Fünf Facetten einer Hollywood-Ikone

Liza Minnelli wird 80 – Die Liza mit dem „Z”

Mit „Cabaret“ trat Liza Minnelli aus dem Schatten ihrer berühmten Mutter. Ein Geburtstagsportät mit fünf Facetten in der Karriere einer der größten Entertainerinnen Hollywoods.

Teilen

Stand

Von Autor/in Dominic Konrad

Liza Minnelli als Sally Bowles in "Cabaret" (1972)
Die Rolle der Nachtclubsängerin Sally Bowles im Musicalfilm „Cabaret“ machte Liza Minnelli zur Filmikone und verhalf ihr zu einem Oscar. mptv

Die Tochter

Die Berühmtheit war Liza Minnelli quasi in die Wiege gelegt. Am 12. März 1946 wird sie als Tochter der Schauspielerin Judy Garland und des Regisseurs Vincente Minnelli geboren.

Garland hatte den 19 Jahre älteren Filmemacher am Set ihres Films „Heiße Rhythmen in Chicago“ (1940) kennengelernt. 1944 spielte sie in seinem Musical-Film „Meet Me in St. Louis“, die Hochzeit folgte im Juni 1945.

Doch die Ehe ist nur von kurzer Dauer: Bei den Dreharbeiten zum gemeinsamen Film „Der Pirat“ (1948) kommt es zu Spannungen, die Scheidung folgt drei Jahre später. Tochter Liza lebt im halbjährlichen Wechsel bei Mutter und Vater. „Meinen Ehrgeiz habe ich von meiner Mutter“, erinnert sich Minnelli später an ihre Eltern, „meine Träume von meinem Vater“.

Liza Minnelli gemeinsam mit ihrer Mutter Judy Garland (The Judy Garland Show, 1963)
Mutter, Tochter, Kolleginnen: 1963 tritt die 17-jährige Liza Minnelli singend an der Seite ihrer berühmten Mutter in deren TV-Programm auf. Everett Collection

Früh wird Minnelli mit dem Showbiz vertraut gemacht: Bereits mit drei Jahren steht sie zum ersten Mal an der Seite ihrer Mutter im Film „Damals im Sommer“ vor der Kamera. Das Mädchen wächst an den Filmsets ihrer Eltern auf.

In den 1960er-Jahren tritt Liza Minnelli mehrfach an der Seite ihrer Mutter auf. Sie ist etwa 1963 zu Gast in der „Judy Garland Show“. 1964 lädt Garland ihre Tochter ein, gemeinsam im London Palladium aufzutreten. Es sei der Moment, in dem sie und ihre Mutter erstmals einander als Künstlerinnen begegnet seien, erinnert sich Minnelli später rückblickend.

Judy Garland stirbt am 22. Juni 1969, kurz nach ihrem 47. Geburtstag, an einer Überdosis Schlafmittel. Es ist das Ende eines lebenslangen Kampfes gegen die Sucht. Der Verlust der Mutter wird auch für Minnelli ein Auslöser für ihre eigenen Suchterfahrungen mit Alkohol und Medikamenten, erklärt die Schauspielerin später. Mehrfach wird sie rückfällig, geht in Interviews jedoch immer wieder offen mit der eigenen Suchterfahrung um.

Die Schauspielerin

Bereits als Kind begeistert sich Liza Minnelli für die Bühne und insbesondere für den Broadway. 1961 wechselt sie von Los Angeles an eine High School in New York. Sie will in der „Stadt, die niemals schläft“ Fuß fassen.

Ihr Bühnendebüt gibt sie 17-jährig im Musical „Best Foot Forward“ an der Seite des ebenfalls noch unbekannten Christopher Walken. Zwei Jahre später wird sie für die Titelrolle im Musical „Flora the Red Menace“ besetzt. Sie erhält den Tony-Award als beste Hauptdarstellerin.

