Malerei und Fotografie

„Stop and go“ — Farbsatte Bildwelten von Marius Lüscher im Kunstverein Heilbronn

Der Schweizer Künstler Marius Lüscher malt seit Jahrzehnten abstrakte Kompositionen und fotografiert auf den Straßen großer Städte – ebenfalls mit dem Blick auf Farben und Formen. Nun zeigt der Kunstverein Heilbronn seine farbsatten Bildwelten.

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Von Autor/in Andreas Langen

Gemeinsamkeiten vonn Malerei und Fotografie

Marius Lüscher braucht für ein Bild entweder einige Wochen bis Monate — oder circa eine Tausendstelsekunde. Die ersteren Werke sind großformatige Malereien auf Leinwand, die anderen Fotografien mit einer digitalen Kamera.

Trotz aller Unterschiede zwischen den beiden Medien sieht Lüscher Gemeinsamkeiten, zusammengefasst im Titel seiner aktuellen Ausstellung im Kunstverein Heilbronn: „Stop and Go“.

Marius Lüscher, Untitled 2025 und 2024
Marius Lüscher, Untitled 2025 und 2024. Pressestelle Kunstverein Heilbronn | Rolf Siegenthaler

In Los Angeles zur Fotografie gekommen

Neu war es für den eingefleischten Maler auch, intensiv zu fotografieren; jahrzehntelang hatte sich Marius Lüscher ganz auf nichtgegenständliche Malerei konzentriert. Auslöser fürs Benutzen einer Kamera war der Kulturschock beim Übersiedeln nach Los Angeles, vom beschaulichen Bern aus.

Ich muss immer wieder weg aus Bern. Bern ist zu klein. Ich bin gerne in sehr großen Städten, wo es unübersichtlich ist. Dort bewege ich mich gerne, ich fotografiere gerne.

Marius Lüscher, NY, 2015-2023, Untitled, 2025
Marius Lüscher, NY, 2015-2023, Untitled, 2025. Pressestelle Kunstverein Heilbronn | Rolf Siegenthaler

Die Megacity hat Lüscher auch für die Malerei ganz neue Impulse beschert. Vor L.A. hatte er seine abstrakten Formstudien nur in strengem Schwarz und Weiß gemalt – doch die Metropole, gelegen auf der geografischen Breite von Nordafrika, schleuderte ihm harte Kontraste und knallige Farben entgegen, beginnend beim ewigen Blau von Himmel und Pazifik. 

Fotos wie kleine Geschwister der großen Malereien

Tatsächlich wirken die fotografierten Stadtansichten, die Marius Lüscher bei seinen Reisen zusammenträgt, wie die kleinen Geschwister der großformatigen Malereien – weil auf beiden Bildarten Farben und Flächen dominieren, schildert Mattia Löbke, die Leiterin des Heilbronner Kunstvereins: 

Lüschers Malerei besteht aus einem ganz bestimmten Vokabular an Zeichen: sanfte Farben bilden eine fleckige Grundierung; darüber kurven breite Pinselbahnen in ausfransendem Schwarz, von fern an Autorennstrecken erinnernd, manchmal unterbrochen von hellfarbigen Balken. Durch dieses dichte Geflecht ziehen sich schmale Linien, mal scheinbar vorne liegend, mal tauchen sie ab in die Tiefe des Bildraums.

Jedes Abbild ist eine Konstruktion

Lüschers Stadt-Fotografien sind keine Vorlage für seine Gemälde, das Gegenständliche der Fotografie und das Abstrakte der Malerei stehen jeweils für sich. Ohnehin meint Marius Lüscher, dass auch noch die konkreteste Wiedergabe von Realität etwas Grundlegendes gemein hat mit abstrakter Malerei: Jedes Abbild ist eine Konstruktion.

Diese Bilder wollen nichts bedeuten, darstellen oder gar erklären. Es genügt ihnen einfach, da zu sein – ein harmonisches Echo von Farbklängen im Raum. Mag sein, dass diese ruhige Selbstgenügsamkeit auf unplanbare Weise dann doch höchst zeitgemäß ist in einer Welt, deren Getöse derzeit mal wieder so ganz besonders schrill daherkommt.  

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