Begabtenförderung ist eines der Lieblingsthemen der Bildungsforschung. Nun zeigen neue Forschungsergebnisse unter Federführung der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), dass eine zu frühe Fokussierung auf eine einzige Disziplin langfristig möglicherweise oft nicht zu Höchstleistungen führt.
Professor Arne Güllich von der RPTU erklärt im Gespräch mit SWR Kultur: „Es gibt nur sehr wenige, die außerordentliche Leistungen schon in jungen Jahren zeigen.“ Spätere Spitzenleistungen kämen häufig von Menschen, die anfangs nicht zur Elite gehörten.
Vielfalt in der Entwicklung als Chance für Spitzenleistung
Stattdessen entwickeln sich viele Weltklasse-Leistungen aus einer breiteren Förderung, bei der mehrere Disziplinen über längere Zeit ernsthaft betrieben werden. „Diejenigen, die sehr früh schon sehr erfolgreich sind, haben meistens sehr früh begonnen und sich auf eine Disziplin spezialisiert“, so Güllich. Dies führe jedoch oft zu einem frühen Leistungsplateau.
Güllichs Forschung, die auch im Fachblatt „Science“ veröffentlicht worden ist, legt nahe, dass Vielfalt in der Entwicklung nicht nur ein pädagogisches Ideal ist. Sie könne ein entscheidender Schlüssel zur Entfaltung langfristiger Spitzenleistungen sein.
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