Entertainer der Upper Class in Tel Aviv
Y. und seine Partnerin Jasmine sind Entertainer. Bei ausschweifenden Partys der Upper Class in Tel Aviv pushen sie die Stimmung mit schrillen Performances übers Limit. Wenn es sein muss, erfüllen sie auch sexuelle Gefallen.
Dabei träumen sie eigentlich davon, als ernsthafte Künstler wahrgenommen zu werden. Als Y. im Zuge des Gaza-Kriegs von einem reichen Russen den Auftrag bekommt, eine neue Hymne für Israel zu komponieren, scheint das Ende ihres prekären Lebens in Reichweite.
Verlockung des russischen Oligarchen
Der martialische Text, den Y. vertonen soll, feiert die vollständige Zerstörung Gazas. Y. kümmert das wenig. Zu verlockend ist das große Geld. Und von moralischen Prinzipien hat er sich sowieso schon lange verabschiedet.
Die wichtigste Botschaft, die er seinem kleinen Sohn mitgibt: Es gibt nur zwei Wörter auf der Welt, „Ja“ und „Nein“. Wie der Filmtitel „Yes“ andeutet, hat er sich entschieden, ein Ja-Sager zu werden, weil es das Leben so viel einfacher macht.
Was mit einem „Ja“ zum angenehmen Leben in Tel Aviv beginnt, endet mit einem „Ja“ zur Zerstörung Gazas. Diese Entwicklung führt der israelische Regisseur Nadav Lapid am Beispiel seines passiven Protagonisten vor.
Regisseur Nadav Lapid klagt an
Sein Film ist laut, wütend, widerständig, schräg, überdreht. In grellen Farben zeichnet er das Bild einer militarisierten Gesellschaft, die unempfänglich geworden ist für das Leid, das der Krieg verursacht. Hier haben Dialog, Zweifel und Kritik seiner Ansicht nach kaum noch Platz.
Lapid, der selbst seit Jahren in Frankreich lebt, geht hart ins Gericht mit seinen Landsleuten. Dem Trauma des 7. Oktober gibt er in einer starken Szene zwar auch Raum. Doch sein Fokus liegt auf der israelischen Reaktion auf den Terrorangriff. Dass der Gaza-Krieg von einem Großteil der Gesellschaft unterstützt wurde, empfindet er als moralischen Abgrund.
Blutrünstige Hymne ist real
„Yes“ ist eine hochtourige Satire, und doch ist vieles, was einem überzeichnet vorkommt, real. So handelt es sich bei der blutrünstigen Hymne des Films um den „Friendship Song“ von 2023, herausgegeben von der nationalistischen Organisation „The Civil Front“.
Nicht einmal, dass dieser Song zur Unterstützung der Armee von einem Kinderchor dargeboten wird, ist erfunden.
Schwere Themen in leichter Verpackung
So schwer die Themen sind, die Lapid verhandelt, so leicht ist überraschenderweise die Form, die er dafür wählt. In der ersten Hälfte fühlt sich „Yes“ mit den rasanten Musik- und Tanzeinlagen fast wie ein Musical an. Und vielleicht hat Lapid ja doch noch einen Funken Hoffnung, wenn schon nicht für die Gesellschaft als Ganzes, so doch für den Einzelnen.
Am Ende entscheidet sich Y. jedenfalls für die Liebe und verlässt Israel zusammen mit Jasmine und Noah. Ein kleiner Lichtblick auf der Suche nach Erlösung in einer Welt, die davon gerade wenig anzubieten hat.
Trailer „Yes“ – ab 13.11. im Kino
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