Klimakatastrophe, Ressourcen-Knappheit, Kriege – globale Krisen sind allgegenwärtig. Da scheint es nur folgerichtig, dass sich die Menschheit nach alternativen Lebensräumen außerhalb der Erde umschaut. Ein Phänomen, das nicht neu ist.
So fürchtete man zum Beispiel 1910, dass der Halleysche Komet mit der Erde kollidieren könnte. Das weckte nicht nur Ängste, sondern auch Sehnsüchte, die sich in der Kunst widerspiegelten.
Die Ausstellung „Zu den Sternen!“ im Arp Museum Rolandseck zeigt, wie der Weltraum in den letzten 100 Jahren zur Projektionsfläche für die Bildende Kunst wurde. Darunter auch Positionen, die die unbegrenzten Möglichkeiten der Raumfahrt kritisch sehen.
Den künstlerischen Blick ins All gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. Dazu fünf unterschiedliche Beispiele:
Voltaire
Jules Verne
David Bowie
Ridley Scott
Katy Perry
Voltaires „Micromégas“
Die philosophische Erzählung „Micromégas“ zählt zu den frühen Vorläufern der Science Fiction-Gattung. Der große französische Aufklärer Voltaire (1694-1778) erfand darin die Figur eines überdimensionierten Sirius-Bewohners namens Micromégas und stellte ihm einen etwas kleineren Saturnianer zur Seite.
Die beiden Außerirdischen besuchen die Erde und sehen zunächst nichts, denn aus ihrer Perspektive sind die dortigen Lebewesen winzig. In Form einer Satire kritisiert Voltaire die menschliche Selbstüberschätzung: Sie sind zwar begabte Naturwissenschaftler, können aber nicht erklären, was sich hinter dem Begriff der Seele verbirgt.
Jules Vernes Mondreisen
Jules Verne gilt als einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur. Unter seinen mehr als 60 Reise- und Abenteuerromanen findet sich auch der Titel „De la Terre à la Lune“ (Von der Erde zum Mond) von 1865. In dem Buch geht es hauptsächlich um die Vorbereitungen einer Mondexpedition, die mit einer eigens entwickelten Kanone gelingen soll.
1870 veröffentlichte Verne die Fortsetzung „Autour de la Lune“ (Reise um den Mond). Die Besatzung der Kanone, drei Männer und zwei Hunde, verfehlt den Mond und gerät in dessen Umlaufbahn. Eine Begegnung mit außerirdischem Leben gibt es nicht, dafür jede Menge technische und wissenschaftliche Details.
David Bowies „Space Oddity“
„Ground control to Major Tom...“ – mit dieser formelhaften Textzeile beginnt David Bowies legendärer Song „Space Oddity“ von 1969. Das Lied handelt von der Astronauten-Figur Major Tom, die ins All geschossen wird und langsam den Kontakt zur Bodenstation verliert.
Die Inspiration für den Song erhielt Bowie durch Stanley Kubricks Film „2001: A Space Odyssey". Er veröffentlichte die Single kurz vor der Mondlandung von Apollo 11. Die BBC spielte den melancholischen Song ohne Happy End jedoch erst im Radio, als die Mond-Crew wieder wohlbehalten auf der Erde gelandet war.
Ridley Scotts „Der Marsianer"
Der britische Filmemacher Ridley Scott prägte das „Weltraum-Kino“ wie wir es heute kennen, maßgeblich. Das All ist für ihn Schauplatz für düstere, klaustrophobische Science-Fiction Visionen wie in dem Film Klassiker „Alien“ von 1979 oder „Prometheus“ (2012).
Bei Scott liefert das All Raum für Fragen nach Ordnung, Überleben, Herkunft und dem Unbekannten. Aus künstlerischer Perspektive ist das All bei Scott weniger romantische Ferne als Projektionsfläche für menschliche Grundkonflikte.
Das Weltraumdrama „Der Marsianer“ von 2015 nimmt in Bezug auf Ridley Scotts Weltraumbesessenheit eine Sonderrolle ein: Im Vergleich zu seinen erschütternden Dystopien der Vergangenheit wirkt der Film um den Astronauten und Botaniker Mark Watney (Matt Damon), der nach einem Unfall auf dem Mars zurückgelassen wird, fast optimistisch.
Scott selbst bezeichnet seinen Film als „Liebesbrief an die Wissenschaft“, weil der Protagonist mit wissenschaftlichem Verstand und Solidarität auf dem Mars überleben kann. Auch wichtig: eine Portion Humor. Scott arbeitet für den Film mit der NASA und setzt für den Film auf einen rationaleren, ja fast aufklärerischen Blick auf das All.
Katy Perry als Weltraum-Touristin
„They don't understand you. You're from a whole 'nother world. A different dimension.“ singt Popstar Katy Perry 2011 über eine Liebe, einen Geliebten, der „nicht von dieser Welt ist“.
Dann 2025 das mediale Großereignis: Katy Perry hebt ab, elf Minuten Kurztrip ins All mit vier anderen Frauen in einer Rakete von Jeff Bezos.
In der Schwerelosigkeit singt sie – natürlich: „What a wonderful world“. In der Kapsel ist es leider so laut, dass man sie nicht hört. Aber das emotionale Celebrity-Event als große PR-Aktion für den kommerziellen Weltraumtourimus verfehlt seine Wirkung nicht. Die Welt diskutiert über die Ökobilanz und den Sinn solcher Flüge in den Sehnsuchtsraum Weltall.
Und so schließt sich der Kreis, was in Jules Vernes Romanen noch Traum Science-Fiction Welten waren, ist heute Realität.