Drama, Krimi und leichte Komödie

Guy Ritchies Serie „Young Sherlock" – Wie Sherlock Holmes sein detektivisches Talent entdeckte

Sherlock Holmes ist eine der meistverfilmten literarischen Figuren. In der neuen Serie von Guy Ritchie geht es um den jungen Sherlock Holmes vor seiner Laufbahn als Meisterdetektiv.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Sherlock und sein Bruder Mycroft – zwei sehr britische Gentlemen

Der junge Sherlock nimmt es mit dem Gesetz nicht so genau – eine Betrügerei hier, ein kleiner Diebstahl da. Und das vor allem zum Vergnügen. Selbst eine kurze Zeit im Gefängnis scheint den Anfang 20-Jährigen zu amüsieren.

Sein großer Bruder Mycroft ist das genaue Gegenteil: korrekt, verlässlich, höflich. Auf ihre Art sind beide sehr britisch, was in der Originalversion auch sprachlich deutlich zutage tritt.

„Young Sherlock“ von Guy Ritchie
Der junge Sherlock Holmes (Hero Fiennes Tiffin) lernt in Oxford in Begleitung von James Moriarty (Dónal Finn) und Sir Bucephalus Hodge (Colin Firth) als Page fürs Leben. Dan Smith

Sherlock-Kenner müssen umdenken

Mycroft schleppt Sherlock zu einer der alten Unis in Oxford, allerdings nicht, wie der zuerst denkt, zum Studieren, sondern um als Page zu dienen.

Nebenbei liest er dort aber alles, was er in die Finger bekommen kann und lernt am Rand einer Mathevorlesung seinen ersten richtigen Freund kennen. Sherlock-Kenner haben richtig gehört: nicht Dr. Watson begegnet einem hier als sein Vertrauter, sondern James Moriarty, die Figur, die als sein späterer Erzfeind bekannt ist.

„Young Sherlock“ von Guy Ritchie
Sherlock Holmes (Hero Fiennes Tiffin) entdeckt mit James Moriarty (Dónal Finn) in Oxford sein detektivisches Talent. Dan Smith

Mit Moriarty vollzieht Sherlock einige Große-Jungs-Streiche und entdeckt sein detektivisches Talent. Das benötigt er, um den Fall einer chinesischen Prinzessin zu untersuchen, die in Oxford ihr Unwesen treibt.

Einige Professoren kommen zu Tode, was offenbar auch etwas mit einem streng geheimen Regierungsprogramm zu tun hat. Zwischen den Wirren der Weltpolitik und den Tiefen der eigenen Familiengeschichte wird der junge Sherlock ganz schön durcheinandergerüttelt.

„Young Sherlock“ von Guy Ritchie
Sherlocks erster Fall wird die chinesische Prinzessin Gulun Shou (Zine Tseng), die in Oxford ihr Unwesen treibt. Dan Smith

Die erfolgreiche Jugendbuchreihe von Andrew Lane war Vorlage

„Young Sherlock“ basiert auf der erfolgreichen Jugendbuchreihe von Andrew Lane. Aber Starregisseur Guy Ritchie und Autor Matthew Parkhill emanzipieren sich sehr schnell von der Vorlage.

Sie statten ihren Helden mit der Fähigkeit aus, Momente nochmal zu erleben, quasi in der eigenen Erinnerung herumspazieren zu können und die Aufmerksamkeit auf Details zu legen, aus denen dann brillante Schlussfolgerungen gezogen werden. 

Historisches Setting trifft auf subversiven Witz

Solche visuellen Tricks gehören zwar auch schon irgendwie zum guten Ton einer Sherlock-Verfilmung.

Aber das historische Setting der 1870er-Jahre, mit prallen Bildern, ganz viel Musik und einer noch etwas ungehobelten Hauptfigur, die Schlagfertigkeit mit subversivem Witz verbindet, dabei unbekümmert, lässig und gleichzeitig verletzlich wirkt – das ist in der langen Sherlock Holmes Tradition doch noch mal was Neues.

„Young Sherlock“ von Guy Ritchie
Hero Fiennes Tiffin über seine Rolle als junger Sherlock: „Ich glaube, mich hat die Rolle von Sherlock Holmes schon gereizt, bevor ich überhaupt wusste, dass es eine Möglichkeit gibt, ihn zu spielen. Ich war schon immer ein riesiger Fan jeder Interpretation. Guys Filme mit Robert Downey Jr. und Jude Law waren großartig.“ Dan Smith

Hochkarätige Besetzung mit Joseph Fiennes und Oscarpreisträger Colin Firth

Hero Fiennes Tiffin verkörpert den jungen Mann mit viel Charme. Mit seinem Onkel Joseph Fiennes, Oscarpreisträger Colin Firth und Natascha McElhone sind auch die anderen Rollen top besetzt.

Die Bildsprache wirkt in den einzeln Folgen nicht immer einheitlich, die englische Förmlichkeit wird stellenweise zu sehr ausgewalzt und die Handlung schaltet manchmal einen Gang zu hoch.

Dennoch schafft es die Serie immer wieder, Drama, Krimi und leichte Komödie zu einem großen Vergnügen zusammen zu binden. 

 Trailer „Young Sherlock“, ab 3.3. auf Prime Video

Young Sherlock | Offizieller Teaser Trailer | Prime Video

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Karsten Umlauf
Karsten Umlauf, Autor und Morderator bei SWR Kultur