Die Tochter
Die Berühmtheit war Liza Minnelli quasi in die Wiege gelegt. Am 12. März 1946 wird sie als Tochter der Schauspielerin Judy Garland und des Regisseurs Vincente Minnelli geboren.
Garland hatte den 19 Jahre älteren Filmemacher am Set ihres Films „Heiße Rhythmen in Chicago“ (1940) kennengelernt. 1944 spielte sie in seinem Musical-Film „Meet Me in St. Louis“, die Hochzeit folgte im Juni 1945.
Doch die Ehe ist nur von kurzer Dauer: Bei den Dreharbeiten zum gemeinsamen Film „Der Pirat“ (1948) kommt es zu Spannungen, die Scheidung folgt drei Jahre später. Tochter Liza lebt im halbjährlichen Wechsel bei Mutter und Vater. „Meinen Ehrgeiz habe ich von meiner Mutter“, erinnert sich Minnelli später an ihre Eltern, „meine Träume von meinem Vater“.
Früh wird Minnelli mit dem Showbiz vertraut gemacht: Bereits mit drei Jahren steht sie zum ersten Mal an der Seite ihrer Mutter im Film „Damals im Sommer“ vor der Kamera. Das Mädchen wächst an den Filmsets ihrer Eltern auf.
In den 1960er-Jahren tritt Liza Minnelli mehrfach an der Seite ihrer Mutter auf. Sie ist etwa 1963 zu Gast in der „Judy Garland Show“. 1964 lädt Garland ihre Tochter ein, gemeinsam im London Palladium aufzutreten. Es sei der Moment, in dem sie und ihre Mutter erstmals einander als Künstlerinnen begegnet seien, erinnert sich Minnelli später rückblickend.
Judy Garland stirbt am 22. Juni 1969, kurz nach ihrem 47. Geburtstag, an einer Überdosis Schlafmittel. Es ist das Ende eines lebenslangen Kampfes gegen die Sucht. Der Verlust der Mutter wird auch für Minnelli ein Auslöser für ihre eigenen Suchterfahrungen mit Alkohol und Medikamenten, erklärt die Schauspielerin später. Mehrfach wird sie rückfällig, geht in Interviews jedoch immer wieder offen mit der eigenen Suchterfahrung um.
Die Schauspielerin
Bereits als Kind begeistert sich Liza Minnelli für die Bühne und insbesondere für den Broadway. 1961 wechselt sie von Los Angeles an eine High School in New York. Sie will in der „Stadt, die niemals schläft“ Fuß fassen.
Ihr Bühnendebüt gibt sie 17-jährig im Musical „Best Foot Forward“ an der Seite des ebenfalls noch unbekannten Christopher Walken. Zwei Jahre später wird sie für die Titelrolle im Musical „Flora the Red Menace“ besetzt. Sie erhält den Tony-Award als beste Hauptdarstellerin.
„Flora“ ist Minnellis erste Zusammenarbeit mit dem Autorenduo John Kander und Fred Ebb und wird zum Ausgangspunkt einer lebenslangen kreativen Partnerschaft. In der Verfilmung des Musicals „Cabaret“ wird sie bereits 1972 ihren Höhepunkt finden. Minnelli spielt unter der Regie von Bob Fosse die Hauptrolle der naiv-lasziven Nachtclubsängerin Sally Bowles. Die Rolle bringt ihr 1973 unter anderem einen Oscar ein.
Nach „Cabaret“ bleibt Minnelli sowohl vor der Kamera als auch auf der Bühne präsent. Kander und Ebb schreiben unter anderem Musik für ihr gefilmtes Special „Liza with a ‚Z‘“ (1972) und die Bühnenshow „Liza at the Winter Garden“ (1974).
Für Martin Scorseses Musicalfilm „New York, New York“, in dem Minnelli an der Seite von Robert De Niro spielt, schreiben Kander und Ebb ihr den gleichnamigen Titelsong auf den Leib. Die Nummer wird zu einer der bedeutendsten Melodien in Minnellis musikalischer Karriere.
Die Sängerin und Tänzerin
1991 gehört Liza Minnelli zu den ersten Künstlerinnen, die für ihr musikalisches Vermächtnis mit einem Grammy Legend Award ausgezeichnet werden. Ihre ersten eigenen Platten veröffentlichte die Entertainerin bereits 1964 bei Capitol Records.
