Cardinale konnte gut beobachten
Von einem Interview, das sie mit Claudia Cardinale führte, erzählt Lisa Weiß: „Ich war total überrascht, dass sie für italienische Verhältnisse überpünktlich war.“ Für einen der größten Stars des europäischen Kinos sei Cardinale sehr unprätentiös gewesen: „Eine Frau, die überlegt, die zuhört, die etwas zu sagen hatte.“
Cardinale habe zwar auch Anekdoten aus ihrer Karriere erzählt, aber: „Man merkte dabei, dass sie auch eine sehr genaue Beobachterin ist.“
Eine Frau, die sich durchsetzen musste
Die in Tunesien geborene Cardinale, Tochter einer Französin und eines Sizilianers, erzählte gerne, wie sie als Halbwüchsige bei einem Schönheitswettbewerb in Tunis entdeckt und zu einer Reise in die italienischen Filmstudios Cinecittà bei Rom eingeladen wurde.
Ihren Sohn hielt sie lange vor der Öffentlichkeit geheim, weil sie vergewaltigt worden war. Das Frausein sei bei Cardinale sehr klar herausgekommen: „Man merkte, dass sie sich immer durchsetzen musste – und das auch gemacht hat auf ihre Weise“, so Weiß.
Die meisten Filmkritiker würden vor allem Cardinales Schönheit betonen und übersähen dabei, welch eine gute Schauspielerin sie gewesen sei.
Claudia Cardinale in „Der Leopard“ (1963)
Lob für Anti-Konformismus
Das Echo der italienischen Medien auf den Tod von Claudia Cardinale findet Lisa Weiß in einer Hinsicht bemerkenswert: Statt ihre italienischen Wurzeln zu betonen werde hervorgehoben, dass sie einer der großen Stars des europäischen Kinos gewesen sei.
„Man betont ihren Anti-Konformismus und ihren rebellischen Blick“, erklärt die ARD-Korrespondentin. Der Verband der italienischen Filmstudios hingegen schrieb: „Sie war der vielleicht schönste Stern im schönsten Moment unserer Kino-Geschichte.“