Der Begriff „Poetry Slam“ als Wettstreit der Dichter auf der Bühne hat sich inzwischen etabliert. In Stuttgart treten im JOiN Komponistinnen gegeneinander an. Der „All Female Composer“ bei dem eben nur Frauen mit ihrer Musik gegeneinander antreten ist nach Angaben der Veranstalter eine Weltpremiere.
Das Slam Format ist längst nicht mehr nur im Sport zum Beispiel beim Boxkampf oder beim Grand Slam im Tennis oder Darts gegenwärtig, auch auf Theater- oder jetzt eben Musikbühnen wird „geslamt“ – also übersetzt: zugeschlagen, zerschmettert oder heruntergeputzt.
Poetry-Slam
Der Poetry Slam feiert 2026 sozusagen 50. Geburtstag. 1986 traten zum ersten Mal in Chicago Performance Poeten bei einer Show mit Offenem Mikro gegeneinander an. Die Idee hatte der Dichter Marc Kelly Smith, der als Urvater der Poetry-Slam Bewegung gilt.
Die Idee, die sich schnell in den USA verbreitete: Eine Art Dichterwettstreit auf der Bühne, die Slammer*innen bringen ihre selbst geschriebenen Texte – egal ob Geschichten, Gedichte oder Rap – mit.
Innerhalb einer festgelegten Zeit, meist zwischen fünf und sieben Minuten, müssen sie ohne weitere Hilfsmittel überzeugen. Auch die Art, wie vorgetragen wird, die Performance, spielt mit in die Bewertung hinein. Das Publikum ist die Jury.
Von verstaubten Lesungen auf die große Bühne
Thematisch kann alles dabei sein: Von Persönlichem, über Humorvolles zu Politischem. Literatur schafft so den Sprung aus den Hörsälen oder verstaubten Lesungen auf die belebte Bühne.
In den 1990er Jahren kommt die Poetry Slam Bewegung auch nach Deutschland. Eine wichtige Figur ist dabei Wolf Hogekamp, der ab 1994 regelmäßig Slams organisiert und selbst performt.
Im deutschsprachigen Raum bringt die Poetry Slam Bewegung große Namen wie Torsten Sträter, Julia Engelmann, Marc-Uwe Kling oder Hazel Brugger hervor.
Science-Slam
Ähnliches Prinzip wie bei der Poesie beim Science Slam: Hier sind wissenschaftliche Themen im Fokus. Es geht es darum, in zehn Minuten wissenschaftlich komplexe Themen dem Publikum unterhaltsam und verständlich vorzustellen.
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Neurologe Henning Beck ist deutscher Meister im Science Slam und erklärt hier, warum der Kopf leer ist, wenn mich jemand etwas fragt!
Das Format entstand auch in den USA, inspiriert vom Poetry Slam Anfang der 2000er. Kurze Zeit später kam es nach Deutschland und wurde für die Wissenschaftskommunikation genutzt.
Es gab erste große Veranstaltungen, die heute tausende Besucher*innen anziehen. Seit 2010 gibt es Deutsche Meisterschaften.
Zum Teil hochkomplexe Themen knapp und „sexy“ zu verpacken – eine große Herausforderung. Für eine größere Bekanntheit der Science-Slams sorgte der virale Auftritt der Mannheimer Ärztin und Autorin Giulia Enders. Aus „Darm mit Charme“ entstand später ein Bestseller.
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Composer-Slam
Seit 2013 gibt es den Composer Slam. Ein Komponierendenwettstreit, bei dem Komponist*innen aus unterschiedlichsten Genres zusammenkommen. Sie treten mit ihren eigenen Werken auf der Bühne gegeneinander an. Live und ohne Worte.
Im Mittelpunkt steht Instrumentalmusik. Die Bandbreite reicht von experimentell, über klassisch bis elektronisch.
Als Erfinder des Composer Slams gilt der Musiker und Schauspieler Simon Kluth. Auch hier entscheidet das Publikum. Oft sind die Stücke maßgeschneidert für die Slam Konzerte.
Am Ende bekommen alle eine Bühne und beispielsweise Neue Musik wird leichter zugänglich auch für ein junges Publikum.
Dead-or-Alive-Slam
Das Slam Format macht auch vor der Theaterbühne und den großen Klassikern nicht Halt. Beim Dead or Alive Slam treten Wortkünstler*innen der Jetzt-Zeit gegen tote Dichter*innen wie Goethe oder Shakespeare an.
Lebendige Poetry Slammer*innen präsentieren ihre aktuellen Texte. Dagegen stehen die Kult Texte von Meistern der Poesie aus dem Jenseits. Das Publikum entscheidet, ob die Klassiker immer noch mehr Wirkmacht haben, oder ob sie von den aktuellen Texten abgelöst werden.
Auf der Bühne hauchen Schauspieler*innen den Worten der Verstorbenen Leben ein. Ein gutes Beispiel dafür, welche Karriere die Slam Kultur auf den Bühnen gemacht hat.
Und dass der Humor beziehungsweise auch die Satire vor allem bei deutschen Slams, dabei sind auch die Comedy Slams zu erwähnen, eine große Rolle spielen.
Die Slam Kultur ist eine lebendige Vermittlungsform von Literatur, Wissenschaft oder Musik auf der Bühne. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.