Kleinfamilie mit Spionage-Geschichte

Spannende Beziehungsgeschichte auf Netflix: Deutsche Thrillerserie „Unfamiliar"

Eine neue Netflix-Serie erzählt die Geschichte von zwei Ex-BND-Mitarbeitern, die ein sogenanntes „Safe House“ betreiben: einen Unterschlupf für Menschen, die nicht gefunden werden wollen. Ihre heranwachsende Tochter weiß von alledem nichts. Nicht der nächste Netflix-Hit, aber solide Thriller-Unterhaltung.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Anruf aus der Vergangenheit

Eigentlich wollen Simon und Meret den 16. Geburtstag von ihrer Tochter Nina feiern, aber da erreicht sie ein Anruf auf einer geheimen Nummer. Die beiden sind Vollprofis, wer sie kontaktiert, kann nach reiflicher Prüfung mit Hilfe im Safe House rechnen. Gegen ordentliche Bezahlung. Aber dieser Anruf entpuppt sich als eine Falle.

„Unfamiliar“ von Paul Coates
Meret (Susanne Wolff) und Simon (Felix Kramer) sind zwei Ex-BND-Mitarbeiter, die ein sogenanntes „Safe House“ betreiben: einen Unterschlupf für Menschen, die nicht gefunden werden wollen.

Der Anrufer ist Handlanger eines skrupellosen russischen Agenten, dem Simon und Meret vor vielen Jahren in Belarus auf den Fersen waren. Und weil der und seine Frau jetzt in Berlin politische Karriere machen wollen, müssen die Querulanten von damals, sprich: Simon, Meret und ihr damaliger Vorgesetzter Gregor, verschwinden.

„Unfamiliar“ von Paul Coates
Meret (Susanne Wolff) ist die beherzt entschlossene Ex-Agentin, die auch mal hart zuschlagen kann.

Achtung: Agenten-Klischee!

Wer sowieso mit dem Spionage-Genre hadert, bei dem gehen hier die Warnlichter an: böse Russen, alte Rechnungen, die geliebte Tochter als mögliche emotionale Schwachstelle. Das hat man schon unzählige Male gesehen. Und natürlich fehlt es auch in „Unfamiliar“ nicht an der gängigen Agenten-Action: quietschende Verfolgungsjagden, Nahkampf, grotesk plumpe Verkleidungen.

„Unfamiliar“ von Paul Coates
Simon (Felix Kramer) ist der etwas weichere Partner in diesem Ex-Agenten-Duo, mit mehr Brüchen und versteckten Ängsten.

Allerdings ist die Verbindung von privater Kleinfamilie mit Spionage-Backstory und der Angst, sich auch als Paar nicht mehr vertrauen zu können, eine gute Grundlage. Dafür gibt es mit der US-Serie „The Americans“ ein berühmtes Vorbild, aber der Vergleich verbietet sich andererseits wieder.

„Unfamiliar“ von Paul Coates
Meret (Susanne Wolff) mit Tochter Nina (Maja Bons), die von der Vergangenheit ihrer Eltern nichts weiß.

Politik bleibt Nebensache

„Unfamiliar“ hält zumindest in den ersten drei Folgen, die man im Vorfeld sehen konnte, die politische Dimension auf sehr kleiner Flamme. Was schade ist. Und vielleicht auch fahrlässig.

Es wäre aber ein typisch deutscher Reflex, der Serie deswegen und wegen ihrer grob geschliffenen Handlung gleich wieder Mutlosigkeit vorzuwerfen. In einem Genre, das sowieso auch international zum Klischee tendiert.

Ein hochklassiges „Look and feel“ hat die Serie in der Regie von Lennart Ruff auf jeden Fall zu bieten. Und das unbekannt „Unfamiliäre“, auf das der Titel anspielt, die Zweifel an denen, die man glaubt schon lange zu kennen, sie lassen sich auch erspüren. Weil es Felix Kramer als Simon und Susanne Wolff als Meret so gut spielen.

Nicht unbedingt der nächste Netflix-Hit

Sie ist eher beherzt entschlossen, kann aber auch mal hart zuschlagen. Er ist etwas weicher, mit mehr Brüchen, versteckten Ängsten. Beide mit Geheimnissen, die das gemeinsame Fundament erschüttern. Gleichzeitig immer wieder mit einem zärtlich bis spöttischen Ziehen um den Mundwinkel, das große Vertrautheit verrät.

„Unfamiliar“ wird nicht unbedingt der nächste große Netflix-Hit. Die Serie bekommt keinen Innovationspreis, bemüht sich aber um Ernst und Drama und funktioniert vor allem als Beziehungsgeschichte gut. Das ist als Beitrag zum Spionage-Genre durchaus sehenswert.

Trailer „Unfamiliar“, ab 5.2. auf Netflix

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