Nationaltheater Mannheim

„Ich lass‘ die Wände beben“ - Shirin Ali spielt den Hamlet

Voller Energie, trotzig und verletzlich zugleich, Shirin Ali den Königssohn in Shakespeares Hamlet am Staatstheater Mannheim. Dass sie eine junge Frau ist, spielt dabei keine Rolle. Dass sie eine Woman of Color ist, bedeutet viel, sagt Regisseur Nuran David Calis, für ihn ist Shirin Ali die Idealbesetzung.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Hamlet tobt über die Bühne. Regisseur Nuran David Calis ist von seinem Regiepult aufgestanden, ganz nah an den Bühnenrand gekommen und schaut der Schauspielerin Shirin Ali begeistert zu.

Den Hamlet inszenieren – oder nicht inszenieren? Vor dieser Frage stand Regisseur Nuran David Calis schon öfter: „Ich hatte schon immer gedacht, okay, ich muss diesen Auftrag auch mal annehmen. Und in dem Moment wusste ich, ich mache es, als ich die Hauptdarstellerin Shirin Ali kennengelernt habe. In diesem Moment wusste ich: ich habe einen Hamlet.“

Bühnenbild „Hamlet“: Shirin Ali (Hamlet)
Shirin Ali (*2000) spielt den Hamlet. Seit der Spielzeit 2024/25 ist sie festes Ensemblemitglied im Schauspiel am Nationaltheater Mannheim.

Atemberaubende Energie und Präsenz

Das Geschlecht der Spielerin spielt dabei für ihn keine Rolle. Sie ist der junge Königssohn Hamlet. Shirin Ali entwickelt schon bei der Probe eine atemberaubende Energie und Präsenz. Das ist genau das, was Nuran David Calis so sehr an ihr schätzt – und sich schon immer für seinen Hamlet g

Shirin Ali hat schon im Rahmen ihrer Ausbildung an der Schauspielschule am Nationaltheater Mannheim gespielt – und hat dort seit letzter Spielzeit ihr erstes festes Engagement. Für sie ist diese Rolle ein riesiges Geschenk:

„Also das macht dann schon Spaß, wenn man so mäßig frisch aus der Schauspielschule kommt und man darf jetzt so richtig mal die Wände beben lassen! Das ist ein sehr großes Privileg!“

Schattenbild aus „Hamlet“
Im Rache-Drama „Hamlet“ stellt Regisseur Nuran David Calis Fragen nach Identität, Beziehungen und Gemeinschaft in den Mittelpunkt.

Und natürlich auch eine große Herausforderung. Dabei hilft ihr nicht nur das Vertrauen des Regisseurs, sondern auch die Musik von Vivan Bhatti, die sie an vielen Stellen im Stück trägt und ihre Körpersprache beeinflusst – zwischen cool, ratlos und am Boden zerstört.

Wer darf auf der Bühne stehen, und wer nicht?

Shirin Ali ist sich bewusst, dass es auch im Jahr 2026 nicht selbstverständlich ist, dass Sie als junge Woman of Color als Hamlet auf der Bühne steht.

Wer auf der Bühne stehen darf und wen repräsentiert, wer eine Stimme bekommt – und wer nicht, sind wichtige Fragen, die viel zu lange nicht gestellt worden sind. Wichtig ist dem Produktionsteam auch die Frage nach der Haltung eines jeden einzelnen in der Gesellschaft – gerade angesichts erstarkender rechtsextremer, demokratiefeindlicher Kräfte.

Bühnenbild „Hamlet“
Regisseur Nuran David Calis hat seiner Inszenierung auch eigene Texte hinzugefügt hat. Es geht ihm darin auch um die Frage, wie wir uns in einem gewalttätigen Umfeld verhalten.

Hier setzen auch die Texte ein, die Nuran David Calis selbst geschrieben und dem Shakespeare Text eingefügt hat. Die Frage, wie wir uns in einem gewalttätigen Umfeld verhalten sollen. Mache ich mich schuldig, wenn ich nichts tue? Und welche Mittel wähle ich, um nicht auch Schuld auf mich zu laden? Am Ende steht ein Chor auf der Bühne, der an die Menschen erinnert, die hier bei uns Opfer rechter Gewalt wurden:

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Marie-Dominique Wetzel