Dem Übernatürlichen widmen sich Museen selten, erst recht Kunstmuseen. Im Kunstmuseum Basel ist das anders: Eine Ausstellung zu Geistern ist dort „Dem Übernatürlichen auf der Spur“, wie es schon im Titel der Schau verrät. Zu sehen sind rund 160 Ausstellungsstücke vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Spielerischer Einstieg in die Welt der Geister
Merkwürdige Geräusche und flackerndes Licht schon im Treppenhaus: Schon der Einstieg in die Geister-Ausstellung des Basler Kunstmuseums ist spielerisch. Vorbei an einem Bildschirm, über den ein Zusammenschnitt von Gespensterfilmen à la „Ghostbusters“ flimmert, betritt das Publikum den ersten abgedunkelten Raum.
Blickfang ist eine Skulptur von Ryan Gender, der seine Tochter verewigt hat, verkleidet mit einem Betttuch über dem Kopf als Gespenst. Was in Wirklichkeit aus Marmor ist, sieht tatsächlich aus wie ein Tuch.
Es ist ein Motiv, das sich durchzieht, sagt Kuratorin Eva Reifert: „Dieses weiße Tuch ist natürlich ein ganz wirkmächtiges Element, aber natürlich auch die transparente Figur und dann gehören zu ordentlichen Geistern natürlich ganz oft Wolken und Nebel und nächtliche Atmosphäre.“
Nur Klamauk? Warum Geister die Kunst kaum bewegen
Das alles findet sich in den Gemälden im nächsten Raum, unter anderem bei einer „Hamlet“-Darstellung von 1808 von William Blake, der sich selbst zum Übersinnlichen hingezogen fühlte.
Das Thema „Geister“ spielt, sofern es sich nicht an literarische Vorlagen anlehnt, in der Kunstgeschichte eigentlich keine große Rolle. Eva Reifert glaubt zu wissen, warum sich namhafte Künstler damit kaum auseinandergesetzt haben.
„Unser Verdacht ist, dass es so ein bisschen noch mit der Aufklärung zu tun hatte“, erklärt Reifert, „die versucht hat, dieses Thema ein bisschen in den Volksglauben zu verweisen und dann zu sagen: Das machen ja doch nur die Dummen. So dass man eine intellektuelle Beschäftigung damit als halbseiden und nicht seriös empfand.“
Das habe sich so hartnäckig gehalten, dass alle Forschung zum Paranormalen in eine verdächtige Ecke gedrängt wurde, so Reifert, „weil's doch arg nach Zauberei und Klamauk aussah“.
Geisterfotografie: Ein Ferngespräch mit den Verstorbenen
Die „Geisterfotografie“ des 19. Jahrhunderts, also das angebliche Festhalten von Geistern oder Verstorbenen auf Fotos, stand bei der Idee zu der Ausstellung in Basel Pate. Diesem Thema widmet die Ausstellung einen ganzen Raum – mit vielen der kleinen historischen Fotos.
Als Experte in Sachen „Geisterfotografie“ hat Andreas Fischer vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg die Ausstellungsmacher beraten: Man sei zu einem Geisterfotografen wie zu einem normalen Porträtfotografen gegangen. Während man dort abgelichtet wurde, habe sich auf mysteriöse Weise während des fotografischen Aktes ein sogenanntes „Extra“ hinzuaddiert.
„Meist das Abbild eines verstorbenen Angehörigen“, erklärt Fischer. „Das liegt natürlich nahe, dass mit der Behauptung solcher Fotografien als echte Belege für ein Weiterleben nach dem Tod die Kritik einherging und Methoden vorgeführt wurden, wie sich solche Bilder fälschen lassen.“
Technischer Fortschritt förderte den Glauben ans Übersinnliche
Besonders ausgeprägt waren die Suche nach Sinn und dem Übersinnlichem einerseits und die wissenschaftliche Forschung zum Übernatürlichen andererseits im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das lässt sich an den Zeitumständen in Europa gut erklären.
„Die Religion ist auf dem Rückzug, parallel gibt's ungeheure soziale Verwerfungen“, erklärt Kuratorin Eva Reifert. „Es gibt technische Entwicklungen, die atemberaubend gewesen sein müssen, etwa die Erfindung der Telegrafie oder das Telefon.“
Die Menschen hätten es mitunter überhaupt nicht mehr merkwürdig gefunden, dass andere Menschen dachten, sie könnten mit dem Jenseits sprechen, meint Reifert. „Das ist eigentlich auch nur ein Longdistance-Call, wenn man so will.“
Zum Schluss lässt die Ausstellung die Zuschauer mit ihren Fragen allein
Zu Séancen und Trancezuständen hat auch der mit Basel eng verbundene Psychiater C.G. Jung (1875 - 1961) geforscht. Als in Jungs Esszimmer ein Messer unter unerklärlichen Umständen in vier Teile zerbrach, soll er das auf die Begabung seiner Cousine als Medium zurückgeführt haben.
Für Jung sind Geister letztlich die Sinnbilder innerer Konflikte aus dem Unterbewusstsein. Mit den Gedanken an solche und letzte Fragen lässt die Ausstellung ihr Publikum im letzten Raum dann übrigens allein. Der ist nämlich leer, ihn durchweht nur ein spürbar kühler Windhauch.
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