100. Geburtstag des Filmstars

Rock Hudson: All American Boy mit großem Geheimnis

Als Hollywoods größter Filmstar wurde Rock Hudson zum Posterboy für hemdsärmeligen Charme und sensible Männlichkeit. Seine AIDS-Erkrankung gab der Pandemie ein Gesicht und zwang die US-Regierung zum Handeln.

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Von Autor/in Dominic Konrad

Durchdringende braune Augen, ein gewinnendes Lächeln, ein markantes Kinn und eine Brust zum Anschmiegen – nur wenige Schauspieler verkörperten das Idealbild des starken und zugleich einfühlsamen Filmhelden, wie es Rock Hudson tat.

Optisch war der muskulöse, mehr als 1,90 Meter große Mann das Idealbild des patriotischen Helden nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Rollen in den großen Technicolor-Melodramen der 1950er-Jahren machten ihn zum Märchenprinzen Hollywoods. Dabei war hinter der Fassade der Traumfabrik seine Homosexualität ein offenes Geheimnis.

Rock Hudson in "Bettgeflüster"
In Melodramen und Romanzen wird Rock Hudson zum beliebtesten Star Hollywoods Mitte der 1950er-Jahre. Seine Homosexualität ist in der Traumfabrik ein offenes Geheimnis

Ein Junge aus schwierigen Verhältnissen

Geboren wird Rock Hudson als Roy Harold Scherer Jr. am 17. November 1925 in Winnetka bei Chicago. Die Familienverhältnisse sind nicht einfach: Früh verlässt der Vater die Familie. Die Mutter heiratet erneut – einen ehemaligen Marine-Soldaten, der Hudson adoptiert.

Ich konnte nie befreit sagen: „Ich werde Schauspieler, wenn ich groß bin. Denn das war nur was für Memmen.

Nach der Highschool meldet sich der 18-Jährige 1944 freiwillig für den Dienst bei der Marine. Zwei Jahre später zieht er zu seinem leiblichen Vater nach Los Angeles – in der Hoffnung auf eine Chance beim Film. Doch zunächst arbeitet er als LKW-Fahrer und Postbote.

Rock Hudson lehnt oberkörperfrei an einem Zaun. Bild von 1951
Ein Lächeln, gemacht für Hollywood: 1948 wird Roy Harold Fitzgerald von seinem späteren Agenten Henry Willson entdeckt. Er gibt ihm den Künstlernamen Rock Hudson. Das Bild stammt aus dem Jahr 1951.

Sein Agent erfindet den Star Rock Hudson

Entdeckt wird er vom Talentscout Henry Willson, dem er selbst seine Unterlagen zustellt. Willson ist in Hollywood bestens vernetzt, arbeitete unter anderem als Casting-Direktor für David O. Selznick, den Regisseur von „Vom Winde verweht“.

Nach dem Krieg macht Willson sich mit einer Agentur selbständig, um aufstrebende Talente zu finden, die einem neuen idealen Männerbild entsprechen: junge Kerle mit perfekten Körpern, denen man den Kriegshelden abkauft.

Rock Hudson ist nicht nur Willsons Entdeckung, er wird seine Schöpfung. Der Agent gibt dem unerfahrenen Jungen aus Illinois Schauspieltraining und den Namen, unter dem er später weltweit bekannt wird. Universal Pictures nimmt ihn schließlich unter Vertrag.

Durchbruch als sensibler Frauenschwarm

Der Durchbruch gelingt Rock Hudson als Leinwandpartner von Jane Wyman im Film „Die wunderbare Macht“. Er spielt einen Millionenerben, der sich in die Witwe des Arztes verliebt, der ihm nach einem Bootsunfall das Leben gerettet hat.

Der Film wird zum großen kommerziellen Erfolg, Rock Hudson zum charmanten Frauenschwarm und beliebtesten Schauspieler Hollywoods. Immer wieder spielt Hudson in den kommenden Jahren den sensitiven Frauenhelden, zum Beispiel an der Seite von Anne Baxter, Dorothy Malone oder Barbara Rush.

