Grenzenlose Rottöne
Zartes Rosa geht langsam in sattes Pink und dann in dunklere Rottöne über. Wie ein Sonnenuntergang, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Links unten eine Art angeschnittene Kreisform. Wer länger vor Rupprecht Geigers Gemälde von 1956 steht, hat den Eindruck, die ineinanden fließenden Rottöne fangen langsam an zu flirren. Das Gemälde ist – wie so oft bei Geigers Werken – wie eine Art Meditationsobjekt.
Grenze zwischen den Kontinentalplatten
Direkt daneben, nicht nur aufgrund der düsteren Farbgebung, im Gegensatz steht der Werkzyklus „Iceland Project“ der Fotografin Magdalena Jetelová. Die Fotografien von 1992 zeigen, wie die Künstlerin in der rauen Landschaft Islands mithilfe eines Laserstahles, den Verlauf des mittelatlantischen Rückens sichtbar macht. Der Laserstrahlt markiert sozusagen die Naht, die zwei Kontinentalplatten trennt und der Insel ihre besondere Landschaft beschert.
Menschliche Sehnsucht nach dem Erhabenen
Ganz anders begegnet der amerikanische Künstler Donald Baechler dem Horizont. In seiner minimalistisch anmutenden Arbeit „Wienerwald“ von 1980 spielt er mit der menschlichen Sehnsucht nach der Weite der Natur als Ausdruck des Erhabenen.
Den symbolträchtigen Landschaftsbildern der Romantik setzt Baechler die Darstellung eines Gebirges entgegen, die auf den ersten Blick wie eine Kinderzeichnung anmutet. Der Horizont – er wird in dieser Ausstellung ganz unterschiedlich aufgegriffen, erklärt Kurator Philipp Singer.
Da gibt es ja den schönen Spruch: Dem Beweglichen verschieben sich die Horizonte. Und genau das ist, wofür Kunst steht. Eine Denkoffenheit. Und hier in der Ausstellung wird versucht, diese Gruppen und Interpretationen des Begriffs Horizont abzudecken.
Pilze, die den Horizont erweitern
Den Horizont erweitern – in einem der Ausstellungsräume bekommt das nochmal eine ganz andere Bedeutung. In einer Ecke sind drei überdimensionierte Pilze zu sehen, die Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury hat ihre „Mushrooms“ aus Kunststoff mit changierendem Autolack überzogen. Philipp Singer: „Es wirkt ja viel mehr wie so halluzinogene Pilze, also man kann ja auch bestimmte Mittel für eine Horizonterweiterung verwenden.“
Grenzenloser Wald: Der Schwarzwald im Museum
Direkt daneben holt der Amerikaner Sam Falls passend dazu mit seiner wandfüllenden Arbeit „The Black Forest“ von 2024 den Schwarzwald ins Museum. Philipp Singer: „Er hat Pflanzen, Blumen, Zweige gesammelt dann dort diese riesige über vier Meter Breite Leinwand im Wald ausgerollt und da die Pflanzen verteilt und eine Mischung nach seinem Geheimrezept aus Pigmenten bestäubt und den Regen, Licht einwirken lassen und somit hat die Natur zusammen mit dem Künstler das Werk geschaffen. Wir sehen das, was im Schwarzwald wächst, hier jetzt im Museum.“
Es ist einer der letzten Ankäufe der Sammlerin und Stiftungsgründerin Christiane Schaufler-Münch. Seit jetzt 15 Jahren stellt das Museum ihre hochkarätige Sammlung zeitgenössischer Kunst aus. So zeigt die Ausstellung auch das Werk, mit dem alles angefangen hat.
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