Ausstellung in Backnang

So zeichnete Grafikdesigner Heinz Edelmann den Beatles-Film „Yellow Submarine”

Heinz Edelmann erfand den Look des Beatles-Films „Yellow Submarine”. Er schuf das Cover von Tolkiens „Herr der Ringe”. Das Graphik-Kabinett Backnang zeigt 100 Werke des legendären Grafikdesigners.

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Von Autor/in Andreas Langen

Genervte Auftraggeber von Heinz Edelmann: die Beatles

Im Frühsommer 1967 wurde der Düsseldorfer Grafiker Heinz Edelmann von einem neuen Kunden nach London gerufen. Es ging um einen Film. Vor Ort stellte sich heraus, dass die potentiellen Auftraggeber eher genervt waren. Sie mussten einen Vertrag erfüllen. Dabei passten Filme eigentlich nicht so ganz in ihr Metier. Es waren - die Beatles.

v.l.: George Harrison (hinten), Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr, 1968
Waren genervt, posierten 1968 aber dennoch mit ihren Edelmann-Doppelgängern: Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr, hinten George Harrison. Courtesy Everett Collection

„Die Beatles wollten gar nichts mit diesem Film zu tun haben, die waren es satt, erzählt Valentine Edelmann, die Tochter des Grafikers. „Die wollten nur zu ihrem Maharishi und in Ruhe gelassen werden. Und die dachten, wie kommen wir jetzt weg von diesem Film?”

Und doch war ihr Vater Heinz Edelmann bei den lustlosen Beatles in London der passende Profi für eine Sorte Film, die ohne Protagonisten vor der Kamera auskommt: Zeichentrick.

Buchcover „The Beatles - Yellow Submarine“, 2004.
Selbst ein Kinderbuch wurde 2004 noch aus den Filmbildern von Heinz Edelmann: „The Beatles - Yellow Submarine“ dpa | Subafilms_Ltd.

„Yellow Submarine“ passte perfekt in die 60er-Jahre

Heinz Edelmann kreierte den surreal überdrehten, poppig bunten Look von „Yellow Submarine“, perfekt für den psychedelischen Zeitgeist der späten 1960er-Jahre. „Yellow Submarine” war der erste abendfüllende Trickfilm für Erwachsene überhaupt, und er war ein Erfolg an den Kinokassen.

Das allerdings nur wegen der Beatles. Als sich Heinz Edelmann und andere Grafik-Profis an Folgeprojekten versuchten, erlebten sie Flops.

Heinz Edelmann im Studio an der Arbeit an Yellow Submarine, Soho, London, 1968
1968 arbeitete Heinz Edelmann in einem Studio in Soho an „Yellow Submarine“. © Chad Hall

„Er ist zurück nach Deutschland und hat wieder Buchumschläge und Plakate gemacht, und wollte auch von diesem ganzen Stil weg. Er ist nach Hause gekommen und hat gesagt: So, das war jetzt genug Flower Power für ein Leben“, schildert Valentine Edelmann.

Ikonische Edelmann-Reihe: „Der Fantastische Film“ im ZDF

Kuratorin Simone Scholten deutet in der Ausstellung auf gruselige Köpfe, die sich in Monster, Roboter oder Raketen verwandeln, Edelmann-Zeichnungen aus dem ikonischen Trailer der ZDF-Reihe „Der Fantastische Film“.

Diese „Mischung aus Science-Fiction, Horror und auch Trash-Film“ werde im Filmtrailer sehr schön zusammengeführt.

Heinz Edelmann: Storyboard zu „Der phantastische Film“
Zur ZDF-Filmreihe „Der phantastische Film“ der 1970er- und und 80er-Jahre entwickelte Heinz Edelmann ein Storyboard. Pressestelle Heinz Edelmann Archiv

Der schwarze Humor von Heinz Edelmann blitzt auf vielen Blättern durch. Er macht sich lustig über Beuys, den Panzerkreuzer Potemkin, Zeitungsschlagzeilen und Literaturkritik. Souverän schwimmt er zugleich mit im medialen Haifischbecken. Das liegt vor allem an der grandiosen Qualität seiner Handzeichnungen. Jeder Strich sitzt.

