Das Massaker von Srebrenica, bei dem im Juli 1995 über 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Einheiten ermordet wurden, gilt als das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Drei Jahrzehnte später bleibt der Schmerz lebendig – und mit ihm das Gedenken.
„In Potočari, wo das große Morden begann, findet jedes Jahr eine zentrale Gedenkveranstaltung statt“, erklärt Historikerin Marlene Weck. An diesem Ort befindet sich heute eine Gedenkstätte mit Friedhof, auf dem jedes Jahr am 11. Juli neu identifizierte Opfer beigesetzt werden.
Marlene Weck ist Referentin für Bosnien und Herzegowina beim Verein Freiburger AMICA e.V., der Frauen in Kriegs- und Krisengebieten unterstützt. Sie kritisiert das mangelnde Bewusstsein für das Verbrechen in Westeuropa: „Ich merke doch immer wieder, dass in der Mehrheitsgesellschaft dieser Genozid vielen unbekannt ist.“ Auch in Serbien wird der Völkermord bis heute häufig geleugnet.
Foto-Ausstellung zum Bosnienkrieg Foto-Ausstellung im SWR Studio Freiburg zum Genozid von Srebrenica
Die Ausstellung "Unsere Sicht - 12 Frauen aus Srebrenica" erinnert an den Genozid in Srebrenica während des Bosnienkriegs. Das Ausstellung ist von der Frauenrechtsorganisation AMICA.
Besonders wichtig ist Weck die feministische Erinnerungskultur: „Frauen sind nicht nur Hinterbliebene und Trauernde, sondern auch Akteurinnen in der Erinnerungskultur.“ Denn neben den ermordeten Männern litten viele Frauen unter systematischer sexualisierter Gewalt – ein Aspekt, der noch immer zu selten thematisiert wird.
Das Gedenken an Srebrenica bleibt eine europäische Aufgabe – nicht nur als Rückblick, sondern als Mahnung für Gegenwart und Zukunft.
30 Jahre Massaker von Srebrenica
30. Internationaler Gedenktag Srebrenica – Wie das Massaker von 1995 Bosnien bis heute entzweit
30 Jahre ist das Massaker von Srebrenica her – für die internationale Gemeinschaft ein Völkermord. Doch viele Serben sehen das bis heute anders. Der Streit um die Geschichte spaltet die Menschen auf dem Balkan.
Forum 30 Jahre nach Srebrenica – Wie stabil ist Bosnien und Herzegowina?
Andrea Beer diskutiert mit
Aida Cerkez, Investigativjournalistin Sarajewo
Prof. Dr. Vahidin Preljević, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Universität Sarajewo
Tanja Topić, Journalistin aus Banja Luka
11.7.1995 Srebrenica vor dem Massaker – Serben nehmen die Stadt ein
11.7.1995 | Das Massaker von Srebrenica 1995 gehört zu den dunkelsten Momenten der Jugoslawienkriege in den 1990er-Jahren. 8.000 Bosniaken wurden ermordet. Für die ARD berichtet damals Anke Mai. Die Sorge vor einem bevorstehenden Massaker spricht sie im Gespräch mit dem SDR schon offen aus.