Ausstellung in Neustadt an der Weinstraße

„Mischkonsum“ von Dominik Schmitt in der Villa Böhm

Dominik Schmitt eröffnet mit „Mischkonsum“ das Ausstellungsjahr im Kunstverein Neustadt an der Weinstraße. Der 43-Jährige erschafft mit Stift, Pinsel, Sprühdosen, Kleber und Papier Collagen, die den Betrachter nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich herausfordern. 2012 erzielte er mit einer Ausstellung einen Besucherrekord in Neustadt.

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Stand

Von Autor/in Imogen Voth

Chaotisches Triptychon mit Deutschlandflagge

Die Kunst von Dominik Schmitt ist nichts für Eilige. Beim Betrachten seiner Bilder ist Ruhe und Konzentration gefragt. Schließlich gibt es viel zu entdecken. Das größte von allen gezeigten Kunstwerken erinnert an ein riesiges Triptychon, über dessen Mitte in großen Lettern „Chaos regiert“ steht.

Dominik Schmitt
"zwischenzeit" 2025, Mischtechnik auf Leinwand Imogen Voth

Als Hintergrund hat er eine Deutschlandflagge gemalt, die bereits einen Riss hat. In der Mitte sitzt ein hinduistischer Gott mit Tigerkopf, der für die kosmische Ordnung zuständig ist. Um ihn herum tobt das Chaos, teils gemalt, teils collagiert.

Da sieht man einen Benzinzapfhahn, die Waagschalen der Justitia, Porträts und Worthülsen von Politikern. Die Seitenflügel sind beschriftet mit „Alles für uns“ und „Alles für alle“. Ein überbordendes Kunstwerk, das ein Spannungsfeld aufbaut und gleichzeitig bissigen Humor offenbart.

Dominik Schmitt: „Ich bin ein Typ, der sich in den meisten Situationen des Lebens schwer entscheiden kann. Und so ist es auch in der Malerei und in der Kunst. Deswegen nehme ich einfach alles zusammen und kombiniere ganz viele verschiedene Techniken miteinander. So hat sich letztendlich ein Durcheinander entwickelt.“

„Mischkonsum“ ist typisch für Dominik Schmitt

Die Farben seiner Bilder wirken gedämpft, die Inhalte sind verwirrend. Der Titel der Ausstellung „Mischkonsum“ stehe für seinen künstlerischen Entwicklungsprozess, erklärt Dominik Schmitt.

Dominik Schmitt
"Ufo affe tod" 2026, Mischtechnik auf Leinwand Imogen Voth

Lange habe er sich thematisch mit Religionskritik beschäftigt, nun setze er sich mit Verschwörungsideologien auseinander, mit der Überlagerung von wissenschaftlichen Fakten durch „Fake News“.

Dominik Schmitt: „Was wirkt denn eigentlich gerade? Ist es das, was bewiesen ist, oder ist es das, was aus einer ideologischen Ecke kommt und eher zum Zweck der Verunsicherung gemacht ist? Diese Situation sehe ich in unserer Gesellschaft als riesiges Problem.

Für mich habe ich das Gefühl, ich muss da reinstechen, ich muss da ein bisschen rumwirbeln, ich muss die Leute ein bisschen schütteln, dass die mal anfangen nachzudenken und merken, dass da verschiedene Sachen durcheinander wirken.“

Mensch-Tier-Mischwesen

Dominik Schmitt kombiniert in seinen Bildern oft Menschen und Tiere zu einem Mischwesen. Immer wieder zeigt er dabei Organe und geöffnete Körper, ähnlich wie in einem biologischen Lehrbuch. Typisch für seine Arbeiten sind kleine Buchstaben und Zahlen, die auf eine Legende hinzuweisen scheinen, die es aber nicht gibt.

Dominik Schmitt
"kratztier" 2024, Mischtechnik auf Leinwand Imogen Voth

Dominik Schmitt: „Was mich gestört hat, war die Tatsache, dass viele Leute meine Bilder eher lesen und von oben nach unten durchgehen und versuchen, den Inhalt zu erschließen. Ich möchte aber, dass sie selber nachdenken, weil das ja der Kern von Kunst ist.

Und so hat sich diese Beschriftung dann immer mehr zurückgebildet zu Symbolen, zu einzelnen Buchstaben, einzelnen Zahlen und das ist das, was davon übriggeblieben ist.“

Mehr Fragen als Antworten

Um eindeutige Botschaften geht es ihm nicht. Der Betrachter müsse genau hinschauen und das finden, was für ihn selbst wichtig sei, sagt der Künstler. Er sei nämlich nur der Filter, der Dinge aufnehme und sie wieder auf die Leinwand projiziere: „Die Leute sollen, wenn sie aus der Ausstellung rausgehen, mehr Fragezeichen im Kopf haben, als sie haben, wenn sie reingehen.“

Dominik Schmitt
Schichtkäfer von 2022, Mischtechnik auf Leinwand Imogen Voth

Dominik Schmitt hat eine ganz eigene Handschrift entwickelt. Seine Kunst provoziert und fordert die Besucherinnen und Besucher. Aufgewühlt und vielleicht auch mit einem Schmunzeln im Gesicht verlässt man die Ausstellung. Fazit: Unbedingt sehenswert.

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