Nachwuchs um jeden Preis
Julia ist eine sehr erfolgreiche Dirigentin. Sie und ihr Partner Georg wünschen sich ein Kind. Weil es auf natürlichem Weg nicht klappt, wenden sie sich an den smarten Dr. Vilfort, der eine private Kinderwunschklinik leitet. Mithilfe von Vilforts experimenteller Methode geht der Kinderwunsch in Erfüllung.
Doch die Geburt verläuft nicht wie geplant, das Baby wird danach erstmal sofort weggebracht, um behandelt zu werden, ohne dass Julia und ihr Ehemann erfahren, was passiert ist. Als sie endlich ihr Baby wiederbekommen, verspürt Julia bald eine seltsame, kaum erklärliche Distanz.
Erinnerungen an Roman Polanskis Welterfolg „Rosemary's Baby"
Die Merkwürdigkeiten häufen sich und die Anwesenheit des Babys wird zunehmend zu einer Belastung für ihr Leben. Julia hat immer mehr Zweifel, ob das Wesen, das sie nach Hause gebracht haben, wirklich ihr Kind ist.
Moder zeigt, dass Muttersein nicht notwendig das reine Glück bedeutet, wie es unsere bürgerliche Familienideologie suggeriert, die abweichende Gefühle gern bestraft.
Elternschaft ist emotional zu aufgeladen
Muss man Kinder wollen, um perfekt zu leben? Muss man, wenn es nicht klappt, alles Wissenschaftliche bemühen, um die Natur zu bezwingen? Der Film gibt auf all diese Fragen nur skeptische Antworten.
Geburt und Kind sind mit zu großen Versprechungen aufgeladen, so eine Aussage des Films. Das ist hervorragend und in subtilem Schrecken inszeniert.
Muttersein als Horrortrip
Dazu gehört, wie Kamera und Licht den cleanen Luxus und die kalte Gesichtslosigkeit dieser privilegierten Oberschicht betonen, die in chicen, weiß gehaltenen, minimalistisch eingerichteten Wohnungen lebt und deren Leben auch sonst einem Hochglanzkatalog entsprungen scheint.
Johanna Moder ist ein kluger Film gelungen, der den Horror im Alltag entdeckt. Das Baby, um das es hier geht, scheint keinen Namen und kein Geschlecht zu haben. Immer nur wird von „es" gesprochen, von „dem Baby" oder „dem Kind". Wie von einer Sache.
Das entspricht der Distanz Julias, die, wie wir verstehen werden, ihre guten Gründe hat. Mit „Mother's Baby" ist Johanna Moder ein modernes Mütterdrama von quecksilbriger Faszination und packender Intensität geglückt.
Trailer „Mothers Baby“, ab 15.1. im KIno
Aktuelle Romane zum Thema Mutterschaft
Antonia Baums neuer Roman „Achte Woche“ Ein Kind - ja oder nein? Antonia Baum erzählt von der schwersten Entscheidung
Antonia Baums neuer Roman erzählt von Laura, die schwanger ist und allein vor der Entscheidung steht: noch ein Kind – ja oder nein?