Als Auftakt gibt es zweimal Ernst Ludwig Kirchner: sein tosend dahinstürzender „Bergbach“ mit gelbem Himmel und rosa Felsbrocken und sein scheinbar ruhigerer „Roter Baum am Strand“, der die idyllische Szenerie mit Badenden allerdings unheilvoll mit seinen blutroten Ästen überschattet.
Es ist eine selten gezeigte Leihgabe aus der Mannheimer Privatsammlung Fuchs-Werle, die zu dieser Ausstellung über 15 Gemälde beisteuert. Eine der vielen „Geschichten des Expressionismus in Mannheim“, die die Ausstellung erzählen möchte. Kirchners „Bergbach“ hingegen stammt aus der hauseigenen Sammlung.
Expressionistische Kunst galt unter den Nazis als „entartet“
Eine wichtige Rolle spielten in den 1910er- und 1920er-Jahren die Kunsthändler und Galeristen der Stadt – allen voran Herbert Tannenbaum, der früh Expressionisten kaufte und an die Kunsthalle vermittelte, aber dann vor den Nazis in die USA fliehen musste.
Über 500 Werke wurden 1937 als „entartet“ diffamiert und beschlagnahmt. Eines der wenigen, die nach dem Krieg zurückgekauft werden konnten, ist eine kleine Grafik von Otto Mueller, die jetzt in der Ausstellung gezeigt wird: „Knieender weiblicher Akt“.
Auch bedeutende Kunstsammler mussten vor den Nazis aus Mannheim fliehen, so wie der Unternehmer Sally Falk. Er hatte nicht nur früh expressionistische Kunst gesammelt, sondern auch Künstler nach Mannheim vermittelt.
Lehmbruck-Skulpturen begründeten renommierte Sammlung
Die Schenkungen einiger Lehmbruck-Skulpturen des Sammlers Falk in den 1920er-Jahren legten den Grundstock für die renommierte Skulpturensammlung der Kunsthalle Mannheim. Bildhauerei galt lange als Männerdomäne, eine der wenigen Frauen, die erfolgreich wurden, war Milly Steger. Ihr Werk ist jetzt erstmals in Mannheim zu sehen.
Ihre Rolle während der Nazi-Zeit ist allerdings umstritten. Genauso wie die von Emil Nolde, der nach neusten Forschungen dem NS-Regime und antisemitischen Gedankengut näherstand als lange Zeit angenommen.
Keine Scheu vor unbequemen Fragen zur expressionistischen Kunst
Die Mannheimer Ausstellung blickt aus heutiger Perspektive, und damit oft kritischer, auf die Kunstschaffenden des Expressionismus und ihre Werke: in Bezug auf kolonialistische Darstellungen „des Fremden“ wie bei Noldes Gemälde „Ferne Mädchen“, aber auch in Bezug auf Frauendarstellungen generell.
Es ist ein Verdienst der Kunsthalle Mannheim, dass sie diesen wichtigen und unbequemen Fragen nicht aus dem Weg geht.
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