SWR Serie bei der Berlinale

Mystery und Horror im Schwarzwald: „House of Yang“ von Stefanie Ren

Serien sind nicht das Kerngeschäft der Berlinale, besondere Titel laufen aber im Spezial-Programm, darunter auch die SWR Mystery-Serie „House of Yang“: In einem Schwarzwald-Haus verschwinden auf mysteriöse Weise Mädchen und mit ihnen ganze Räume.

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Stand

Von Autor/in Karsten Umlauf

Vor 20 Jahren verschwand ein ganzes Zimmer

Eigentlich will Jessie ihr altes Elternhaus im Schwarzwald, in dem sie schon lange nicht mehr wohnt, nur schnellstmöglich verkaufen. Aber als sie mit ihrer Teenie-Tochter Mila dort ankommt, bekommt sie vom Makler einen Dämpfer: Er sieht keine große Chance für einen schnellen Verkauf.

„House of Yang“
Als Jessie (Elisa Hofmann) das Haus erbt, begreift sie zu spät, welche Gefahren für sie und ihre Tochter Mila (Purnima Grätz) in der Dunkelheit des Hauses lauern.

Die Erinnerungen an ihre chinesische Mutter Yang und an ihre jüngere Schwester Isabel nehmen Jessie sofort gefangen: Isabel hatte sich vor über 20 Jahren nach einem fatalen Streit im Bügelzimmer des Hauses versteckt, woraufhin nicht nur die Tür, sondern auch das ganze Zimmer verschwand, mitsamt Isabel.

„House of Yang“
Zwischen schleichendem Horror und unerklärlichen Ereignissen stellt die sechsteilige Mystery-Serie die entscheidende Frage: Sind wir dazu verdammt, die tragischen Fehler unserer Eltern und Großeltern zu wiederholen?

Geheimnisvolles Haus gibt Rätsel auf

Mystery und Horror sind die Genres, in denen sich die Serie „House of Yang“ bewegt. Sie ist kein Gruselschocker mit Geistern oder Monstern, der zu Kreischattacken Anlass geben könnte.

In gut 20-minütigen, dramaturgisch klug kalkulierten Folgen packt einen eher die spannungsvoll unterhaltsame Suche nach dem Geheimnis, das dieses Haus mit angegrauten Gardinen, Bücherstapeln in den Türrahmen und dunklem Brunnen im Garten bergen könnte

„House of Yang“
Seit Generationen geht eine Kluft durch Jessies deutsch-chinesische Familie. Und die Geister der Vergangenheit ruhen nicht.

Eingemauert in Familienerinnerungen

Autorin Stefanie Ren, die selbst einen chinesischen Vater hat, spannt den Bogen in Rückblenden noch weiter zurück. Von 1999 bis ins Jahr 1949, in dem Jessies Oma mit zwei kleinen Kindern in dem Haus Zuflucht fand, oder eher geduldet wurde. Auch damals ist ein Kind im Haus verschwunden: die Schwester von Jessies Mutter.

Vieles kann hier als Bild gelesen werden: das Laufen gegen Wände, fehlende Zugänge, Sprachlosigkeit zwischen Männern und Frauen, Geschwistern, Chinesinnen und Deutschen. Traumata, die von Müttern an ihre Töchter weitergegeben werden. Der Horror, nicht sein eigenes Leben zu leben, sondern plötzlich in einer kollektiven Erfahrung wie in einem Haus eingemauert zu sein.

„House of Yang“ erinnert an Mystery-Klassiker wie „Stranger Things“

Mit ihren Anspielungen auf 90er-Jahre-Klassiker wie „The Sixth Sense“ oder den Mystery-Blockbuster „Stranger Things“ macht die Serie gleichzeitig großen Spaß. Eine ungewöhnliche, immer wieder überraschende Geschichte, aus der noch viel zu wenig erzählten Perspektive der deutsch-asiatischen Community.

Aus dem Nordschwarzwald zur Berlinale Stefanie Ren über ihr Leben als Drehbuchautorin

In der Miniserie „House of Yang“ geht es um die Geister der Vergangenheit in einer deutsch-chinesischen Familie. Vieles stammt aus der eigenen Geschichte von Drehbuch-Autorin Stefanie Ren.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Karsten Umlauf
Karsten Umlauf, Autor und Morderator bei SWR Kultur