Bilder, die an historische Postkarten erinnern
Der Mont Saint-Michel, die Felsen von Étretat oder Flussansichten an der Loire – Elger Essers Markenzeichen ist die historische Landschaftsfotografie. Seine Bilder wirken extrem poetisch und lassen einen an die impressionistische Malerei des 19. Jahrhunderts denken.
Bis heute inspiriert ihn die französische Literatur immer wieder zu neuen Bildern: „Die großen realistischen Erzählungen des 19. Jahrhunderts gehen ja parallel zur Erfindung der Fotografie. Und das fand ich schon immer spannend“, sagt er im Interview mit SWR Kultur.
Den Bezug zu Frankreich, zum Land selbst und zur Kultur, hat er durch seine französische Mutter. Elger Esser wurde 1967 in Stuttgart geboren und wuchs in Rom auf. In seinem Elternhaus erhielt er viele kreative Impulse: Der Vater war Schriftsteller, die Mutter Pressefotografin.
Die Kunst ist keiner Wahrheit verpflichtet.
In seiner Fotokunst möchte Esser Emotionen transportieren, etwas, was auf den Bildern nicht konkret zu sehen ist: „Eine Sehnsucht, eine Trauer, eine Möglichkeit, eine Vergangenheit.“ Die Unterscheidung zwischen künstlerischer und beschreibender Fotografie hält er deshalb für sehr wichtig.
KI ist für den Künstler Elger Esser keine Bedrohung
Das Thema Künstliche Intelligenz und Kunst sieht Elger Esser sehr entspannt. Die KI könne Bilder erzeugen von Dingen, die noch nie dagewesen seien, sie könne neue Wirklichkeiten erschaffen. Das sei vor allem für die Nachrichtenwelt eine Bedrohung, sagt er.
Man sieht ja jetzt schon in der Presse viel zu viele KI-Fälschungen.
Für sein Metier gelten seiner Ansicht nach andere Regeln: „Die Kunst ist keiner Wahrheit verpflichtet." Insofern sei die KI in der Kunst wie ein neues Werkzeug. Man müsse wissen, wie man sie benutzt. „Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass es eine Gefahr für die Kunst darstellt oder für den Künstler.“
Ist Fotografie heute etwas anderes als früher?
Bereits vor 20 Jahren habe es wegen möglicher Manipulationen eine Diskussion um die Digitalfotografie und die Bildbearbeitung gegeben. Man müsse überlegen, ob die Gesetze oder die Vorstellung von dem, was Fotografie ist, noch gültig seien. Oder ob Fotografie mittlerweile etwas ganz anderes geworden sei.
Das Spannende und wirklich Neue an der KI ist für Elger Esser, dass sie Erinnerungen erfinden kann, obwohl sie keine Vergangenheit hat. Doch den Genuss von besonderen Momenten im Leben könne keine KI simulieren, so Elger. Dazu gehörten das persönliche Gefühl, die persönliche Erfahrung und das, was man zur eigenen Erinnerung mache.
Ich glaube nicht, dass die KI persönliche Erinnerungen ersetzen kann.
Für die kommerzielle Nutzung von KI fordert Elger Esser eine Kennzeichnungspflicht, vor allem für die Presseberichterstattung. Ganz anders hingegen sein Blick auf die Kunst: „Die Kunst ist eigentlich die letzte Freiheitsinsel. Die ist sicherlich bedroht.“
Egal ob Joseph Beuys oder Marcel Duchamp – bislang habe jeder Kunst-Skandal die Welt toleranter, verständnisvoller, neugieriger und auch freudiger gemacht. „Insofern sollte man keine Angst vor KI haben. Sie wird sicherlich viele Arbeitsplätze bedrohen, aber es werden sicherlich auch neue Arbeitsplätze entstehen.“