbetreuung auf Platz 8 von 12. Bei der Schulbildung belegt Rheinland-Pfalz den dritten Platz unter den Flächenländern. Bei Hochschulbildung Platz 9. Das Thema Gesundheit wird in der genannten Studie nicht explizit gesondert erfasst.
Voting: Wer hat Sie mehr überzeugt?
60 Minuten Debatte sind vorbei - wer hat sich besser geschlagen? Stimmen Sie hier ab:
Hinweis: Das Ergebnis zeigt ein aussagekräftiges Stimmungsbild der Zuschauer im SWR, ist aber nicht repräsentativ. Rund 13.000 Stimmen wurden gezählt. Pro Endgerät wurde im Backend nur eine Stimme gezählt.
Hier geht es im Livestream gleich weiter mit der Analyse.
Nochmals der Blick auf die Redezeiten
Kurz vor dem Ende der Live-Sendung nochmals ein kurzer Zwischenstand zu den Redezeiten der beiden Spitzenkandidaten: Alexander Schweitzer kommt auf 17:42 Minuten, Gordon Schnieder jetzt auf 18:30 Minuten - da hat der CDU-Kandidat ganz schön aufgeholt.
Straße, Schiene, Radweg - wo braucht es am meisten Geld?
In einer aktuellen Umfrage für den SWR hat Infratest dimap die Menschen in Rheinland-Pfalz gefragt, in welche Verkehrsinfrastruktur vor allem investiert werden sollte. So sieht das Ergebnis aus:
Viertes Thema wird Mobilität und Verkehr
Sie haben abgestimmt: Das vierte Thema des Duells wird Mobilität und Verkehr. Das Thema Gesundheit fällt aber nicht hinten runter. Das wird am Donnerstag diskutiert, wenn in der Wahlarena die sieben Spitzenkandidatinnen und -kandidaten von SPD, CDU, AfD, Grüne, FDP, Linke und Freie Wähler diskutieren. Natürlich wieder live im SWR Fernsehen, Mediathek und im Livestream.
Wie attraktiv ist Rheinland-Pfalz als Standort wirklich?
Beim Thema Wirtschaft geht es um die Frage: Ist Rheinland-Pfalz attraktiv für Unternehmer? Ministerpräsident Schweitzer verweist darauf, dass erst heute die zwei BioNTech-Gründer bekanntgegeben haben, ein neues Unternehmen zu gründen. Schweitzer ergänzt: "Wir in Europa sind einer der europaweit stärksten Standorte für Biotechnologie. Das gilt für Pharma und Chemie ebenfalls."
Allerdings ist bislang zum einen nicht klar, wo das neue Unternehmen der BioNTech-Gründer aus der Taufe gehoben wird.
Zum anderen hat eine aktuelle Erhebung zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Rheinland-Pfalz ein wenig rosiges Bild gezeichnet:
Der Bundesländerindex Familienunternehmen sieht Rheinland-Pfalz bei der Standortqualität auf dem letzten Platz. Die Landesregierung (FDP-Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt) hatte die Studie, die vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim erstellt wurde, relativiert.
Denn ein Kriterium sei, ob es im Bundesland einen internationalen Flughafen gebe. Den hat Rheinland-Pfalz nicht, räumt Schweitzer ein, aber der wichtigste deutsche Flughafen Frankfurt am Main liegt nur 30 Kilometer von der Landesgrenze entfernt. Wäre Rheinland-Pfalz besser, wenn man den Faktor Flughafen unberücksichtigt lässt? Ja, in diesem Fall läge Rheinland-Pfalz nicht auf dem letzten, sondern auf dem vorletzten Platz hinter Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und dem Saarland.
Die Redezeiten der Spitzenkandidaten
Es sind etwa 35 Minuten des TV-Duells zwischen Alexander Schweitzer (SPD) und Gordon Schnieder (CDU) vorbei und damit für uns Gelegenheit, mal kurz auf die Redezeit der beiden Spitzenkandidaten zu schauen. Gordon Schnieder hat bislang 10:54 Minuten geredet, bei Alexander Schweitzer sind es 52 Sekunden mehr, nämlich 11:46 Minuten. Da hat Gordon Schnieder also noch ein paar Sekunden gut.
