Zukunft im Spiegel der Gegenwart

Was Science-Fiction über die Gesellschaft ihrer Zeit verrät

Science-Fiction zeigt uns nicht nur ferne Welten, sondern spiegelt immer auch unsere Gegenwart. Sechs Werke, die mehr über uns erzählen, als wir denken – von „Star Trek“ über „Solarpunk“ bis „Final Coal Sparkling“.

Teilen

Stand

Von Autor/in David Kirchgeßner

Ob Raumschiff, Roboter oder Rebellion: Science-Fiction ist mehr als nur Unterhaltung. In Büchern, Filmen oder auf der Bühne blickt das Genre nach vorn – und schaut dabei oft erstaunlich genau auf die Gegenwart.

Denn fast immer erzählen diese Zukunftsvisionen auch viel über die politische, gesellschaftliche oder technologische Stimmung ihrer Entstehungszeit. Sie reflektieren Ängste und Hoffnungen, Fortschrittsglauben oder Krisenbewusstsein.

Der Traum vom All, die Angst vor dem Ende oder die Suche nach einer besseren Welt – all das hat seinen Ursprung oft nicht in der Zukunft, sondern in den Herausforderungen der jeweiligen Gegenwart.

Wir zeigen sieben Beispiele aus Literatur, Theater, Film und Popkultur, die belegen, wie Science-Fiction unser Denken prägt – und was sie über uns selbst aussagt.

  1. Star Trek & Die Jetsons: Technik als Hoffnungsträger
  2. Star Wars: Mythos und Macht in Zeiten politischer Umbrüche
  3. Wall-E: Konsumkritik aus dem All
  4. Final Coal Sparkling: Bühne als Zukunftslabor
  5. Solarpunk: Gegenentwurf zur Dystopie
  6. Jules Verne: Vater der Science-Fiction

Star Trek & Die Jetsons (1960er-Jahre): Technik als Hoffnungsträger

William Shatner und Leonard Nimoy (rechts) beim Beamen in sogenannten Transporterraum auf dem Raumschiff Enterprise.
Die Phrase „Beam me up, Scotty“ aus „Star Trek“ fand Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch. William Shatner und Leonard Nimoy (rechts) beim Beamen in sogenannten Transporterraum der Enterprise.

Inmitten des Kalten Krieges und des Weltraumrennens zwischen den USA und der Sowjetunion zeichnete die US-Science-Fiction-SerieRaumschiff Enterprise“ (im Original „Star Trek“) eine Zukunft, in der ein interkulturelles Miteinander möglich ist, trotz klaren Freund- und Feindbildern. Zentrale Elemente sind auch technische Wunder wie Replikatoren, Tablets oder Teleportation.

Ähnlich hoffnungsfroh blickte die amerikanische Animationsserie „The Jetsons“ auf das Jahr 2062: schwebende Autos, smarte Haushaltsgeräte und ein komfortables Leben im Orbit – eine klare Projektion des Fortschrittsglaubens der 1960er-Jahre.

Open HD | The Jetsons | Warner Archive

Ferne Welten, fremde Zivilisationen und die Überwindung von Raum und Zeit – damit traf auch die bekannteste deutsche Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille Orion“ den Nerv der Zeit. Sie lockte ab 1966 alle zwei Wochen am Samstagabend nach der Tagesschau die Bundesrepublik vor die Fernsehgeräte.

Star Wars (1977): Mythos und Macht in Zeiten politischer Umbrüche

 

Alec Guinness als Jedi-Ritter Obi Wan Kenobi (links), C-3PO und Mark Hamill als Luke Skywalker in „Krieg der Sterne“, von 1977.
Alec Guinness als Jedi-Ritter Obi Wan Kenobi (links), C-3PO und Mark Hamill als Luke Skywalker in „Krieg der Sterne“, von 1977.

George Lucas’ „Krieg der Sterne“ erscheint nicht zufällig im Post-Vietnamkrieg-Amerika. Der Aufstand der Rebellen gegen das Imperium wirkt wie eine Allegorie auf die Generation der 1968er – zwischen idealistischer Revolte und moralischem Kampf gegen autoritäre Systeme.

Die „Star Wars“-Saga knüpfte an archetypische Mythen an, kombinierte sie mit futuristischer Technik und wurde zum kulturellen Ausdruck einer Zeit des Umbruchs.

Wall-E (2008): Konsumkritik aus dem All

  

Ein Modell des Roboters Wall-E bei der Premiere des gelichnamigen DisneyPixar-ANimationsfilms 2008 in London.
Ein Modell des Roboters Wall-E bei der Premiere des gelichnamigen Disney/Pixar-Animationsfilms 2008 in London.