„Flora“ ist Minnellis erste Zusammenarbeit mit dem Autorenduo John Kander und Fred Ebb und wird zum Ausgangspunkt einer lebenslangen kreativen Partnerschaft. In der Verfilmung des Musicals „Cabaret“ wird sie bereits 1972 ihren Höhepunkt finden. Minnelli spielt unter der Regie von Bob Fosse die Hauptrolle der naiv-lasziven Nachtclubsängerin Sally Bowles. Die Rolle bringt ihr 1973 unter anderem einen Oscar ein.

Liza Minnelli als Sally Bowles in "Cabaret" (1972)
Bye bye, mein lieber Herr: In „Cabaret“ spielt Minnelli die lebensfrohe Kindfrau Sally Bowles, die in den Nachtclubs Berlins auftritt und die Augen vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten verschließt. mptv

Nach „Cabaret“ bleibt Minnelli sowohl vor der Kamera als auch auf der Bühne präsent. Kander und Ebb schreiben unter anderem Musik für ihr gefilmtes Special „Liza with a ‚Z‘“ (1972) und die Bühnenshow „Liza at the Winter Garden“ (1974).

Für Martin Scorseses Musicalfilm „New York, New York“, in dem Minnelli an der Seite von Robert De Niro spielt, schreiben Kander und Ebb ihr den gleichnamigen Titelsong auf den Leib. Die Nummer wird zu einer der bedeutendsten Melodien in Minnellis musikalischer Karriere.

Die Sängerin und Tänzerin

1991 gehört Liza Minnelli zu den ersten Künstlerinnen, die für ihr musikalisches Vermächtnis mit einem Grammy Legend Award ausgezeichnet werden. Ihre ersten eigenen Platten veröffentlichte die Entertainerin bereits 1964 bei Capitol Records.

Über zwanzig Studio- und Livealben veröffentlicht Minnelli bis heute. Eine besondere Bedeutung fällt dabei der Live-Platte „Liza’s Back“ von 2002 zu. Es ist ein persönlicher Triumph für die Sängerin: Nach einer schweren Gehirnentzündung, bei der zeitweise eine bleibende Sprachstörung vermutet wird, kämpfte sich Minnelli nach zwei Jahren Bühnenabstinenz mit diesem Album zurück ins Rampenlicht.

Liza Minnelli bei einem Konzert in Marbella (2007)
Als Sängerin steht Liza Minnelli sechs Jahrzehnte auf der Bühne. Sie arbeitet unter anderem mit Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Queen, den Pet Shop Boys und My Chemical Romance zusammen. mptv

Neben ihrer markanten wie kraftvollen Alt-Stimme ist Minnelli spätestens seit „Cabaret“ für ihren unverwechselbaren Tanzstil bekannt. Viele der emblematischen Bewegungen Minnellis sind von der langjährigen Zusammenarbeit mit Regie- und Choreografielegende Bob Fosse inspiriert.

Doch auch Minnellis körperliche Verfassung beeinflusst den eigenwilligen Stil: Seit ihrer Jugend leidet die Performerin an einer verkrümmten Wirbelsäule. „Der einzige Grund, warum ich das alles so mache, ist, dass ich es nur so schmerzfrei tun kann“, so Minnelli. „Ich habe zwei künstliche Hüftgelenke, ein verdrahtetes Knie, Skoliose, die ich schon immer hatte, und drei Bandscheibenvorfälle, aber mir geht es großartig. Ich tanze jeden Tag.“

Die Modeikone

Der Erfolg von „Cabaret“ macht Liza Minnelli Anfang der 1970er-Jahre auch zum modischen Vorbild vieler junger Frauen. Insbesondere der geometrisch-helmartige Pagenschnitt, den sich die Schauspielerin für ihre Rolle schneiden lässt und das Make-Up, das ihre großen Kulleraugen betont, werden zu Markenzeichen der jungen Schauspielerin.