Heinz Edelmann wollte mehr sein als ein Illustrator

Valentine Edelmann warnt jedoch: „Er wäre sehr beleidigt gewesen, wenn man ihn Illustrator geschimpft hätte. Er hat sich als Grafikdesigner gesehen und hat an die 2.000 Buchumschläge für Klett gemacht. Typografie war seine große Liebe. Konzept und das Bild und die Typo, also das ganze Paket.“

„Panzerkreuzer Potemkin“. Die Vollwert-Fassung. Freie Arbeit für ein eigenes Comic Projekt. Unveröffentlicht, 90er Jahre
In vielen Arbeiten zeigt Heinz Edelmann seinen schwarzen Humor. Die Zeichnung „Panzerkreuzer Potemkin. Die Vollwert-Fassung!“ war eine Arbeit für ein eigenes Comic-Projekt aus den 90er Jahren und wurde nicht veröffentlicht. Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Heinz Edelmann: Vergessene Botschaften des Einwickelpapiers: Nachleselust, April 1985
„Vergessene Botschaften des Einwickelpapiers: Nachleselust“. Zeichnung von April 1985 für das Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Heinz Edelmann: Vergessene Botschaften des Einwickelpapiers: Nachleselust, 1985
Auch ein Zitat von Ludwig Wittgenstein taugte Edelmann für seine Satiren. Eine weitere Folge der „Vergessenen Botschaften des Einwickelpapiers“ im FAZ-Magazin, ebenfalls von 1985. Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Heinz Edelmann: Der Fleck und seine Entfernung, 1992
Selbst aus seinem vollgeklecksten Papier machte sich der Grafikdesigner einen Spaß: „Der Fleck und seine Entfernung“ für das FAZ-Magazin, im November 1992. Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Illustrationen von Heinz Edelmann
Viele der Illustrationen von Heinz Edelmann zeigen sein Faible für Figuren, die subtil zwischen Comic, Science-Fiction und Horror angesiedelt sind. Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
v.l.: Paul McCartney, Ringo Starr, George Harrison und John Lennon, 1968
Ikonisch wurden die Beatles von Heinz Edelmann: Paul McCartney, Ringo Starr, George Harrison und John Lennon, 1968. Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen

Diese Komplexität ist am besten zu erkennen bei Edelmanns Buchumschlägen für literarische Reihen. Der Vielleser arbeitete für Luchterhand, Hanser, Fische und Klett-Cotta. Mit dem Verleger Michael Klett verband ihn eine enge Freundschaft.

Edelmann wohnte jahrelang gleich am Verlagshaus im Stuttgarter Westen. Er designte die Cover für tausende Bücher, darunter auch Mega-Seller wie „Herr der Ringe“.

Gute Grafik braucht gute Auftraggeber

Doch solche Einträge in die Geschichtsbücher der Populärkultur brauchen günstige Rahmenbedingungen. Die allerdings gebe es heute kaum noch, sagt Valentine Edelmann.

„Mein Vater hat im Grunde in seinem ganzen Leben nur vier Kunden gehabt“, sagt Edelmann. Kaum ein Grafiker erlebe heute ein derart lange währendes Vertrauen. „Gute Grafik braucht auch gute Auftraggeber, die daran glauben.“

Phänomen Modenschau „Catwalk – The Art of the Fashion Show“ im Vitra Design Museum

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt eine Ausstellung über 100 Jahre Modegeschichte auf dem Laufsteg: von den intimen Anfängen in Paris bis zu den Megashows von heute.

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Autor/in
Andreas Langen
Andreas Langen, Autor und Redakteur, SWR Kultur