Wichtigste Kunstmesse in Deutschland

Kunst als Kontrast zum Zeitgeschehen – art Karlsruhe setzt auf junge Galeristen

Trotz globalen Krisen und angespannter Finanzlage – die Stimmung unter den Galeristen bei der art Karlsruhe ist optimistisch. Zeitgenössische Positionen bekommen auf der Messe immer mehr Raum.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Kunst gegen die Absurdität der Gegenwart

Kaum hat die Messe geöffnet, füllen sich auch schon die vier großen Hallen. Überall stehen Grüppchen zusammen, viele Galerien laden ihre Stammkunden zu Sektempfängen in ihren Messe-Kojen ein. Die Stimmung ist gut.

Das sah noch vor einem halben Jahr angesichts der vielen Krisen in der Welt ganz anders aus: „Die Galerien haben sich extrem viel Mühe gegeben. Die wissen wie kostbar Aufmerksamkeit gerade ist“, sagt Kristian Jarmuschek, Galerist und Beiratsvorsitzender der art Karlsruhe.

art Karlsruhe
Blumenbild von Alireza Varzandeh (Galerie Barbara von Stechow).

Die Zeiten seien herausfordernd, „aber vielleicht wäre gerade jetzt ja der Moment, sich Kunst anzuschauen und zu sagen, es gibt noch eine Alternative zu dieser absurden Realität.“

Kunst Alireza Varzandeh bis Heinz Mack

Das Angebot auf der art Karlsruhe bietet auf jeden Fall auf weiten Strecken ein buntes Kontrastprogramm zum aktuellen Zeitgeschehen. Große, expressive Blumenbilder von Alireza Varzandeh bei der Galerie Barbara von Stechow, weite menschenleere Landschaften am Meer von Peter Lang bei der Berliner Galerie Anna25, eine Wand aus Salatköpfen von Stefan Gross bei der Galerie Chief & Spirits aus Den Haag.

Salatköpfe von Stefan Gross (Galerie Chief & Spirits)
Salatköpfe von Stefan Gross (Galerie Chief & Spirits).

Auf der art Karlsruhe auch immer gern gesehen: ZERO-Kunst vom Heinz Mack und Otto Piene, Pop-Art von Alex Katz oder Werke von Rainer Fetting, der in den 1970er-Jahren zu den „Neuen Wilden“ gehörte.

Rainer Fetting, Desmond Miami Terrace, 2025
Rainer Fetting, Desmond Miami Terrace, 2025 (Galerie Thomas Fuchs).

Junge Galeristen aus Leipzig bis Taipeh

In diesem Jahr sind auffallend viele sehr junge Galerien dabei, allein fünf aus Leipzig und die „Parri Blank Gallery“ aus Stuttgart. Die Hälfte der diesjährigen Neuzugänge sind Galerien aus dem Ausland, so wie zum Beispiel die Galerie Ting Ting aus Taiwan.

„Europa ist ein attraktiver Kunstmarkt. Wir kommen nach Karlsruhe, weil es hier viele Sammler gibt und wir gleichzeitig Kunden aus Frankreich und der Schweiz treffen können. Das ist ein besonderer Ort für uns“, sagt die Galeristin aus Taipeh. 

Türbogen aus bunten Papierstreifen von der Künstlerin Julia Sossinka
Türbogen aus bunten Papierstreifen „Overflow“ von der Künstlerin Julia Sossinka (Galerie Artbase).

Die Galerie Eric Mouchet aus Paris ist schon zum dritten Mal auf der art Karlsruhe, sagt Mitarbeiter Michael Honecker: „Die Schwaben und die Badener sind etwas zurückhaltender. Aber das Kunstinteresse ist sehr groß, deswegen kommen wir immer gerne hierher.“

Bei den Studierenden gibt es Kunst zu gewinnen

In Halle 3 gibt es wieder spezielle Angebote für Einsteiger: den Papersquare mit erschwinglichen Papierarbeiten oder auch den academy square, auf dem sich 18 Absolventinnen und Absolventen der Akademien aus Stuttgart und Karlsruhe präsentieren:

art Karlsruhe
Die „Kunstlos-Bude“ der Klasse von Prof. Ulla von Brandenburg von der Kunstakademie Karlsruhe.

„Wir sind die Klasse Ulla von Brandenburg und wir haben einen Los-Stand aufgebaut“, sagt eine Kunststudentin. „Bei uns kann man keine Kunst kaufen, sondern nur gewinnen.“

Die Studierenden haben einen großen Turm gebaut und ganz oben sitzt eine schrill kostümierte Lotto-Fee, die jedem, der ein Los kauft, eine Kugel in eine Art Murmelbahn wirft. Auch wenn die Loskugeln teilweise Nieten enthalten – wie sagte die Kunststudentin so schön: Kunst ist immer ein Gewinn!

 

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Marie-Dominique Wetzel