Angriff auf „Martin Luther King Day“

Amerikanistik-Professor: Trump bekennt sich offen zu Rassismus

Auf Anweisung des US-Präsidenten Donald Trump gibt es am „Martin Luther King Day“ (19. Januar) erstmals keinen freien Eintritt in US-Nationalparks . Ein Versuch, die Geschichte Amerikas umzuschreiben, so der Amerikanistik-Professor Manfred Berg in SWR Kultur. Trump zeige sich offen als Rassist.

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Stand

Für Trump ist Amerika ein Land des „weißen Mannes“

Manfred Berg: „Martin Luther King ist einer der großen Helden der amerikanischen Geschichte, er ist die Identifikationsfigur für Afroamerikaner.“ Dass es in diesem Jahr keine freien Eintritte gäbe, sei symbolisch: „Trump hängt einem Geschichtsbild an, dem zufolge Amerika ein Land des `weißen Mannes´ ist.“

Andrew LeydenZUMA Press Wire
Manfred Berg über Donald Trump: „Ich würde so weit gehen zu sagen, dass er keinen Hehl draus macht, dass er ein Rassist ist.“

Trump habe kürzlich explizit gesagt, dass die weiße Bevölkerung der eigentliche Verlierer der Bürgerrechtsbewegung sei. Das sei unter seiner Anhängern und in weißen, konservativen Kreisen der USA seit vielen Jahrzehnten ein sehr verbreitetes Geschichtsbild. In diesem würden die Schwarzen Bürgerrechte als eine Art Nullsummenspiel betrachtet, bei dem Weiße verlieren, wenn Schwarze gewinnen.

Spaltung von Gesellschaft und Geschichtsbild

Als amerikanischer Präsident habe Trump viele Möglichkeiten, die öffentliche Darstellung von Geschichte auf das Geschichtsbild seiner Anhänger „hinzuzuschneiden“, betont Berg. Die Auswirkungen hiervon seien gesellschaftlich spürbar: „Wir haben in den USA eine hochpolarisierte Gesellschaft und die Spaltung des Geschichtsbildes ist Teil dieser Polarisierung.“

Man müsse klar sehen: „Die USA sind in zwei etwa gleich starke Lager gespalten und das liberale oder progressive Lager, wie immer man das nennen will, hat natürlich ein anderes Geschichtsbild“, so Berg.

Kein Platz für Minderheiten in Erinnerungspolitik

Auch andere Minderheiten kommen in Trumps patriotischer Erinnerungspolitik nicht vor. Begriffe wie Diversität oder Inklusion wurden in Archiven und auf Webseiten gelöscht.

Die Reaktionen aus diesen Gruppen seien hochunterschiedlich, so Berg. Das sogenannte „Bürgerrechtsestablishment“ sei sehr kritisch gegenüber Trump, aber bei den letzten Wahlen habe dieser auch viele Stimmen von Schwarzen und vor allem Hispanics erhalten – vor allem wegen Trumps ökonomischer Versprechen.

Dennoch bleibt Berg vorsichtig optimistisch: „Die Schwarze Bürgerrechtsbewegung war die bedeutendste soziale Bewegung der amerikanischen Geschichte und das kann man nicht einfach auslöschen.“

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