Ein Manga auf den Spuren von Sherlock Holmes
Eine kleine Insel vor der Küste von Tokio. Hier kamen vor zwölf Jahren ein berühmter Pianist und seine Familie in einer Feuersbrunst ums Leben. Jahre später erliegt der Bürgermeister der Insel-Gemeinde einem Herzinfarkt. Er stirbt über den Flügel gebeugt, den der Pianist der Gemeinde einst geschenkt hatte. Es setzt eine Reihe von Morden ein, alle stehen in Verbindung mit dem unheilvollen Instrument und Beethovens Mondscheinsonate.
Die Handlung erinnert unweigerlich an die Krimis von Sherlock Holmes oder Agatha Christies Thriller-Klassiker „Und dann gab's keines mehr“. Doch weit gefehlt: Es ist einer der ersten – und bis heute beliebtesten – Fälle von Conan Edogawa, einem Meisterdetektiv im Körper eines Grundschülers.
Mehr als 1.200 Folgen in 30 Jahren
In den vergangenen 30 Jahren hat der kleine Schnüffler in der Anime-Serie „Detektiv Conan“ unzähligen Erpressern, Mörderinnen und Trickbetrügern das Handwerk gelegt. Die Serie zählt aktuell mehr als 1.200 Folgen und 29 Kinofilme.
Sie beruht auf den Mangas des japanischen Autors Gosho Aoyama. Mit bislang 108 Bänden und mehr als 270 Millionen verkauften Bänden gehört „Detektiv Conan“ neben „One Piece“, „Asterix“ und den „Peanuts“ zu den erfolgreichsten Comic-Reihen der Welt.
„Mord bei Mondschein“, so der deutsche Titel des Falls um den toten Pianisten, war bei den Fans so beliebt, dass man ihn 22 Jahre nach der Erstausstrahlung im Jahr 1996 für die 1000. Folge der TV-Serie erneut verfilmte.
Sprecher und Produzent der Serie zu Gast in Mannheim
Auch in Deutschland wurde das 30-jährige Jubiläum von „Detektiv Conan“ gefeiert. Kappei Yamaguchi, die japanische Originalstimme der Hauptfigur, und Masataka Todo, Producer der Anime-Serie, waren Anfang August Ehrengäste der Anime-Messe Animagic in Mannheim.
Im Jahr 1996 habe wirklich niemand gedacht, dass die Serie so lange erfolgreich laufen würde, erklärt Kappei Yamaguchi rückblickend. „Damals hätte ich nicht erwartet, dass diese Figur auch für meine Karriere so wichtig werden würde.“
„So lange an einer Serie mitzuwirken, ist etwas ganz Besonderes“
Masataka Todo hingegen verfolgte die ersten Abenteuer von „Detektiv Conan“ selbst als 12-jähriger Schüler vor dem Fernseher. Seit 2005 arbeitet er an der Serie, seit 2022 ist er als Producer hauptverantwortlich: „Es ist für mich natürlich eine große Ehre, dass ich die Serie beim zehnten, zwanzigsten und nun dreißigsten Jubiläum begleiten durfte. Dass ich so lange an einer Serie mitwirken kann, ist für mich natürlich etwas ganz Besonderes.“
Erfinder Gosho Aoyama sei natürlich die zentrale Figur für den anhaltenden Erfolg von „Detektiv Conan“, so Todo, nicht ohne zu betonen, wie viele kreative Menschen an der Serie arbeiten. „Ich habe das Gefühl, dass wir die Serie gemeinsam entwickelt haben. Über die Jahre sind immer wieder neue Leute dazugekommen. Sie bringen neue Ideen mit.“ So gelinge es, die Serie bei aller Kontinuität über die Jahre frisch zu halten.
Am allerwichtigsten seien jedoch die Fans, betont Sprecher Yamaguchi: „Sie haben uns all die Jahre unterstützt und bestärkt. Das ist die beste Energiequelle für uns.“
Nur knapp die Hälfte der Folgen gibt es auf Deutsch
Nach Deutschland kam „Detektiv Conan“ Anfang der 2000er-Jahre im Zeichentrick-Nachmittagsfernsehen von RTL2. Hier hatte sich bereits durch Erfolgsserien wie „Sailor Moon“, „Dragon Ball“ und „Pokémon“ eine feste Anime-Fangemeinde etabliert.
Zwischen 2002 und 2006 wurden im Auftrag des Senders die ersten 333 Folgen synchronisiert und anschließend dauerhaft wiederholt. 2013 stellte der Privatsender sein Anime-Programm komplett ein.
Seit 2018 veröffentlicht Rechteinhaber Crunchyroll nach und nach neue Folgen. Bis heute sind so 533 Folgen auf Deutsch erschienen. Sie sind auf DVD und im Streaming-Service von Crunchyroll verfügbar. Es gibt also noch reichlich Material, das auf eine deutsche Veröffentlichung wartet.
Im Gegensatz dazu liegen die Mangas komplett in deutscher Sprache vor: Seit 2001 erscheinen sie bei Egmont Ehapa, Anfang August erschien der 108. Band in deutscher Übersetzung. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Best-of-Bänden und Short Stories.
Noch lange kein Ende in Sicht
„Conan“-Erfinder Aoyama hat nach eigenen Angaben das Ende der Serie bereits im Groben skizziert, doch ein großes Finale ist auch nach 30 Jahren noch nicht in Sicht.
Es sei wichtig, dass sich die Serie über die Jahre weiterentwickelt habe, meint Shinichi-Sprecher Kappei Yamaguchi: „Ich glaube, ‚Detektiv Conan‘ hat sich mit den Jahren verändert. Die Serie wurde immer an ihre Zeit angepasst.“ Gerade dass die Serie nicht in den Neunzigerjahren stehengeblieben sei, mache sie auch heute noch für das Publikum relevant.
In der realen Welt mögen 30 Jahre vergangen sein und über die Jahre sind zahlreiche Figuren dazugekommen, doch die Rahmenhandlung von „Detektiv Conan“ bleibt tatsächlich immer die Gleiche: Conan ist wie eh und je ein neunmalkluger Grundschüler und Detektiv Kogoro erfährt nie, wer sein kleiner Mitbewohner in Wahrheit ist.
Das Erwartbare, das dazu einlädt, immer mal wieder einzuschalten und am aktuellen Fall mitzurätseln, macht den anhaltenden Charme der Serie aus. „Detektiv Conan“ ist Cosy Crime als Zeichentrick.
Der 29. Conan-Film kommt ins deutsche Kino
Für die deutschen Fans gibt es in den kommenden Tagen ein Wiedersehen auf der Kinoleinwand. Mit „Der gefallene Engel des Highways“ kommt der 29. Film der Reihe in die deutschen Kinos.
Conan und seine Freunde verfolgen gemeinsam mit der Polizei den Fahrer eines unkontrolliert rasenden schwarzen Motorrads, das eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem hochentwickelten neuen Polizeimotorrad „Angel“ hat – und deswegen von den Behörden „Lucifer“ getauft wird.
Produzent Masataka Todo freut sich sehr, im Film eine neue Figur vorzustellen: die Assistenz-Inspektorin Chihaya Hagiwara wird eine zentrale Rolle spielen. Sprecher Kappei Yamaguchi schwärmt insbesondere von der animierten Motorrad-Action: „Ich hoffe sehr, dass die Fans die Geschwindigkeit genießen werden.“