Sherlock und sein Bruder Mycroft – zwei sehr britische Gentlemen
Der junge Sherlock nimmt es mit dem Gesetz nicht so genau – eine Betrügerei hier, ein kleiner Diebstahl da. Und das vor allem zum Vergnügen. Selbst eine kurze Zeit im Gefängnis scheint den Anfang 20-Jährigen zu amüsieren.
Sein großer Bruder Mycroft ist das genaue Gegenteil: korrekt, verlässlich, höflich. Auf ihre Art sind beide sehr britisch, was in der Originalversion auch sprachlich deutlich zutage tritt.
Sherlock-Kenner müssen umdenken
Mycroft schleppt Sherlock zu einer der alten Unis in Oxford, allerdings nicht, wie der zuerst denkt, zum Studieren, sondern um als Page zu dienen.
Nebenbei liest er dort aber alles, was er in die Finger bekommen kann und lernt am Rand einer Mathevorlesung seinen ersten richtigen Freund kennen. Sherlock-Kenner haben richtig gehört: nicht Dr. Watson begegnet einem hier als sein Vertrauter, sondern James Moriarty, die Figur, die als sein späterer Erzfeind bekannt ist.
Mit Moriarty vollzieht Sherlock einige Große-Jungs-Streiche und entdeckt sein detektivisches Talent. Das benötigt er, um den Fall einer chinesischen Prinzessin zu untersuchen, die in Oxford ihr Unwesen treibt.
Einige Professoren kommen zu Tode, was offenbar auch etwas mit einem streng geheimen Regierungsprogramm zu tun hat. Zwischen den Wirren der Weltpolitik und den Tiefen der eigenen Familiengeschichte wird der junge Sherlock ganz schön durcheinandergerüttelt.
Die erfolgreiche Jugendbuchreihe von Andrew Lane war Vorlage
„Young Sherlock“ basiert auf der erfolgreichen Jugendbuchreihe von Andrew Lane. Aber Starregisseur Guy Ritchie und Autor Matthew Parkhill emanzipieren sich sehr schnell von der Vorlage.
Sie statten ihren Helden mit der Fähigkeit aus, Momente nochmal zu erleben, quasi in der eigenen Erinnerung herumspazieren zu können und die Aufmerksamkeit auf Details zu legen, aus denen dann brillante Schlussfolgerungen gezogen werden.
Historisches Setting trifft auf subversiven Witz
Solche visuellen Tricks gehören zwar auch schon irgendwie zum guten Ton einer Sherlock-Verfilmung.
Aber das historische Setting der 1870er-Jahre, mit prallen Bildern, ganz viel Musik und einer noch etwas ungehobelten Hauptfigur, die Schlagfertigkeit mit subversivem Witz verbindet, dabei unbekümmert, lässig und gleichzeitig verletzlich wirkt – das ist in der langen Sherlock Holmes Tradition doch noch mal was Neues.
Hochkarätige Besetzung mit Joseph Fiennes und Oscarpreisträger Colin Firth
Hero Fiennes Tiffin verkörpert den jungen Mann mit viel Charme. Mit seinem Onkel Joseph Fiennes, Oscarpreisträger Colin Firth und Natascha McElhone sind auch die anderen Rollen top besetzt.
Die Bildsprache wirkt in den einzeln Folgen nicht immer einheitlich, die englische Förmlichkeit wird stellenweise zu sehr ausgewalzt und die Handlung schaltet manchmal einen Gang zu hoch.
Dennoch schafft es die Serie immer wieder, Drama, Krimi und leichte Komödie zu einem großen Vergnügen zusammen zu binden.
Trailer „Young Sherlock“, ab 3.3. auf Prime Video
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