Harte Landung in der Realität
Margo stammt zwar alles andere als aus einem Akademiker-Haushalt, aber für ihr letztes Jahr auf dem College hat sie große Träume und zum Schreiben offensichtlich auch ein großes Talent.
Als sie sich mit ihrem Englisch-Lehrer zum Kaffee verabredet, schwört sie zwar noch, nichts mit ihm anzufangen. Aber dann landet sie doch mit ihm im Bett. Und blöderweise ist sie kurze Zeit später schwanger.
Ihre Mutter Shayenne, die sie zwischen Kellnerinnen- und Verkäuferinnendasein alleine großgezogen hat, ist anfangs persönlich beleidigt – nur um dann mit ihr im Edelkaufhaus Bloomingdale's nach einem Kinderwagen Ausschau zu halten.
Elle Fanning fasziniert als Margo
Es ist vor allem Elle Fanning als Margo, der man fasziniert dabei zusieht, wie sich die junge Frau in einer Mischung aus Trotz, Naivität und verzweifeltem Mut in das alleinerziehende Mutter-Abenteuer stürzt. Wie sie dabei weint, schreit, schwitzt und eine Weile braucht, um sich mit ihrem Baby zu arrangieren.
Die Mutter, gespielt von Michelle Pfeiffer, ist nicht unbedingt eine Hilfe
„Margo's Got Money Troubles“ heißt die Serie im englischen Original, dabei ist das Geld für Windeln, Essen und die Wohnung, nicht der einzige „trouble“, den Margo hat. Vor allem will der kleine Bodhi ihre Brust nicht nehmen oder nur anknabbern.
Ihre Mutter ist auch nur bedingt eine Hilfe, gespielt von Michelle Pfeiffer als herrlich staksige Ü60-Botox-Barbie mit Herz. Und dann steht auch noch ihr Vater vor der Tür, ein ehemaliger Wrestling-Star, der gerade aus einer Entzugsklinik kommt.
Digitale Sexarbeit als finanzieller Notnagel
Zum einen ist „Only Margo“ eine liebenswert unkonventionelle Familienserie mit ihren kantigen Charakteren. Und dann entdeckt Margo in ihrer Geldnot die digitale Sexarbeit für sich. Auf der für Erotikinhalte bekannten Plattform „OnlyFans“ erfindet sie die Onlinepersona Hungry Ghost, für die sie ihr Autorinnentalent gegen Bezahlung mit freizügigen Fotos kombiniert.
Guter Umgang mit sensiblem Thema
Das Ganze findet im Zimmer ihrer cosplayerfahrenen Mitbewohnerin statt. Hier entwickelt Margo schräg-kunstvolle Alien-Sex-Geschichten.
Das ist vielleicht ein etwas romantisierender Umgang mit der Plattform und deren Versprechungen von Selbstermächtigung und Souveränität. Aber er funktioniert, weil die Serie teilweise sehr ironisch, gleichzeitig aber auch sehr achtsam mit den Themen Sexarbeit, Öffentlichkeit und Kindeswohl umgeht.
Nicole Kidman kommt als Anwältin mit Wrestling-Vergangenheit zu Hilfe
Der Erzeuger des Babys macht natürlich irgendwann auch nochmal Probleme; dann kommt niemand geringeres als Nicole Kidman als praktizierende Anwältin mit Wrestling-Vergangenheit zu Hilfe.
Das Tempo bleibt hoch. Und die Serie trifft die Mischung aus Komik, Wärme und Ernsthaftigkeit von Rufi Thorpes Romanvorlage gut.
„Only Margo“ singt letztendlich ein Loblied auf die Rollen, Verkleidungen und Geschichten, hinter denen wir uns auch mal verstecken. Rollen, die uns Sicherheit geben und von denen wir oftmals noch gar nicht wissen, dass sie nur darauf warten, von uns ausgefüllt zu werden.
Trailer „Only Margo“, ab 15. April 2026 auf Apple TV
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