Elternhaus zum Museum ausgebaut
Das ehemalige Elternhaus von Anselm Kiefer liegt mitten im beschaulichen Ottersdorf. Kein Straßenschild weist auf das Museum hin, über der Tür prangt nur ein schlichter Schriftzug: „Haus Kiefer“. Der Künstler hat es vor einiger Zeit schon gekauft, grundlegend restauriert und zu einem Museum umgebaut.
Die Eröffnung war im vergangenen Frühjahr. Von Anfang an war das Publikumsinteresse groß, sagt Christoph Kunz, der die Besucherinnen und Besucher durch das Kleinod führt.
„Die Leute finden uns und sie kommen auch teilweise von weit her“, erzählt Kunz. „Deswegen bieten wir unsere Erläuterungen, die wir zu den Ausstellungen bereitstellen, auch auf Deutsch, Englisch und Französisch an.“
27 Aquarelle und großformatige Bücher
Bis vor kurzem war noch die erste Ausstellung mit Frühwerken von Kiefer zu sehen. Jetzt wurde eine neue konzipiert, mit 27 Aquarellen und sechs großformatigen Büchern. Die Auswahl der Werke und die Hängung in den einzelnen Räumen des ehemaligen Wohnhauses hat der Künstler selbst übernommen.
Im Obergeschoss befinden sich einige größere Aquarelle, die sich mit zwei wichtigen Themen des Künstlers, Alchemie und Mystik, beschäftigen und mit ihren hellen Farben und der fast duftigen Leichtigkeit überraschen.
Aquarell-Malerei ist eine schnelle Technik
„Das Interessante ist, dass Anselm Kiefer ja oft als der Meister der großformatigen Werke gilt, auf denen in vielen Schichten viele Materialien aufgetragen werden“, erläutert Christoph Kunz. Das ist hier ganz anders. Es geht um Aquarelle. Aquarell-Malerei ist eine Technik, bei der man sehr schnell arbeiten muss und bei der man keine Möglichkeit zur Korrektur hat. Das ist auch immer mit Überraschungen verbunden.“
Doch gerade das hat Anselm Kiefer an dieser Technik gereizt. Und so verschwimmen zum Beispiel bei den Landschaftsbildern die Farben so ineinander, dass man die Wasserflächen kaum vom Himmel unterscheiden kann.
Bei den kleinformatigen Landschaftsbildern im Erdgeschoss hängt auch das Aquarell „Die Donauquelle“ von 1977. Es zeigt einen braun-schwarzen Fluss mit wenigen blauen Einsprengseln in einer weißen Winterlandschaft. Es ist eine Reminiszenz an Kiefers Geburtsort Donaueschingen, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte.
Mischung aus Skulptur und Aquarell
Neben den Gemälden sind in der neuen Dauerausstellung im „Haus Kiefer“ auch großformatige Bücher zu sehen. Im Grunde eine Mischung aus Skulptur und Aquarell. Das Buch „Wer jetzt kein Haus hat“ bezieht sich auf das Rilke-Gedicht „Herbsttag“ und wurde bisher noch nie öffentlich gezeigt, erklärt Christoph Kunz.
„Wir sehen hier das Deckblatt. Die Seiten sind mit Gips bezogen. Dieser wird zunächst leicht eingefärbt, solange er noch feucht ist, dann wird auf diese Gipsseite aquarelliert. Wir sehen hier die bunten Blätter, wie sie im Wind taumeln, sich bewegen, so wie der Mensch, der, wenn er im Herbst kein Haus hat, unruhig und einsam durch die Welt geht.“
Das Buch hat sechs Doppelseiten. Im Original darf man natürlich nicht blättern, aber dafür liegen zu jedem der Bücher hochwertige Kopien in Ordnern aus, in denen man die übrigen Seiten betrachten kann.
Die kleine Ausstellung im „Haus Kiefer“ überrascht mit weniger bekannten Facetten des Künstlers. Und schafft durch den biografischen Bezug im ehemaligen Elternhaus eine ganz besondere, fast intime Atmosphäre.
Das neue Haus Kiefer in Rastatt
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