Junge Oper im Nord Stuttgart

Weltpremiere: Der All Female Composer Slam

Der Blick in Konzertprogrammhefte zeigt: Bei Komponistinnen gibt es Nachholbedarf. Begabten Frauen fehlt eine Bühne, das zeigt der erste „Composer Slam“, bei dem nur Komponistinnen gegeneinander antreten.

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Stand

Von Autor/in Sophia Volkhardt

Ganz unterschiedliche Komponistinnen und Genres

Der Aufbau auf der Bühne irritiert: Ein Schlagzeug mit allerlei technischem Equipment, ein Kontrabass - daneben ein Tischchen mit merkwürdiger Rolle darauf, ein Flügel mit Kabeln und Synthesizer und dann noch eine einsame Laute, die an einem Stuhl lehnt.

Schwer vorstellbar, wie das musikalisch zusammengehen soll – aber es wird auch keine Band auf der Bühne erwartet, sondern vier Komponistinnen, die mit ihren ganz unterschiedlichen Werken gegeneinander antreten.

Simon Kluth
Erfinder des Composer Slams ist Simon Kluth. Der Musiker und Schauspieler moderiert den Abend.

Weltpremiere: Ein Slam nur mit Frauen

Simon Kluth moderiert den Abend, der Musiker und Schauspieler hat den Composer Slam vor mehr als zehn Jahren erfunden. Er hat die Komponistinnen für den Abend ausgewählt. So ein Slam nur mit Frauen – Simon Kluth spricht von einer Weltpremiere.

Jeweils zwei Runden müssen die Musikerinnen mit ihren Kompositionen bestreiten, das Publikum gibt direkt im Anschluss die Bewertung ab.

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Den Anfang macht Juliana Saib am Flügel. Bis 2025 studierte sie Jazz-Klavier und kombiniert ihre Kompositionen gerne mit animierten Zeichnungen.

Illustration und Musik gehen Hand in Hand

Sie erzählt: „Ich wollte mich nie zwischen den beiden Kunstwelten entscheiden. Deswegen dachte ich, ich bringe das Visuelle mit auf die Bühne.“ Wenn sie am Klavier komponiert, hat sie direkt Bilder, Formen und Farben im Kopf. Wenn die Komposition steht, bringt sie das Kopfkino auf Papier.

Am Flügel: Juliana Saib
Juliana Saib beschäftigt sich neben der Musik mit visueller Kunst und erforscht durch das Kombinieren ihrer Zeichnungen mit Musik die Verbindung von Jazz und Illustration.

Die Musik mutet verträumt an. Sanfte Jazzklänge, die die Gedanken in eine bunte Welt entführen, wo sie mit ihren Illustrationen verschmelzen.

Ganzkörperperformance am Kontrabass

Bei Kontrabassistin und Improvisationskünstlerin Daniela Petry wird der Kontrabass zu einem Klangkörper der besonderen Art: Nicht mehr nur mit den Saiten erzeugt sie Klänge. Bei ihrer Performance entlockt Petry dem Streichinstrument ungeahnte Laute, indem sie ihren ganzen Körper zum Einsatz bringt. Das Publikum ist erstmal sprachlos.

Kontrabassistin und Improvisationskünstlerin Daniela Petry.
Daniela Petry wurde 1982 in Essen geboren und gilt als eine der kreativsten Kontrabass-Spielerinnen der Gegenwart. Ihre Arbeit sprengt Grenregrenzen zwischen Improvisation, zeitgenössischer Musik und Performance.

Petry erklärt, dass sie bei ihren Stücken immer Strophen erarbeitet. Auch wenn die Arbeiten Theaterelemente aufweisen. „Ich baue immer Episoden. Und lasse auch mal was offen“, erklärt sie lachend.

Als Dritte tritt die iranische Komponistin Fatemeh Dehghani an. Sie studierte Oud in Teheran – die Kurzhalslaute. Aktuell studiert sie im Master in Deutschland. In ihren Stücken gehe es um beschwerliche Reisen, Umwege und die Hoffnungslosigkeit, die man unterwegs bei einer Reise erleben könne.

Ihren Auftritt widmet sie den Menschen in ihrer Heimat: Freunde und Familie, zu denen sie wegen der aktuellen Lage im Iran keinen Kontakt hat. Sie wünscht sich Frieden für das Land und die Menschen.

Die iranische Komponistin: Fatemeh Dehghani
Die iranische Komponistin Fatemeh Dehghani absolvierte ihren Bachelor- und Master-Abschluss in traditioneller iranischer Musik an der Uni Teheran. In Deutschland macht sie einen zweiten Master in Community Music beziehungsweise Musikpädagogik.

Ihre melancholische und doch lebendige Musik, bei der sie auch zum Teil Laute mitsingt und auch ihre Stimme als Instrument nutzt, berührt das Publikum sichtbar.

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Vielleicht ein Grund warum drei der Künstlerinnen in wenigstens einer ihrer Performances mit Visuals arbeiten. Auch die Stuttgarter Schlagzeugerin Lisa Wilhelm bedient sich kreativer Illustrationen. Zum Beispiel erzählt sie musikalisch eine abenteuerliche Reise mit dem Auto, die das Publikum auf einer Leinwand auch anhand von Bildern verfolgen kann.

Am Schlagzeug: Stuttgarterin Lisa Wilhelm
Lusa Wilhelm wurde 2023 mit dem Solistinnen-Preis des Jungen Deutschen Jazzpreises ausgezeichnet. Neben dem Jazz liebt sie die Popmusik. Mit dem in Stockholm gegründeten Trio BÖE hat sie 2025 eine EP veröffentlicht. Auch mit ihrem Lisa Wilhelm Quartett erschien 2025 das zweite Album.

„Das Stück heißt „Six Hours to Kairo” – und ich habe gedacht: Damit das Publikum mit mir diese Reise machen kann, die ich vor kurzem so erlebt habe, male ich sie einfach.” Dazu spielt sie virtuos und mit viel Humor ihre Drums.

Am Ende gewinnt Lisa Wilhelm mit ihren kreativen und lustigen Kompositionen. Den zweiten Platz macht Oud-Spielerin Dehghani.

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Und zum Abschluss improvisieren die vier Komponistinnen noch gemeinsam mit Moderator Simon Kluth – und es wird deutlich: Diese vier begabten Musikerinnen könnten sogar mit so einer wilden Kombination an Instrumenten eine Band starten.

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