Das investigative Netzwerk „The Kollective“ sucht nach unterdrückten Wahrheiten
Im Internet kursiert ein Video von einem Flugzeugabsturz im Kongo. Als bekannt wird, dass ein bekannter englischer Reporter an Bord war, wird Joshua hellhörig. Er ist Teil des investigativen Netzwerks „The Kollective“ und setzt seine Mitstreiter auf das Video an
Etwas halbherzig vermittelt die Serie den Hintergrund der fünf Köpfe: Es sind offensichtlich keine professionellen Journalisten. Sie sind verteilt in Amsterdam, Nantes oder Berlin, gehen irgendwelchen Hilfsjobs nach.
Aber ihre Leidenschaft gilt der Suche nach unterdrückten oder verschleierten Wahrheiten. Mit hohem Ethos von Transparenz und Unabhängigkeit und mit großer Social-Media-Präsenz haben sie es schon zu Internetruhm gebracht. Sie wollen sich bewusst von etablierten Medien absetzen.
Die Recherchen führen in das Herz postkolonialer afrikanischer Politik
Etienne und Lucas sind brillante Nerds, die von ihrem Computer aus jede Open-Source-Quelle anzapfen. Bei Joshua hat die Arbeit auch einen persönlichen Hintergrund.
Durchaus mit aktueller Brisanz führen sie ihre Recherchen in das Herz postkolonialer afrikanischer Politik: Es geht um Seltene Erden. Der volksnahe Politiker Lusamba will im Kongo Coltan-Minen verstaatlichen und die Bevölkerung an den Gewinnen teilhaben lassen. Dabei geraten er und mit ihm das Kollektiv in Konflikt mit dem russischen Geheimdienst und dubiosen Geschäftsleuten.
Die Serie hat reale Bezüge, schielt aber auch Richtung Agententhriller
Nicht nur namentlich erinnert die Figur an den Freiheitskämpfer und ersten Regierungschef des unabhängigen Kongo Patrice Lumumba. Er ist 1961 unter Mitwirkung der CIA ermordet worden.
Wie bei der Parallele zum Abschuss des Fluges MH17 gibt es also reale Bezüge. Gleichzeitig schielt die Serie in Actionszenen, absurden verdeckten Ermittlungen und ziemlich plakativen Bösewichten in Richtung Agententhriller.
Richtig nahe gehen einem die Figuren leider nicht
Rein optisch gibt die Serie einiges her, sie löst die Computerrecherche in dreidimensionale Welten auf, in die man eintauchen und sich in funkelnden Modellen und durch Bilderkaskaden bewegen kann.
Zielgenau und sekundenschnell werden Fakten überprüft und Probleme gelöst, so faszinierend wie unrealistisch. Im Privaten hat zwar jeder der fünf seine eigene Baustellen, aber richtig nahe gehen einem die Figuren leider nicht.
Die Idee einer Hommage an die Plattform „Bellingcat“ und ihre Form des investigativen Bürgerjournalismus ist ehrenwert und in Zeiten von KI, Korruption und Desinformation auch nachvollziehbar. Allerdings wirkt doch zu vieles in dieser europäischen Koproduktion gewollt, halb reißerisch, halb naiv und wird letztendlich den eigenen Ansprüchen nicht gerecht.
„The Kollective“ ist in der ZDF Mediathek zu sehen. Am Sonntag, 15.2.2026 laufen ab 20:15 Uhr alle sechs Teile in ZDFneo.
Mehr Serien
Kleinfamilie mit Spionage-Vergangenheit Spannende Beziehungsgeschichte auf Netflix: Deutsche Thrillerserie „Unfamiliar"
Zwei Ex-BND-Mitarbeiter betreiben ein „Safe House“: einen Unterschlupf für Menschen, die nicht gefunden werden wollen. Ihre heranwachsende Tochter weiß von alledem nichts.