Rock Hudson und Jane Wyman im Film „Die wunderbare Macht“
An der Seite der acht Jahre älteren Oscar-Gewinnerin Jane Wyman gelingt Rock Hudson im Film „Die wunderbare Macht“ der Durchbruch.

„Giganten“ wird sein künstlerisch erfolgreichster Film

An der Seite von Elizabeth Taylor und James Dean spielt Rock Hudson 1956 in der Ölmagnaten-Saga „Giganten“ unter der Regie von George Stevens. Hudson gibt den texanischen Großgrundbesitzer Bick Benedict, der sich mit den neuen Machtverhältnissen durch den wachsenden Einfluss der Öl-Milliardäre und eine sich ändernde amerikanische Gesellschaft konfrontiert sieht.

Für „Giganten“ erhält Hudson seine erste und einzige Oscar-Nominierung – der Preis geht allerdings an Yul Brynner für „Der König und ich“.

Elizabeth Taylor, Rock Hudson und James Dean in „Giganten“
Während Rock Hudson bis an sein Lebenssende eine enge Freundschaft mit „Giganten“-Filmpartnerin Liz Taylor verbinden wird, ist das Verhältnis zu James Dean am Set angespannt. Der Jungstar stirbt noch vor der Premiere bei einem Autounfall.

Die Presse spekuliert über Rock Hudsons Sexualität

Je populärer Rock Hudson wird, desto unverholener spekuliert die Presse: Denn während er auf der Leinwand die schönsten Frauen Hollywoods küsst, gibt er sich in der Öffentlichkeit als unbeirrbarer Junggeselle.

Hudsons Agent Henry Willson schützt seinen Star schließlich vor der Enthüllung: Als das Klatschmagazin „The Confidential“ einen Artikel über Hudsons sexuelle Orientierung plant, erkauft Willson das Schweigen und lanciert Storys über zwei seiner wenig erfolgreichen Klienten. Einer von ihnen ist der ebenfalls schwule Jungstar Tab Hunter.

Heirat mit der Sekretärin seines Agenten

Die Hochzeit mit Phyllis Gates, der Sekretärin seines Agenten, soll die Gerüchte zerstreuen. Die Ehe hält allerdings nur drei Jahre. Dass sie von Hudsons Orientierung gewusst habe, bestritt Gates nach Hudsons Tod in ihren Memoiren. Es soll seine einzige Ehe bleiben.

Dabei lebt der Schauspieler im Privaten seine Sexualität relativ offen aus. In seiner Villa, die von ihm und seinen Freunden „Das Schloss“ genannt wird, finden regelmäßig Partys und Happenings mit jungen schwulen und bisexuellen Männern statt. Mit seinem späteren Partner Lee Garlington verreist Hudson sogar, auch wenn sie darauf achten, nicht gemeinsam fotografiert zu werden.

Rock Hudson und Phyllis Gates in einem Promo-Shot (1957)
Für die Kameras mimen Rock Hudson und seine Ehefrau Phyllis Gates das perfekte Paar. Nach drei Jahren lässt sie sich von ihm scheiden.

Mit Doris Day wird Hudson zur RomCom-Legende

Auf lange Sicht schafft es Rock Hudson nicht, sich als Schauspieler in ernsthaften Rollen zu etablieren. Stattdessen prägen romantische Komödien, insbesondere an der Seite von Doris Day, seine Karriere in den frühen 1960ern. Zu Kultklassikern werden „Bettgeflüster“ und „Ein Pyjama für zwei“.

Als Mitte der 1960er-Jahre sein Stern zu sinken beginnt, wendet sich Hudson dem immer populäreren Fernsehen zu. In der Krimi-Serie „McMillan & Wife“ spielt er ab 1971 einen Polizeikommissar, der gemeinsam mit seiner Frau Kriminalfälle löst.

