Preis für ARD-Film „Die Nichte des Polizisten“

Spannend: Neues Deutsches Fernsehen beim Filmfest München

Der Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter hat die Justiz lange beschäftigt. Er gilt als der letzte Mord des NSU, ganz aufgeklärt wurde er nie. SWR und NDR haben einen Fernsehfilm gedreht, der sich an die Ereignisse anlehnt. Beim Filmfest in München wurde „Die Nichte des Polizisten“ nun ausgezeichnet. Auch darüber hinaus gibt das Festival interessante Eindrücke auf neue TV-Produktionen.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Jung, ehrgeizig und hoch motiviert

Rebekka ist eine ehrgeizige junge Polizeianwärterin. In Heilbronn will sie bei einer Spezialeinheit ins Stammpersonal aufgenommen werden. Dafür geht sie auch Risiken ein, erklärt sich zu verdeckten Ermittlungen im Drogenmilieu bereit.

In der Stadt begegnet sie auch Drogen- und Waffenhändlern, die der rechten Szene in ihrer Heimat in Thüringen nahestehen. Die Szene kennt sie durch ihren Onkel, der beim Staatsschutz tätig war.

Filmfest München
Premiere von „Die Nichte des Polizisten“ v.l.n.r.: Johannes Zirner, Leonard Tondorf, Antonia Reinisch, Matti Schuldt, Magdalena Laubisch, Max von der Groeben , Aaron Hilmer

„Die Nichte des Polizisten“ basiert auf Heilbronner Polizistenmord

Es liegt im Bereich des Möglichen, dass die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet wurde, weil sie illegalen Geschäften im Zusammenhang mit rechten Netzwerken in die Quere kam. Der Film würde aber auch und vielleicht sogar noch besser funktionieren, wenn er sich von dem historischen Vorbild wieder komplett gelöst und die spekulative Ebene vermieden hätte.

Denn sein eigentliches Anliegen ist die Darstellung der Polizeiausbildung und ihrer Belastung, zum Beispiel im Umgang mit Gewalt. Regisseur Dustin Loose wollte den jungen Polizistinnen und Polizisten auf Augenhöhe begegnen. Die Auszeichnung mit dem Bernd-Burgemeister-Preis ist nachvollziehbar.

Filmfest München
Mišel Matičević und Klaus Steinbacher in „Oktoberfest 1905“. Fünf Jahre nach der ersten Staffel geht es weiter mit dem Kampf der Brauerei-Clans.

Staffel zwei der historischen Wiesn-Saga „Oktoberfest“ enttäuscht

Anders als bei dem zweiten Preisträger, der Serie „Oktoberfest 1905“ – der Fortsetzung der historischen Wiesn-Saga, die vor fünf Jahren begann. Die Serie groovt sich auf dem wuchtigen Ton der ersten Staffel ein, entwickelt die Figuren aber kaum weiter.

Dabei waren die acht Serien, die in München in der Reihe Neues Deutsches Fernsehen gezeigt wurden, insgesamt von hoher Qualität und originell erzählt.

Große Bandbreite in der Film- und Serienproduktion

Die Bandbreite war ausgesprochen groß: Impro-Comedy über eine fingierte Hochzeit, eine pokerspielende Muslima oder Moritz Bleibtreu als Mister Pommeroy in der Vorgeschichte des Silvester-Klassikers „Dinner for One“.

Um die Spitze der kommenden Fernsehproduktionen muss man sich also keine Sorgen machen, darunter wird es laut Programmchefin Ulrike Frick schnell etwas eindimensional.

Filmfest München
Samirah Breuer (Mitte) in „Schattenseite“. Die geheimnisvolle Website „Schattenseite“ stellt das Leben der Abiturient*innen Corvin, Nola, Patricia und Simon auf den Kopf. Dort werden intimste Geheimnisse enthüllt.

Young Adult Produktionen rücken ins Zentrum

Innovatives begegnet einem da gerne mal beim Programm für Jugendliche und junge Erwachsene. Die brauchen gerade die Mediatheken der öffentlich rechtlichen Sender in Konkurrenz zu den großen US-Plattformen, das war auch in München spürbar.

Sogenannte Young-Adult-Produktionen wie die Serie „Schattenseite“ nach einem Roman von Social-Media-Star Jonas Ems haben auf jeden Fall das Zeug dazu, mitzuhalten. Sie sind unterhaltsam, intensiv und behandeln brennende Themen wie die mentale Gesundheit bei Jugendlichen. Als Investment in das Publikum der Zukunft nicht der schlechteste Weg.

Social-Media-Beitrag auf Instagram von schattenseite_serie

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Karsten Umlauf