Respektvoller Umgang mit Wasser in Indien und Südamerika
Die Geräusche kommen aus einem schlichten, Amphoren-ähnlichen Tongefäß, das auf einem einfachen Holzgestell liegt. Solche Tongefäße kennt die Künstlerin Ishita Chakraborty aus ihrer Kindheit in Indien, denn ihre Großmutter nutzte sie, um die Wasservorräte zu lagern.
Im vergangenen Jahr reiste die Künstlerin nicht nur in ihre frühere Heimat am Ganges, sondern auch ins Amazonas-Gebiet. Sie fand dort fast identische Tongefäße und sehr ähnliche Lebensweisen, die darauf ausgerichtet waren, sparsam und respektvoll mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Ishita Chakraborty hat Gesänge von beiden Orten aufgenommen und für ihre Klangskulptur verwendet.
Gefährdete Ökosystem an den Flüssen Ganges und Amazonas
Ishita Chakraborty: „Diese Arbeit beschäftigt sich mit Fragen zum Wasserkreislauf, dem ganzen so empfindlichen und stark gefährdeten Ökosystem an den Flüssen Ganges und Amazonas. Die Frauen singen an beiden Orten davon, dass man die Natur nicht ausbeuten darf. Als Künstlerin habe ich vor allem erst einmal zugehört, was sie zu sagen haben und dann verarbeite ich in meinen Arbeiten die Informationen und Erfahrungen, die ich in dieser Welt dort gemacht habe.“
Vertreibung von Menschen im Bürgerkrieg in Sri Lanka
Die Künstlerin Hema Shironi beschäftigt sich vor allem mit den sozialen Aspekten der Umsiedlung und Vertreibung von Menschen während und nach des Bürgerkriegs in Sri Lanka bis 2009. Sie selbst musste als Kind mit ihrer Familie mehrmals ihre Wohnorte wechseln. In ihren Kunstwerken stickt sie mit rotem Garn die Grundrisse ihres Elternhauses über Fotos der neuen Häuser, die oft seelenlose Fertighäuser waren.
Die Künstler machen gesellschaftliche Herausforderungen in Südasien sichtbar
Die Werke dieser und der anderen Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung „Assembling Grounds“ machen ökologische, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen in Südasien sichtbar. Die ZKM-Kuratorin Mira Hirtz hat die Künstlerpersönlichkeiten kennengelernt, als sie mit der Ausstellung „Critical Zones“ zwischen 2022 und 2024 immer wieder durch Indien und Sri Lanka reiste.
Netzwerke mit Goethe-Instituten vor Ort aufgebaut
Gemeinsam mit den Goethe-Instituten vor Ort wurden Künstlerinnen und Künstler angesprochen und Netzwerke aufgebaut. Dem Ausstellungs-Team war es dabei von Anfang an wichtig, nicht nur Probleme aufzuzeigen, sondern auch Lösungsansätze zu vermitteln und Aktivierungsprogramme zu starten. Auch um aus dem Ohnmachtsgefühl angesichts so vieler aktueller Krisen herauszukommen, sagt die ZKM-Kuratorin Daria Mille.
Künstler pflanzen Urwald mit Samen bedrohter Arten
Längst sind viele Künstler nicht nur Mahner, sondern auch kreative Aktivisten. So wie Abhiijt Patil. Er ist Foto-Künstler und Landwirt. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Pflanzensamen, um alte Sorten und eine möglichst große Diversität zu erhalten.
In seinem neusten Urwald-Projekt haben er und die lokale Bevölkerung ungewöhnliche Partner gefunden: „Wir arbeiten mit den Nashornvögeln zusammen. Wir sammeln ihre Ausscheidungen, denn darin befinden sich viele verschiedene Samen –… Wir sammeln die Ausscheidungen und bringen sie in meine Gärtnerei. Dort haben wir in diesem Jahr schon über tausend Baum-Setzlingen gezogen, von 74 verschiedenen, inzwischen vom Aussterben bedrohten Baumarten dieses Urwaldes.“
Seine Foto-Dokumentation zeigt eindrucksvoll, welche Rolle solche Projekte spielen können. Positive Beispiele der Selbstermächtigung an der Schnittstelle von Kunst und ökologisch-sozialem Engagement.
ZKM Ausstellungen interagieren weltweit mit Künstlern
Viele der innovativen Ausstellungsprojekte des ZKM (Zentrum für Kunst und Medie) reisen nach ihrer Laufzeit in Karlsruhe rund um den Globus weiter. Dem ZKM war es dabei immer wichtig, dass seine Projekte nicht einfach nur auf Welt-Tournee gehen, sondern an den unterschiedlichen Stationen auch mit dortigen Kulturschaffenden bereichert und weiterentwickelt werden.
So auch die große Gedanken-Ausstellung „Critical Zones“, die die beiden inzwischen verstorbenen Kuratoren Bruno Latour und Peter Weibel 2020 entwickelt hatten, und die danach fragte, wie der Planet Erde ein lebenswerter Ort für Menschen, Tiere und Pflanzen bleiben kann und welche Rolle die Kunst dabei spielen kann.
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