Rock Hudson und Doris Day
Power-Paar auf der Leinwand: Die Komödie „Bettgeflüster“ ist die erste von insgesamt drei Komödien mit Doris Day und Rock Hudson.

Rolle im „Denver Clan“ trotz AIDS-Diagnose

Seine letzte große Rolle wird die des Geschäftsmanns und Pferdezüchters Daniel Reece in der Primetime-Seifenoper „Der Denver-Clan“. Als Hudson die Rolle 1984 annimmt, ist er bereits von seiner AIDS-Erkrankung gezeichnet, die im selben Jahr diagnostiziert wird. Als sich Hudsons Gesundheitszustand weiter verschlechtert, wird die Rolle aus der Serie geschrieben.

Rock Hudson und Linda Evans in „Der Denver-Clan“
Nachdem Rock Hudsons AIDS-Diagnose bekannt wird, sorgt eine Kussszene mit seiner Serienpartnerin Linda Evans in „Denver-Clan“ für Aufregung. Hudson habe versucht, sie bei den Dreharbeiten zu schützen, erklärte die Schauspielerin später.

Bei einer Reise nach Paris bricht der Schauspieler im Juli 1985 schließlich in seinem Hotel zusammen. Getrieben von den Spekulationen der internationalen Presse lässt Rock Hudson in einer Erklärung seine Krankheit öffentlich machen.

Für seine Heimreise nach Los Angeles muss ein privates Flugzeug gechartert werden, als AIDS-Patient wird ihm der Flug in einer Linienmaschine nicht erlaubt. Rock Hudson stirbt am 2. Oktober 1985 an den Folgen der Krankheit.

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Das erste prominente Gesicht der AIDS-Krise

Ein öffentliches Coming-Out hat Rock Hudson nie gewagt. Auch sonst war er kein Unterstützer der LGBTQ-Community, die sich nach den Stonewall-Unruhen 1969 immer selbstbewusster formierte. Politisch stand Hudson den Republikanern nahe. An einer Änderung des gesellschaftlichen Status quo war er nicht interessiert, selbst wenn er im Privaten anders lebte.

Dennoch: Das öffentliche Eingeständnis seiner AIDS-Erkrankung gab der als „Schwulenseuche“ betitelten Pandemie ein Gesicht – das Gesicht eines „All American Boy“ – und sorgte dafür, dass sich Hollywood mit einem der Ihren solidarisierte.

Ich bin nicht froh, dass ich krank bin. Ich bin nicht froh, dass ich AIDS habe. Aber wenn es anderen hilft, habe ich zumindest die Gewissheit, dass mein Unglück einen positiven Effekt hat.

In seinen letzten Lebensmonaten setzte sich der Schauspieler aktiv und mit seinem Vermögen für die AIDS-Forschung ein. Präsident Ronald Reagan bewegte der neue öffentliche Druck dazu, Gelder für die Forschung freizumachen.

Rock Hudson, Aufnahme von 1954
Rock Hudson stirbt am 2. Oktober 1985 an den Folgen der Krankheit. In seinen letzten Lebensmonaten setzt sich der Schauspieler für mehr Sichtbarkeit für AIDS ein. Aufnahme von 1954.

Vieles hat sich geändert in den 40 Jahren seit Hudsons Tod – auch in Hollywood. Erst kürzlich wurde mit dem Briten Jonathan Bailey erstmals ein offen schwuler Schauspieler zum „Sexiest Man Alive“ gekürt. Seiner Karriere hat Baileys Sexualität bislang keinen Abbruch getan.

Auch wenn Rock Hudson wohl kaum als strahlende Ikone der LGBTQ-Bewegung nachwirkt – die Höhen und Tiefen seines Leben sind der Stoff, aus dem die bewegendsten Hollywood-Dramen sind.

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