Subversive Schafe und starke Anti-Heldinnen

Das Museum Tomi Ungerer in Straßburg zeigt Werke des französischen Zeichners F‘murrr

F’murrr, der mit bürgerlichem Namen Richard Peyzaret hieß, hat ein breitgefächertes Werk geschaffen: von gesellschaftspolitischen Karikaturen für große Zeitungen über humorvolle Neufassungen von Märchen bis hin zu subversiven Comic-Figuren. Das Museum Tomi Ungerer in Straßburg zeigt eine große Werkschau des Künstlers, ergänzt durch grafische Kommentare der Zeichnerin Camille Potte.

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

F‘Murrrs Comics: Kritisch, subversiv, anarchisch und immer humorvoll

Der ewig hungrige, klapperdürre Wolf, dem der Speichel aus dem Mund läuft, die gar nicht so dummen Schafe und natürlich die dicken Bischöfe, die immer wieder in ihren Kirchen auf Leitern steigen, um Jesus am Kreuz die Haare abzuschneiden – Figuren, die wiederholt im Werk des Comiczeichners und Autors F‘murrr auftauchen.

Seit den 1970er-Jahren hat er unzählige Comics in Zeitungen, Zeitschriften und Alben veröffentlicht: Kritisch, subversiv, anarchisch und immer humorvoll, sagt Elisabeth Walter vom F‘Murrr-Stiftungsfonds:

„Es gibt etliche Bezüge zu zeitgenössischen Themen, aber sein Werk bleibt auch heute noch zugänglich und er ist einfach extrem lustig. Ich kenne viele Leute, die heute noch seitenweise aus F‘murrr-Comics zitieren können, die sie schon als Jugendliche gelesen haben und jetzt immer noch lieben. Und man entdeckt immer neue Anspielungen, Bezüge und Details. Da steckt so viel drin!“

Tiere spielen in F'murrs Werk eine große Rolle

Und tatsächlich macht es großen Spaß, auf den gezeigten Originalen die kleinsten Details zu betrachten. Besonders natürlich auf den Zeichnungen mit seinen Schafen mit den verrückten Namen und ihrem trotteligen Schäfer.

F’murrr hat 14 Bände von „Le Génie des Alpages“ herausgegeben – auf Deutsch unter dem Titel „Alpträume“. Tiere spielen in seinem Werk eine große Rolle, betont Anna Sailer, die Kuratorin der Ausstellung und Direktorin des Museum Tomi Ungerer in Straßburg.

„Aber man muss verstehen, dass die Tiere weder Tiere noch Menschen sind“, erklärt Anna Sailer. „Das ist eine große Freiheit. Deswegen haben sie einen anderen Humor, einen anderen Sarkasmus und sind in ihren ganzen Handlungsspielräumen manchmal die interessanteren Protagonisten.“

Camille Potte kommentiert F'murrrs Comics mit weiblichem Blick

Die Zeichnerin Camille Potte hat die Schafherden von F’murrr schon als kleines Mädchen geliebt. Überhaupt hat sein Werk ihr Arbeiten stark beeinflusst, sagt die junge Künstlerin. Sie wurde vom Museum eingeladen, immer wieder kleine zeichnerische Interventionen und Kommentare zum Werk ihres Kollegen zu machen.

Natürlich ist ihr Blick als junge Frau ein anderer, und das thematisiert sie auch. F’murrr hatte eine Serie mit Frauenfiguren aus dem Pariser Alltag begonnen. Camille Potte versammelt all diese Frauen auf einem Wandgemälde und lässt sie sich in ihren Sprechblasen über den männlichen Blick lustig machen.

Naphtalène – eine junge Frau, die meistens schlechte Laune hat

Aber F’murrr hat nicht wie viele andere seiner Kollegen sexistische Zeichnungen angefertigt. Er hat, im Gegenteil, starke Frauenfiguren geschaffen. So wie seine Anti-Heldin Jehanne D’Arque – eine humorvolle Neufassung der Geschichte der Nationalheldin Jeanne d’Arc. Und da wäre noch Naphtalène, die die Zeichnerin Camille Potte sehr verehrt

„Es ist wirklich eine tolle Figur“, schwärmt sie. „Eine junge Frau, die allein im Naturhistorischen Museum lebt und extrem viele Zigarren raucht. Meistens hat sie schlechte Laune.

F‘murrr erzählt mit Naphtalène keine Geschichten im herkömmlichen Sinne, da gibt es keine Spannungsbögen. Es ist eher, wie wenn man die Tür zum Museum aufmacht und sie einfach beobachtet. Man muss auch nicht immer alles verstehen, was da passiert. Ich mag diese Figur sehr!“

Aber F’murrr hat durchaus auch ernste Themen bearbeitet: Umweltzerstörung, Kritik am Klerus und am Krieg. 1987 hat er einen Comic über den Afghanistan-Krieg herausgebracht, der immer wieder zwischen schwarzem Humor und Betroffenheit schwankt – und gerade in unserer jetzigen Zeit leider wieder von großer Aktualität ist.

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Marie-Dominique Wetzel