Fake News wie bedrohliche Waffe
Es war eigentlich ein Gefühl der Ohnmacht, das Nessi Nezilla dazu gebracht hat, die Installation „Inavasion“ zu erarbeiten.Doch anstatt zu resignieren, stürzte sich die Künstlerin in die Recherche zum Thema Fake News. Wer setzt sie wie mit welchem Ziel in die Welt?
Nessi Nezilla hatte dabei immer mehr das Gefühl von einer bedrohlichen Waffe, die auf tausend verschiedenen Wegen die Gesellschaft infiltriert – leise, fast unbemerkt. Wie Ameisen, die wir ja auch selten wahrnehmen und als eher harmlos betrachten. Aber schaut man ihre Ameisen genauer an, sieht man, dass deren Körper aus einer Patronenhülse besteht.
Ameisen aus dem 3D-Drucker
Patrone, Fühler und Beinchen der Ameisen enstammen einem 3D-Drucker, und so sehen die 1000 Ameisen dadurch exakt gleich aus. Sie sind etwa 15 Zentimeter groß und sind – wie eine Armee – im Atrium des Mannheimer Museums in Reih und Glied durchnummeriert und aufgestellt.
Es gibt nur ganz kleine Abweichungen – nicht, dass einzelne Exemplare aus der Reihe tanzen würden – aber immerhin stehen manche absichtlich ein bisschen schräg. Und dann ist da noch die fast ein Meter große, aber ansonsten gleich gestaltete Königin, die am Kopfende ihrer Armee steht, als wollte sie gerade Befehle geben.
„Die Ameisen funktionieren auch ohne die Ameisenkönigin“ kommentiert Nessi Nezilla ihre Installation und zieht eine Analogie zu den Fake News: „Wir reden ja heute auch von KI-generierten Falschmeldungen, also müssen die Falschmeldungen gar nicht mehr von Personen gesteuert sein.“
Museen sind Ort der Glaubwürdigkeit
Der Direktor der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, Wilfried Rosendahl, verfolgt Nessi Nezillas künstlerische Arbeit schon länger. Er war von ihrer neuen Installation zum Thema Fake News sofort fasziniert und wollte sie unbedingt in seinem Museum zeigen, gerade weil Museen als Orte der Glaubwürdigkeit gelten.
Es ist nicht die erste Arbeit, die Nessi Nezilla in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim zeigt. Im Garten des Zeughaus-Museums steht eine ihrer „Paperbombs“. Eine Skulptur aus weiß lackiertem Aluminium. Entstanden ist sie aus der Beschäftigung mit dem Atombombenabwurf auf Hiroshima.
Ein weiteres Exemplar ihrer „Paperbombs“ steht derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Auch wenn ihr Künstlername Nessi Nezilla so spielerisch klingt, ihre Kunst soll auf keinen Fall harmlos oder dekorativ sein.
Aus ihrer Beschäftigung mit dem Thema Fake News ist zusammen mit Wilfried Rosendahl, dem Generaldirektor der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, ein aufwendiges Buchprojekt entstanden – und ein kleines Spiel fürs Smartphone. Darin wird ein stilisiertes menschliches Gehirn von den Ameisen aus ihrer Kunstinstallation, also Fake News, attackiert, ausweichen ist zwecklos – und gewinnen kann man leider auch nicht.
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