Faktencheck: So viele Lehrer wie nie, aber...!
Wir haben uns die Aussage von Ministerpräsident Schweitzer zur Zahl der Lehrerinnen und Lehrer angeschaut. Er sagt, es gibt 45.000 in Rheinland-Pfalz, das seien soviel wie nie. Alle Planstellen sind laut SPD-Bildungsministerium besetzt.
Allerdings heißt das nicht, dass es eine stabile Unterrichtsversorgung gibt. Laut der Gewerkschaft Wissenschaft und Erziehung (GEW) fehlen 5.000 Lehrkräfte im Land. Denn durch Teilzeit, Krankheit und Schwangerschaft fällt Unterricht aus. Und Vertretungsstellen zu schaffen, ist schwer, weil es nicht genug Lehrkräfte gibt. Das ist ein Problem, das räumt auch das Bildungsministerium ein. Und dadurch, das eben Vertretungslehrer fehlen, fallen dann auch Stunden aus. Fachpersonal ist knapp und absehbar bleibt das so. Zumal ja alle Bundesländer mit Lehrermangel zu kämpfen haben. Vor allem in Förderschulen und Realschulen plus aber auch Berufsbildenden Schulen werden Lehrkräfte gesucht. Und Lehrkräfte für naturwissenschaftliche Fächer, Kunst und Musik werden vor allem gesucht.
Fakencheck: Fehlende Schulreife
Das Thema Bildung treibt sehr viele Menschen im Land um - deshalb geht es darum auch als erstes im Duell.
Gordon Schnieder von der CDU sagt: "Wir haben 13.000 Grundschüler und Grundschülerinnen, die an ihrem ersten Schultag nicht schulreif seien. Weil sie die Sprache nicht sprechen oder den Stift nicht halten können, die Schere nicht halten können."
Allerdings wird "Schulreife" an sich nicht erhoben - eine solche Zahl kennt das Bildungsministerium nicht.
Getestet werden die Sprachkenntnisse - im Fachjargon ist von "Sprachstand" die Rede. Aber diesen Test müssen nicht alle Kinder, die in die Grundschule kommen, machen. Nur Kinder, die im letzten Vorschuljahr keine Kita besucht haben, werden getestet.
Im aktuellen Schuljahr wurden laut Bildungsministerium 40.800 Kinder eingeschult, von denen 717 getestet wurden. Bei 285 Kindern wurde eine Förderbedarf festgestellt und Förderung angeordnet.
Noch kein Schlagabtausch
Der erste Themenblock Bildung ist durch. Noch gibt es keinen offenen Schlagabtausch zwischen Schweitzer und Schnieder. Es geht gesittet zu.
Das vierte Thema - stimmen Sie ab!
Bildung, Wirtschaft und Integration sind als Themen für "Das Duell" gesetzt. Über das vierte Thema entscheiden Sie. Stimmen Sie hier ab, ob die vierte Fragerunde zur Gesundheit oder zur Verkehr sein soll:
RLP-Trend: SPD und CDU Ende Februar fast gleichauf
Die Stimmung im Land: Im letzten RLP-Trend Ende Februar zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU ab. Es wird also spannend in den letzten Tagen bis zur Wahl.
SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Alexander Schweitzer (SPD) Schweitzer: "Bin offen für KI-gestützte Videoüberwachung an notwendigen Hotspots"
SPD-Spitzenkandidat Alexander Schweitzer hat sich offen dafür gezeigt, öffentliche Plätze in RLP mit intelligenter Videotechnik zu überwachen.
SWR-Interviewreihe Politik Backstage mit Gordon Schnieder (CDU) Schnieder: "Von jetzt auf gleich Förderung auf Null fahren, ist kritisch"
Der Spitzenkandidat der CDU, Gordon Schnieder, kritisiert Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU), die Förderung für neue, kleine Solaranlagen einzustellen.