Oliver Ressler im Museum Tinguely

Zwischen Kunst und Aktivismus: „Szenen aus der Erfindung der Demokratie“ in Basel

Verzerrte Nationalhymnen sind derzeit im Museum Tinguely in Basel zu hören, in der Ausstellung „Szenen aus der Erfindung der Demokratie“. Sie kommen von den Videoinstallationen des österreichischen Künstlers Oliver Ressler über drängende Fragen an unsere Gegenwart.

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Von Autor/in Paula Kersten

Die repräsentative Demokratie ist krank

Auf der raumfüllenden Video-Leinwand verbrennt im Zeitraffer eine französische Flagge vor leicht bewölktem Himmel. Auch die deutsche, italienische oder die US-amerikanische Flagge brennt.

Die repräsentative Demokratie in den USA sei krank, so eine Person aus dem Off. Sie antwortet auf die Frage, die der Künstler Oliver Ressler ihr und anderen Menschen in aller Welt gestellt hat: Was ist Demokratie? Die Frage ist gleichzeitig Titel der Videoinstallation.

Oliver Ressler, Installationsansicht: Without Reality There Is No Utopia, Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco, 2013
Brennende Flaggen und verzerrte Nationalhymnen: „Without Reality There Is No Utopia“ und „What Is Democracy?“ von Oliver Ressler

Wie schützen wir die Umwelt und unser Zusammenleben?

Die Videoinstallation steht im Zentrum der vierteiligen Ausstellung, sie ist vor 17 Jahren entstanden und damit die älteste von Resslers Arbeiten hier – aber weiterhin brandaktuell. Die Frage, wie wir Demokratie leben und schützen wollen, stelle sich heute mit neuer Dringlichkeit, so Ressler.

Der Künstler, der in Wien lebt und arbeitet, setzt sich in seiner Arbeit immer wieder mit Fragen des demokratischen Zusammenlebens, aber auch mit Umweltschutz und der Klimakrise auseinander. Dabei steht oft politischer Aktivismus im Mittelpunkt, auch aus persönlicher Überzeugung.

Oliver Ressler: Not Sinking, Swarming, Video, 2021
Die Videoinstallation „Not Sinking, Swarming“ von 2021 blickt hinter die Kulissen des Klimaprotests in Madrid.

Einblick in den Maschinenraum des Widerstands

Seine Verbindung zu Aktivistinnen und Aktivisten hat Oliver Ressler seltene Einblicke ermöglicht, sozusagen in den Maschinenraum des zivilen Widerstands.

Für die Videoarbeit „Nicht untergehen, ausschwärmen“ etwa, die ebenfalls Teil der Ausstellung in Basel ist, konnte er eine Gruppe Klimaaktivisten in Madrid bei der Vorbereitung einer größeren Protestaktion begleiten.

Porträt Oliver Ressler
Oliver Ressler (*1970) setzt sich in seinen gesellschaftskritischen Arbeiten mit Wirtschaft, Demokratie, Migration und Klimakrise auseinander.

Ressler zeigt, dass Veränderung möglich ist

Er selbst sehe sich allerdings nicht als Aktivist, sagt Ressler. Und doch passe er gerade wegen seiner gesellschaftskritischen Arbeit gut ins Museum Tinguely, so die Kuratorin der Ausstellung Tabea Panizzi.

Oliver Ressler kennt die Ohnmacht angesichts der erdrückenden Weltlage, des nicht abreißenden Stroms schlechter Nachrichten. Mit seinen Arbeiten will er auch zeigen, dass Veränderung möglich ist.

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