Eine Zäsur in der Erinnerungskultur
Immer mehr Menschen in Deutschland recherchieren in der neu zugänglichen, vom US-Nationalarchiv zur Verfügung gestellte NSDAP-Datenbank und stoßen dabei auf überraschende Erkenntnisse über ihre eigenen Vorfahren.
Laut der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann ist das eine Zäsur in der Erinnerungskultur: „Ich glaube schon, dass es so etwas ist wie eine richtige Wende in unserer Situation des gemeinsamen Erinnerns.“ Die neuen digitalen Möglichkeiten führten dazu, dass viele ihre Familiengeschichte kritischer hinterfragen und sich intensiver mit der NS-Zeit auseinandersetzen, so Assmann.
Ein ehrlicheres Verhältnis zu unserer Vergangenheit gewinnen
Assmann betont im Gespräch mit SWR Kultur, dass dies zu mehr Ehrlichkeit beitragen kann: „Wir sind herausgefordert, ein ehrlicheres Verhältnis zu dieser Vergangenheit zu gewinnen.“ Gleichzeitig werde deutlich, dass persönliche Erinnerungen und historische Dokumente zusammengeführt werden müssten, um ein differenziertes Bild der Vergangenheit zu erhalten, so Assmann.
Die Mitgliederakten der NSDAP von 1920 bis 1945 sind bei den US National Archives and Records Administraion online zugänglich.
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