KI oder Fake? Die Kunstszene reagiert
Was ist echt, was ist KI? Wenn das vergangene Jahr eins gezeigt hat, dann, dass Wirklichkeit immer schwerer zu greifen geworden ist. Doch wie war das eigentlich in den vergangenen Jahrhunderten?
Der Frage geht eine Ausstellung im Arp-Museum Rolandseck nach: „Wirklich?! Kunst und Realität 1400 bis 1900“ zeigt ab dem 29. März, wie sich unsere Vorstellung von Wirklichkeit im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.
Eine ähnliche Richtung schlägt das Frieder-Burda-Museum in Baden-Baden ein: Gezeigt wird ab Ende Februar „Wettstreit mit der Wirklichkeit: 60 Jahre Fotorealismus“.
Die Ausstellung beleuchtet die Versuche des amerikanischen Fotorealismus, dem Medium der Fotografie Konkurrenz zu machen. Die Vertreter dieser Strömung, unter ihnen Richard Estes, Audrey Flack, Ralph Goings und Ron Kleemann, faszinierten schon damals mit täuschend echten Illusionen.
Alex Katz in der Tübinger Kunsthalle
Prominent US-amerikanisch wird es 2026 auch in der Kunsthalle Tübingen: Der New Yorker Künstler Alex Katz stellt hier seine Werke in „Dancing with Reality“ ab dem 28. März zur Schau.
Katz gilt als einer der größten Vertreter der US-amerikanischen Gegenwartskunst. Seine minimalistisch-knalligen Darstellungen von Partys, Frauen mit großen Hüten und anderen Szenen der amerikanischen Gesellschaft machten ihn in den 1970er-Jahren weltberühmt.
Kunstmessen von international bis regional
Kunst, so weit das Auge reicht und eine internationale Auslese dessen, was den Kunstmarkt aktuell bewegt: Das zeigt die ART Karlsruhe auch 2026.
Rund ein Drittel der ausstellenden Galerien kommen 2026 aus dem Ausland. Neu dabei sind etwa die Chase Young Gallery aus Boston sowie die Maryam Fasihi Harandi Gallery aus Teheran mit iranischer Gegenwartskunst – vom 5. bis 8. Februar auf dem Gelände der Messe Karlsruhe.
In Rheinland-Pfalz feiert die Kunstwelt ab dem 24. April eine Premiere: Ab 2026 findet dort in dreijährigem Turnus eine neue Landeskunstschau statt: die Rheinland-Pfalz Triennale.
Nachdem ihre Vorgängerin, die „Flux4Art“ sich bereits als eine der wichtigsten Bühnen für die rheinland-pfälzische Kunstszene etabliert hatte, finden Künstler und Künstlerinnen mit regionalem Bezug mit der Triennale 2026 in Trier eine neue Plattform.
Musikalisch von Klassikern zu Unerhörtem
Musikalisch werden im Südwesten auch 2026 wieder neue Wege beschritten. Das ECLAT-Festival in Stuttgart setzt seit mittlerweile über 40 Jahren Impulse in Sachen Neue Musik. Dabei bauen die Veranstalter nach eigener Aussage auf eine große Offenheit gegenüber allen Strömungen der Neuen Musik, Risikofreude und die Lust am Unerwarteten.
Auch 2026 dürfte das Programm unter dem Arbeitstitel „Hear it Coming“ spannende Entdeckungen bereithalten. Mit dabei sind unter anderem das SWR Symphonieorchester und das SWR Vokalensemble.
Weniger revolutionär, dafür umso hochkarätiger besetzt locken die Osterfestspiele Baden-Baden. Auf dem Programm stehen etwa Wagners „Lohengrin“, Bachs Matthäus-Passion und Brittens „War Requiem“.
Interpretiert werden die Meisterwerke von allerlei Klassik-Prominenz, die vom 28. März bis 6. April nach Baden-Baden kommt: darunter etwa Dirgentin Joana Mallwitz oder die Pianistin Hélène Grimaud.
Stars und solche, die es noch werden wollen
„Zurück nach vorn“ geht es in Heidelberg ab dem 14. März. Nach der Sanierung der Stadthalle Heidelberg zieht der Heidelberger Frühling wieder in die alten Wände zurück. Das Musikfestival feiert diese Rückkehr etwa mit dem Starpianisten Igor Levit, der Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 interpretiert.
Hörgenuss für die einen, knallharte Konkurrenz für die anderen: Der Wettbewerb SWR Junge Opernstars 2026 in Landau vereint beides in einem Event. Das Publikum entscheidet, wer von sechs antretenden Nachwuchs-Sängern und -Sängerinnen der nächste „SWR Opernstar“ wird.
Auf dem Programm steht ein Best-Of der Oper mit Arien von Händel über Mozart bis Rossini.
Alt und neu in einem: Viele Uraufführungen geplant
Ihr Mann schrieb das Libretto, die Tochter wurde mit dem autobiografischen Roman „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ berühmt: Die Familie der Komponistin Julia Kerr ist kein unbeschriebenes Blatt. Ihre Oper „Der Chronoplan“ wird nun mehr als 60 Jahre nach ihrem Tod am Staatstheater Mainz uraufgeführt.
Eine wilde Reise durch den Zeitgeist Berlins in den 1920er-Jahre bringt Persönlichkeiten wie Albert Einstein und George Bernard Shaw auf die Bühne.
Bevorzugt behandelt werden, weil man konventionell schön ist? Das beschreibt das Phänomen „Pretty Privilege“. Das gleichnamige Theaterstück feiert am 7. Februar seine Uraufführung am Schauspiel Stuttgart.
Autor und Regisseur ist das hochgelobte Nachwuchstalent Wilke Weermann, den die Presse in der Vergangenheit unter anderem als eine der interessantesten Persönlichkeiten der deutschen Theaterlandschaft betitelte. „Pretty Privilege“ beleuchtet den Schönheitskult durch Social Media in Verbindung mit Oscar Wildes Klassiker „Das Bildnis des Dorian Gray“.
Oper mit preisgekrönter Kino-Vorlage
Auch in Karlsruhe feiert eine Oper Premiere, die vielen als Film bekannt sein dürfte: „Breaking the Waves“ startet ab dem 18. Januar auf der großen Bühne des Badischen Staatstheaters. Der gleichnamige Film von Lars von Trier (1996) ist mehrfach preisgekrönt und beschäftigt sich mit Glauben, Naivität und Selbstfindung.
Die hoch renommierte amerikanische Komponistin Missy Mazzoli gab dem Stoff nun sein musikalisches Gewand. Dabei haben, so die Ankündigung des Staatstheaters, die starken Figuren ebenso viel Raum wie der kritische Blick auf eine bigotte Gesellschaft.
In den Zwischenräumen tanzen
Die Katalanin Paloma Muñoz ist eine der größten Tanz-Choreografinnen der Gegenwart. 2022 wurde sie etwa mit dem Berner Tanzpreis ausgezeichnet. In „Im Mohnfeld“ erkundet Muñoz am Mainzer Staatstheater zusammen mit zehn Tänzern und Tänzerinnen Schwellenräume: Zwischen Vergangenheit und Zukunft, Tier und Mensch, Gewalt und Zärtlichkeit, hinein in die Graubereiche.
Dabei setzt Muñoz auf radikale Körperlichkeit: Ihre Choreografien zeigen animalische, rituelle und mystische Elemente. Eine intensive, sinnliche Reise, so beschreibt es das Staatstheater Mainz. „Im Mohnfeld“ feiert am 18. April seine Uraufführung.