Preisgekrönte Miniserie aus Spanien

Serie „Querer“: Von Liebe und Missbrauch

Zwischen Abhängigkeit, Routine, Sex mit und vor allem ohne Einverständnis: Die Serie „Querer“ erzählt von einer Frau, die ihren Ehemann verlässt, und einer Familie, die sich daraufhin ihren Abgründen stellen muss.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Nach 30 Jahren ist Miren aus ihrer Ehe geflüchtet. Sie hat ihren Mann verlassen und ist mit ihrer Anwältin heimlich zur Polizei gegangen. Ihren Mann Iñigo lernt man erstmal nicht als machohaften Klotz kennen. Zwar ein Typ alter Schule, aber auch im festen Glauben, seine Frau zu lieben. Ihn und vor allem die beiden erwachsenen Söhne Aitor und Jon stößt die Anzeige völlig vor den Kopf.

Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
Miren Torres (Nagore Aranburu) ist seit mehr als 30 Jahren mit Iñigo Gorosmendi verheiratet. Das Paar lebt zusammen in einer großen, schönen Wohnung in Bilbao. Aber Mirens Leben ist nicht so perfekt, wie es scheint. Bild in Detailansicht öffnen
Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
An dem Tag, an dem sie sich endlich entschließt, Iñigo zu verlassen, zeigt sie ihn gleichzeitig wegen wiederholter Vergewaltigung in der Ehe an. Ihre beiden erwachsenen Söhne Aitor und Jon verstehen die Welt nicht mehr. Sagt ihre Mutter die Wahrheit – oder lügt sie, wie ihr Vater behauptet? Bild in Detailansicht öffnen
Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
Wie konnte es dazu kommen, dass Miren ihren Mann Iñigo (Pedro Casablanc) nach 30 Jahren Ehe wegen wiederholter Vergewaltigung angezeigt hat? Die Vorwürfe, die Miren gegen ihren Mann erhebt, spalten die Familie. Die beiden erwachsenen Söhne Aitor und Jon sind hin- und hergerissen. Wem sollen sie glauben? Bild in Detailansicht öffnen
Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
Schon vor Prozessbeginn wird deutlich, dass Mirens Anschuldigungen Spuren in der Familie hinterlassen haben. Während der jüngere Sohn Jon (Iván Pellicer, li.) zu Miren gezogen ist und sie unterstützt, hat sich Aitor (Miguel Bernardeau, re.) von seiner Mutter völlig abgewandt. Bild in Detailansicht öffnen
Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
Der Gerichtsbeschluss trifft Miren hart. Nachdem sie ihren Mann Iñigo vor drei Jahren wegen wiederholter Vergewaltigung in der Ehe angezeigt hatte, haben die Richter nun nach einem Indizienprozess zugunsten von Iñigo entschieden. Was soll sie jetzt tun? In Berufung gehen? Noch einmal viel Geld und Zeit investieren, obwohl ihre Anwältin Paula (Loreto Mauléon) ihr kaum Chancen auf einen positiven Ausgang einräumt? Bild in Detailansicht öffnen
Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
Oder versuchen, nach vorne zu schauen und Iñigo und ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen? Doch das erweist sich als gar nicht so einfach. Denn Iñigo versucht, sich wieder in ihr Leben zu drängen. Er taucht in dem Supermarkt auf, in dem sie arbeitet, und nimmt auch wieder Kontakt zu dem jüngeren Sohn Jon auf. Bild in Detailansicht öffnen

Sex mit und vor allem ohne Einverständnis

Was ist in den ganzen Jahren tatsächlich passiert, vor allem hinter den verschlossenen Türen des Schlafzimmers? Mirens Aussagen bringen viele Details aus dem relativ klassischen Eheleben zu Tage: finanzielle Abhängigkeit, Routine, Sex mit und vor allem ohne Einverständnis.

Miren, erfährt man, ließ es geschehen aus Angst vor den Launen ihres Mannes, falls der wöchentliche Geschlechtsverkehr mal nicht nach Plan lief. Iñigo hat bei ihr dagegen keinen Widerwillen wahrgenommen. Die Freunde, seine Familie und Iñigo selbst unterstellen Miren eine Depression.

Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
Schon vor Prozessbeginn wird deutlich, dass Mirens Anschuldigungen in den vergangenen Jahren ihre Spuren in der Familie hinterlassen haben. Während der jüngere Sohn Jon (Iván Pellicer, li.) zu Miren gezogen ist und sie unterstützt, hat sich Aitor (Miguel Bernardeau, re.) von seiner Mutter völlig abgewandt.

„Die Wahrheit“ ist schwer zu ermitteln

Die vierteilige Miniserie der baskischen Filmemacherin Alauda Ruiz de Azúa erhielt beim „Series Mania Festival“ den Hauptpreis als beste Serie. Sie spielt nicht mit Rückblicken, sie versucht auch keine Beweisführung, denn „die Wahrheit“ ist hier im wörtlichen Sinn gefühlt. Stattdessen arbeitet sie in ruhigen Bildern und Dialogen die durchaus auch widersprüchlichen Charaktere heraus.

Die beiden Söhne tendieren je nach Temperament zu einer Seite: der pflichtbewusste Aitor hält zum Vater, der empfindsame Jon eher zur Mutter. In ihren eigenen Beziehungen reproduzieren sie allerdings teilweise das Verhalten der Eltern, zunächst unterbewusst. Aber irgendwann bemerken sie es auch. 

Wo endet die Liebe und wo beginnt der Missbrauch?

„Querer“ ist ebenso ein Familien- wie ein Beziehungsdrama. Der spanische Begriff bedeutet übersetzt „begehren“, „lieben“ und „wünschen“. Aber wo endet die Liebe und wo beginnt der Missbrauch?

Verletzungen und Gewalt, über die man wiederum kaum wagt, zu sprechen. Wie geht man damit in einer Familie um, die man nicht einfach abstreifen kann und meistens auch nicht will? Inwiefern muss über das Zusammenleben und -lieben immer wieder neu Einverständnis hergestellt werden?

Spanische Miniserie „Querer-Hinter verschlossenen Türen“
Miren (Nagore Aranburu ) in „Querer – Hinter verschlossenen Türen“. Es ist die erste spanische TV-Miniserie, die das Thema Vergewaltigung in der Ehe in den Fokus stellt.

Diese Fragen werden nicht offensiv formuliert, sie ergeben sich, aber sie berühren einen. Auch unangenehm, so wie die Kinder unangenehm berührt sind von den Intimitäten der Eltern und der Frage, wem sie vertrauen. Das alles verdichtet „Querer“ in nur vier Folgen (1. Staffel) zu einer starken und lange nachhallenden Serie.

„Querer“ in der Arte Mediathek und am 12.6. auf Arte

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Karsten Umlauf