Insel als Sinnbild globaler Krisen
Auf der Bühne nichts als zwei große, senkrecht stehende Leinwände. Wacklige Handykamera-Bilder flimmern darüber: eine nächtliche Fahrt durch einen Küstenort, gefilmt aus dem Autofenster.
Ein paar beleuchtete, ärmliche Häuser, immer wieder blitzt das Meer auf, hoch am Himmel der Vollmond. Erste Eindrücke vom Pazifik-Inselstaat Nauru, den Silke Huysmans und Hannes Dereere im Sommer 2018 für vier Wochen besuchen durften.
Kot von Seevögeln war begehrter Rohstoff
In Nauru gab es riesige Phosphat-Vorkommen, entstanden über Jahrhunderte durch den Kot von Seevögeln, die auf der Insel nisteten. Dieser bergehrte Rohstoff wurde bereits ab 1900 von deutschen Kolonialherren systematisch ausgebeutet.
Danach folgten die Australier. Fast die komplette Insel wurde dabei von Baggern zerstört und gleicht jetzt einer zerklüfteten Mondlandschaft. In einem der Videos aus dem Landesinnern, sieht man das Ausmaß der Zerstörung.
Eine ältere Bewohnerin erzählt, wie schön grün und fruchtbar die Insel teilweise noch in ihrer Kindheit war. Sie sei sehr traurig über den jetzigen Zustand ihrer Heimat und es tue ihr leid für ihre Enkel, die dort keine Zukunft hätten.
Kurzfristiger Reichtum ab 1968
Als der Pazifik-Inselstaat Nauru 1968 endlich unabhängig wurde, änderte sich die Lage schlagartig, denn jetzt wurden die Bewohnerinnen und Bewohner am Reichtum beteiligt.
Die Schlagzeilen von der kleinen Insel, wo fast alle rund 12.000 Einwohner Millionäre seien, gingen um die Welt. In den Medien wurde aus der „Vogelschiss-Insel“ die „Schatzinsel“.
Doch der Reichtum war schnell verprasst, zurück blieb ein zerstörter Ort, auf dem man nicht einmal mehr Landwirtschaft betreiben kann. Alle Lebensmittel müssen importiert werden, was frisches Obst und Gemüse für die meisten unbezahlbar macht, weswegen viele unter Übergewicht und Diabetes leiden.
Australien schiebt Flüchtlinge nach Nauru ab
Vor ein paar Jahren tat sich dann eine neue Geldquelle: Australien machte einen Deal und schickte seine abgeschobenen Flüchtlinge in Camps auf Nauru. Das Künstler-Duo hat auch mit einigen von ihnen gesprochen – trostlose Schicksale ohne Perspektive. Kritik wird unterdrückt, die Regierungen in Nauru und Australien sprechen lieber von einer „win-win-Situation“.
Hannes Dereere „Natürlich ist es ein Stück über diese spezielle Insel im Pazifik. Aber letztendlich erzählt es die Geschichte unseres Planeten, der ganzen Welt. Hier zeigen sich so viele aktuelle Probleme wie unter einem Brennglas. Und es erzählt auch sehr menschliche Geschichten, mit denen sich sicher viele Menschen identifizieren können.“
Bedrückender und beeindruckender Abend
In der Aufführung sieht man die ganze Zeit die beiden Handyscreens des belgischen Künstlerduos und daneben sie selbst, wie sie live Chatverläufe, Videos, Zeitungsartikel und Nachrichtenberichte öffnen, Interviews abspielen. Ein sehr bedrückender, aber auch beeindruckender Abend!
Und als hätte die Insel nicht schon genug Probleme, droht die Insel droht jetzt im Meer zu versinken und vor der Küste soll nach seltenen Erden und Metallen gegraben werden.