Reichlich Ärger in Dublin
Ärger ist zu erwarten in Dublin im Jahr 1868, als der Patriarch der Brauerei Benjamin Guinness stirbt. Anlässlich der Beerdigung drohen sich Konflikte zu entladen.
Auf der einen Seite die arme katholische Bevölkerung, aus der sich die nationalistische Fenian-Bruderschaft speist. Auf der andere Seite die schwerreiche Familie, die als Protestanten der britischen Krone nahestehen. Gleichzeitig sind sie aber auch der größte Arbeitgeber in der Gegend.
Von vier Guinness-Erben werden nur zwei bedacht
Ärger droht aber auch zwischen den Erben, den vier erwachsenen Kindern, die im Testament des Vaters sehr unterschiedlich bedacht werden. Während der Trunkenbold Benjamin und die bereits verheiratete Schwester Anne fast leer ausgehen, werden die Brüder Edward und Arthur über die Brauerei aneinandergekettet.
Vier Erben, eine dysfunktionale Familie im Geldadel - die Konstellation erinnert an die HBO-Erfolgsserie „Succession“.
Familienkrach ums Geld: Erfolgsrezept für jede Serie
Aber anders als in der Mediensatire überbieten sich hier nicht junge Schnösel in Zynismus. „House of Guinness“ erzählt zum Beispiel, wie der anfangs betont blasierte Arthur eine politische Karriere als konservativer Abgeordneter verfolgt und gleichzeitig versucht, seine Homosexualität im Untergrund auszuleben.
Währenddessen versucht sein Bruder Edward die Brauerei im Alleingang auf Vordermann zu bringen und erkennt, dass Beziehungen in alle gesellschaftlichen Schichten gut fürs Geschäft sind.
Nachfahren der Guinness-Dynastie lieferten die Vorlage
Die Idee und Vorlage zur Serie stammen von einer Nachfahrin der Familie Guinness, insofern beruht tatsächlich einiges auf den berühmten „wahren Begebenheiten“. Doch die werden von Showrunner Steven Knight effektvoll gerafft und dramatisiert. Knight hat zuvor mit der britischen Gangster-Saga „Peaky Blinders“ für Aufsehen gesorgt.
Wie dort schafft er es, „House of Guinness“ als historische Serie mit einer Sphäre von Coolness zu umgeben, mit Hilfe von ästhetisierender Zeitlupe, mit moderner Punkmusik und mit Figuren, die jede für sich ihre eigene Form von Stärke entwickeln.
Seien es die Brüder oder ihr „Mann fürs Grobe“, der Vorarbeiter Rafferty. Oder die Frauen, die konsequent Wege suchen, zwischen männlicher Macht und Hilflosigkeit nicht zu Opfern zu werden.
„House of Guinness“ verharrt nicht im Düsteren wie „Oktoberfest 1905“
Emotional bleibt die Serie dabei eher an der Oberfläche. Sie setzt im Zweifel auf Tempo und Bewegung, inszeniert die Straßen von Dublin oder auch die von New York, wohin die Brauerei mit dubiosen Mitteln expandiert, dunkel, laut, voller Gewalt und Alkohol.
Im Unterschied zum deutschen Bierbrauermythos „Oktoberfest 1905“ bleibt sie aber nicht in der düsteren Ecke stehen, sondern schärft den Blick für Klassenzugehörigkeiten, sie weist auf individuelle Möglichkeiten, Grenzen zu überschreiten und auf die Notwendigkeit in einer gespaltenen Gesellschaft Brücken zu bauen. Und sei es nur, um miteinander ein dunkles Bier trinken zu können.