Liza Minnelli in einem Kimono-Oberteil (1972)
Der asymmetrische Bob, den Minnelli im Film trägt, wird für sie zum Markenzeichen. In ihren Shows scherzt die Sängerin selbst über den ungewöhnlichen Haarschnitt. mptv

Wie kaum eine andere Künstlerin steht Liza Minnelli für den Glamour im New York der Siebziger, insbesondere im legendären Studio 54. Ihre Freundschaft mit dem Modedesigner Halston, der sie bis Ende der 1980er-Jahre für private und öffentliche Anlässe ankleidet, wird zu einer der bemerkenswertesten kreativen Zusammenarbeiten zwischen Mode- und Unterhaltungswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ich weiß es sehr zu schätzen, was alles dazugehört, Talent zu haben. Man ist nicht einfach talentiert, man muss daran arbeiten, talentiert zu sein.

Die Kultfigur

Ihr unverwechselbarer Stil, ihre markanten Bewegungen, die unvergessliche Stimme und nicht zuletzt ihr exzentrisches Auftreten machen Liza Minnelli zu einer popkulturellen Figur von allerhöchstem Wiedererkennungswert. Gerne und häufig wird sie parodiert.

Berühmt wurde etwa ein Sketch der traditionsreichen Comedy-Sendung „Saturday Night Live“, in dem Minnelli, gespielt von Komikerin Kirsten Wiig, versucht, mit unkoordinierten Tanzschritten eine Lampe auszuschalten.

Liza Minnelli Tries to Turn Off a Lamp - SNL

Auch unter Drag Queens gehört Liza Minnelli zu den am häufigsten imitierten Künstlerinnen. Generell erfreut sich Minnelli, wie auch schon ihre Mutter Judy Garland, einer enorm großen schwulen Fangemeinde.

Das liegt nicht zuletzt auch an ihrem beherzten Einsatz für die Rechte queerer Menschen: In den 1980er-Jahren gehört sie neben Elizabeth Taylor zu den ersten Hollywood-Stars, die ihre Popularität nutzten, um auf die Gefahren von AIDS aufmerksam zu machen.

Liza Minnelli im Theater des Westens Berlin (1987)
Vielfach imitiert, aber unverwechselbar: In ihrer mehr als sechzig Jahre umfassenden Karriere hat Liza Minnelli ihre eigene Inszenierung perfektioniert. BRIGANI-ART

Über die Jahre ist so aus der Künstlerin Liza Minnelli selbst eine Kunstfigur geworden, die uns in TV-Serien wie „Halston“ (gespielt von Krysta Rodriguez) oder im Musical „The Boy from Oz“, das vom Leben ihres ersten Ehemanns Peter Allen handelt, immer wieder aufs Neue begegnet.

Zu ihrem 80. Geburtstag hat Minnelli, die öffentlich wenig über ihr Privatleben preisgibt, eine Autobiografie vorgelegt – ein intimer Blick auf ein Leben, das für die große Leinwand gemacht zu sein scheint.

USA

100. Geburtstag des Filmstars Rock Hudson: All American Boy mit großem Geheimnis

Als Hollywoods größter Filmstar wurde Rock Hudson zum Posterboy für hemdsärmeligen Charme. Seine AIDS-Erkrankung gab der Pandemie ein Gesicht. Zum 100. Geburtstag des Filmstars

Zum Tod der französischen Filmikone Brigitte Bardot: Die Frau, die nicht nur Frankreich prägte

Brigitte Bardot ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Die französische Filmikone lebte zuletzt zurückgezogen zwischen Filmerbe, Tierschutz und Unterstützung für Marine Le Pen.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Porträt Die Schauspielerin Judy Garland – Ikone der LGBTQ-Bewegung

Mit "Wizard of Oz" wurde sie berühmt, mit Songs wie "Somewhere over the rainbow" Ikone der Schwulenbewegung. Judy Garlands Konzerte sind Popgeschichte, aber privat litt sie sehr.

Das Wissen SWR Kultur

USA

Zum Tod des Filmgiganten Hollywoods ewiger Sunnyboy: Die großen Filme des Robert Redford

Er galt als schönster Mann Hollywoods, feierte Erfolge als Schauspieler und triumphierte als Regisseur: Filmlegende Robert Redford ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Dominic Konrad
Dominic Konrad, Autor und Redakteur bei SWR Kultur und SWR Musik