Über zwanzig Studio- und Livealben veröffentlicht Minnelli bis heute. Eine besondere Bedeutung fällt dabei der Live-Platte „Liza’s Back“ von 2002 zu. Es ist ein persönlicher Triumph für die Sängerin: Nach einer schweren Gehirnentzündung, bei der zeitweise eine bleibende Sprachstörung vermutet wird, kämpfte sich Minnelli nach zwei Jahren Bühnenabstinenz mit diesem Album zurück ins Rampenlicht.
Neben ihrer markanten wie kraftvollen Alt-Stimme ist Minnelli spätestens seit „Cabaret“ für ihren unverwechselbaren Tanzstil bekannt. Viele der emblematischen Bewegungen Minnellis sind von der langjährigen Zusammenarbeit mit Regie- und Choreografielegende Bob Fosse inspiriert.
Doch auch Minnellis körperliche Verfassung beeinflusst den eigenwilligen Stil: Seit ihrer Jugend leidet die Performerin an einer verkrümmten Wirbelsäule. „Der einzige Grund, warum ich das alles so mache, ist, dass ich es nur so schmerzfrei tun kann“, so Minnelli. „Ich habe zwei künstliche Hüftgelenke, ein verdrahtetes Knie, Skoliose, die ich schon immer hatte, und drei Bandscheibenvorfälle, aber mir geht es großartig. Ich tanze jeden Tag.“
Die Modeikone
Der Erfolg von „Cabaret“ macht Liza Minnelli Anfang der 1970er-Jahre auch zum modischen Vorbild vieler junger Frauen. Insbesondere der geometrisch-helmartige Pagenschnitt, den sich die Schauspielerin für ihre Rolle schneiden lässt und das Make-Up, das ihre großen Kulleraugen betont, werden zu Markenzeichen der jungen Schauspielerin.
Wie kaum eine andere Künstlerin steht Liza Minnelli für den Glamour im New York der Siebziger, insbesondere im legendären Studio 54. Ihre Freundschaft mit dem Modedesigner Halston, der sie bis Ende der 1980er-Jahre für private und öffentliche Anlässe ankleidet, wird zu einer der bemerkenswertesten kreativen Zusammenarbeiten zwischen Mode- und Unterhaltungswelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ich weiß es sehr zu schätzen, was alles dazugehört, Talent zu haben. Man ist nicht einfach talentiert, man muss daran arbeiten, talentiert zu sein.
Die Kultfigur
Ihr unverwechselbarer Stil, ihre markanten Bewegungen, die unvergessliche Stimme und nicht zuletzt ihr exzentrisches Auftreten machen Liza Minnelli zu einer popkulturellen Figur von allerhöchstem Wiedererkennungswert. Gerne und häufig wird sie parodiert.
Berühmt wurde etwa ein Sketch der traditionsreichen Comedy-Sendung „Saturday Night Live“, in dem Minnelli, gespielt von Komikerin Kirsten Wiig, versucht, mit unkoordinierten Tanzschritten eine Lampe auszuschalten.
Auch unter Drag Queens gehört Liza Minnelli zu den am häufigsten imitierten Künstlerinnen. Generell erfreut sich Minnelli, wie auch schon ihre Mutter Judy Garland, einer enorm großen schwulen Fangemeinde.
Das liegt nicht zuletzt auch an ihrem beherzten Einsatz für die Rechte queerer Menschen: In den 1980er-Jahren gehört sie neben Elizabeth Taylor zu den ersten Hollywood-Stars, die ihre Popularität nutzten, um auf die Gefahren von AIDS aufmerksam zu machen.
Über die Jahre ist so aus der Künstlerin Liza Minnelli selbst eine Kunstfigur geworden, die uns in TV-Serien wie „Halston“ (gespielt von Krysta Rodriguez) oder im Musical „The Boy from Oz“, das vom Leben ihres ersten Ehemanns Peter Allen handelt, immer wieder aufs Neue begegnet.
Zu ihrem 80. Geburtstag hat Minnelli, die öffentlich wenig über ihr Privatleben preisgibt, eine Autobiografie vorgelegt – ein intimer Blick auf ein Leben, das für die große Leinwand gemacht zu sein scheint.