Kluger Film von Johanna Moder

Packendes Drama aus der Kinderwunschklinik: In „Mother's Baby“ wird Muttersein zum Horrortrip

In einer privaten Kinderwunschklinik behandelt der smarte Dr. Vilfort die erfolgreiche Dirigentin Julia. Doch nach der Geburt des Babys wird Julia ihr Kind zunehmend fremd. Regisseurin Johanna Moder ist ein modernes Mütterdrama von packender Intensität geglückt.

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Von Autor/in Rüdiger Suchsland

Nachwuchs um jeden Preis

Julia ist eine sehr erfolgreiche Dirigentin. Sie und ihr Partner Georg wünschen sich ein Kind. Weil es auf natürlichem Weg nicht klappt, wenden sie sich an den smarten Dr. Vilfort, der eine private Kinderwunschklinik leitet. Mithilfe von Vilforts experimenteller Methode geht der Kinderwunsch in Erfüllung.

„Mothers Baby“ von Johanna Moder
Julia (Marie Leuenberger) und Georg (Hans Löw) sehnen sich nach einem Kind. Eine Behandlung bei Dr. Vilfort lässt den Traum wahr werden. copyright Freibeuter Film

Doch die Geburt verläuft nicht wie geplant, das Baby wird danach erstmal sofort weggebracht, um behandelt zu werden, ohne dass Julia und ihr Ehemann erfahren, was passiert ist. Als sie endlich ihr Baby wiederbekommen, verspürt Julia bald eine seltsame, kaum erklärliche Distanz.

Erinnerungen an Roman Polanskis Welterfolg „Rosemary's Baby"

Die Merkwürdigkeiten häufen sich und die Anwesenheit des Babys wird zunehmend zu einer Belastung für ihr Leben. Julia hat immer mehr Zweifel, ob das Wesen, das sie nach Hause gebracht haben, wirklich ihr Kind ist.

„Mothers Baby“ von Johanna Moder
Nach der Geburt wird das Baby Julia sofort weggenommen. Als die frischgebackene Mutter ihr Neugeborenes am folgenden Tag zurück bekommt, fragt sie sich, warum das Baby so still und apathisch ist. copyright Freibeuter Film

Moder zeigt, dass Muttersein nicht notwendig das reine Glück bedeutet, wie es unsere bürgerliche Familienideologie suggeriert, die abweichende Gefühle gern bestraft.

Elternschaft ist emotional zu aufgeladen

Muss man Kinder wollen, um perfekt zu leben? Muss man, wenn es nicht klappt, alles Wissenschaftliche bemühen, um die Natur zu bezwingen? Der Film gibt auf all diese Fragen nur skeptische Antworten.

„Mothers Baby“ von Johanna Moder
Der charismatische Dr. Vilfort (Claes Bang) erfüllt Julias Kinderwunsch. Nach der Geburt wachsen ihre Zweifel, ob in der Klinik alles mit rechten Dingen zugeht. copyright Freibeuter Film

Geburt und Kind sind mit zu großen Versprechungen aufgeladen, so eine Aussage des Films. Das ist hervorragend und in subtilem Schrecken inszeniert.

Muttersein als Horrortrip

Dazu gehört, wie Kamera und Licht den cleanen Luxus und die kalte Gesichtslosigkeit dieser privilegierten Oberschicht betonen, die in chicen, weiß gehaltenen, minimalistisch eingerichteten Wohnungen lebt und deren Leben auch sonst einem Hochglanzkatalog entsprungen scheint.

Johanna Moder ist ein kluger Film gelungen, der den Horror im Alltag entdeckt. Das Baby, um das es hier geht, scheint keinen Namen und kein Geschlecht zu haben. Immer nur wird von „es" gesprochen, von „dem Baby" oder „dem Kind". Wie von einer Sache.

Das entspricht der Distanz Julias, die, wie wir verstehen werden, ihre guten Gründe hat. Mit „Mother's Baby" ist Johanna Moder ein modernes Mütterdrama von quecksilbriger Faszination und packender Intensität geglückt.

Trailer „Mothers Baby“, ab 15.1. im KIno

Mother's Baby | offizieller deutscher Trailer

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Rüdiger Suchsland