Pixars Animationsfilm „Wall-E“ zeigt eine verlassene Erde, auf der ein kleiner Roboter Müll sortiert, während die Menschheit im All degeneriert. Zwischen Slapstick und Zärtlichkeit steckt eine radikale Konsumkritik – inmitten der Klimadiskussion der frühen 2000er-Jahre.

Die Animation wirkt wie ein Kinderfilm, doch unter der Oberfläche verbirgt sich ein dystopischer Kommentar zu Umweltzerstörung, Digitalisierung und menschlicher Bequemlichkeit.

Best of Pixar: WALL·E zeigt EVE sein Zuhause | WALL·E - DER LETZTE RÄUMT DIE ERDE AUF | Disney+

Final Coal Sparkling (2025): Bühne als Zukunftslabor

Die Produktion „Final Coal Sparkling“ des Theaterkollektivs Industrietempel Mannheim bringt Science-Fiction auf den Hockenheimring. Dabei geht es ins Jahr 2228: Die Welt hat sich drastisch verändert, der Meeresspiegel ist gestiegen und die Menschheit lebt größtenteils auf riesigen Kreuzfahrtschiffen.

Reiseunternehmen bieten Landgänge zu alten Kultstätten der indigenen Festlandbevölkerung an, bei denen das spektakuläre Ritual „Final Coal Sparkling“ zelebriert wird, bei dem Schamanen feierlich Benzin verbrennen. So wurde nämlich in der alten Zeit der Irrglaube unbegrenzten Wachstums zelebriert. Ein Ritus des sinnbefreiten Kraftstoffverbrauchs, der bildgewaltig unseren Lebensstil und die damit verbundenen Konsequenzen parodiert.

Solarpunk: Gegenentwurf zur Dystopie

Abseits düsterer Weltuntergang-Szenarien setzt das Literatur- und Design-Genre Solarpunk auf Nachhaltigkeit, Kooperation und technologische Lösungen im Einklang mit der Natur. 

Diese Zukunftsvisionen – ob in Erzählungen, Architektur oder Urban-Gardening-Projekten – spiegeln das wachsende Bedürfnis nach Hoffnung in einer Welt der Klimakrise. Solarpunk zeigt: Auch Optimismus kann revolutionär sein.

 

Jules Verne (1870er-Jahre): Vater der Science-Fiction

Bemannte Raketen, die zum Mond fliegen, gigantische Unterseeboote: Der französische Schrifsteller Jules Verne gilt als Schöpfer eines ganzen literarischen Genres: der Science-Fiction.
Bemannte Raketen, die zum Mond fliegen, gigantische Unterseeboote: Der französische Schrifsteller Jules Verne gilt als Schöpfer eines ganzen literarischen Genres: der Science-Fiction.

Bereits lange vor Raumfahrt und Tiefseeforschung schrieb Jules Verne mit „20.000 Meilen unter dem Meer“ und „Von der Erde zum Mond“ Romane, die das technisch Unmögliche denkbar machten.

Verne gilt als Pionier der Science-Fiction – und als früher Beobachter der industriellen Revolution. Seine Visionen verarbeiteten die Faszination und die Furcht vor dem technischen Fortschritt des 19. Jahrhunderts.

20.000 Meilen unter dem Meer
Das Unterseeboot Nautilus aus Vernes Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ ist eine Art Asylzentrum für Menschen, die aus der irdischen Gesellschaft aussteigen.

Science-Fiction ist nie nur Zukunft

Ob auf der Leinwand, zwischen Buchseiten oder auf der Bühne: Science-Fiction bildet Möglichkeitsräume ab – und ist der Spiegel, in den wir als Gesellschaft immer wieder blicken sollten. Denn die Geschichten von morgen erzählen immer auch etwas über das Heute.

Science-Fiction Wie funktioniert die Nahrungs-Replikation bei "Raumschiff Enterprise"?

Die Nahrungs-Replikatoren sind Maschinen auf dem Raumschiff Enterprise, die die Nahrung generieren. Grob beschrieben: Wir haben irgendwo ein Lager an Material. Ähnlich wie beim Beamen nimmt man dieses Material, formt es um in seine Elementarteilchen und baut daraus eine andere Materie. Wie realistisch ist das? Von Hubert Zitt

SWR2 Impuls SWR2

Herzensprojekt nach 40 Jahren „Megalopolis” von Francis Ford Coppola: Die Rückkehr einer Ikone

Ohne Unterstützung aus Hollywood finanzierte Francis Ford Coppola sein Herzensprojekt „Megalopolis” aus eigener Tasche. Es könnte sein vielleicht letztes großes Werk werden.

Über das Erbe des Filmklassikers Filmklassiker "Zurück in die Zukunft" wird 40

Vor 40 Jahren war "Zurück in die Zukunft" zum ersten Mal in den Kinos zu sehen. Ein Filmklassiker, der Fans bis heute begeistert.

SWR1 Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz