Eine smarte Betrugsgeschichte
Das Theaterstück „Weiße Turnschuhe“ scheint Jochen Busse wie auf den Leib geschneidert zu sein: Er mimt den sehr agilen Rentner Günther, der trotz seiner 75 Jahre kein Problem hat, seine Wohnung im fünften Stock zu erklimmen. Er ist fit, kerngesund und voller Lebensenergie.
Doch sein Sohn Kai hat sich verschuldet und sucht nach neuen Einnahmequellen. Darum kommt er auf die Idee, die „Pflegestufe 4“ für seinen Vater zu beantragen, um das Pflegegeld zu kassieren. Mit der Prüferin der Krankenkasse gewinnt die Geschichte ihre ganz eigene Dynamik.
Dreimal täglich 48 Stufen – Für Jochen Busse kein Problem
Treppensteigen ist für den Schauspieler ein tägliches Brot. Er wohnt zwar nicht im fünften, aber doch immerhin im dritten Stock. Trotz seiner 85 Jahre kommt er mit dieser Herausforderung klar. Er sei von Natur aus recht gelenkig, meint Jochen Busse, der schon sein halbes Leben regelmäßig Yoga betreibt.
Abgeguckt hat er das übrigens von den Beatles, die nach ihrem Aufenthalt in Indien Meditation und Yoga mit nach Hause gebracht haben. Bis zu seinem achtzigsten Lebensjahr habe er jede Übung mit einem Kopfstand beendet, berichtet Jochen Busse, der auf der Bühne gekonnt den Hula-Hoop-Reifen schwingt – auch etwas, was der Schauspieler seit Jahrzehnten trainiert.
„Leute zum Lachen zu bringen, ist das Schönste, was man machen kann“
In diesem Jahr erst ist Jochen Busse 85 geworden. Das sei so eine Grenze, gibt er zu, da spüre auch er sein Alter. Trotzdem geht für ihn die Bühnenarbeit selbstverständlich weiter. Weil es Spaß mache, und um die Leute zum Lachen zu bringen. „Als wenn man ein Wunderdoktor wär“, meint der Schauspieler, der bei seinen Auftritten aber immer noch mit Lampenfieber zu kämpfen hat.
Seine Paraderolle ist der Typ des bürgerlichen Spießers, der etwas arrogante Chef des kleinen Mannes. Das kam mir entgegen, sagt Jochen Busse und fügt noch schnell hinzu: „Ich bin privat, glaube ich, nicht so.“
Ein unverbesserlicher Optimist
1941 wird Jochen Busse mitten in den Krieg hineingeboren. Seine früheste Erinnerung verbindet er mit einem amerikanischen Soldaten, der ihm eine Orange geschenkt hat. Die habe er mit Schale gegessen: „Ich wusste gar nicht, wie man die isst!“ Auch an den Hunger dieser Tage erinnert sich der Schauspieler, der Blätter von Hecken gegessen hat. Aber er habe nicht gelitten, betont Jochen Busse. „Mein ganzes Leben lang bin ich immer positiv gestrickt“.
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