Hausbesuch bei der Autorin

Zuckmayer-Medaille an Autorin Monika Helfer: „Ich denke, es gibt nichts Wichtigeres als Familie“

Monika Helfer erzählt in ihren Romanen „Die Bagage“, „Vati“ oder „Löwenherz“ ungeschönt von ihrer verlustreichen Lebensgeschichte. Das Haus in Hohenems ist voll von Erinnerungen und Geschichten. Am Sonntag, 18.1.2026, hat sie im Staatstheater Mainz die Carl-Zuckmayer-Medaille erhalten. Ein Blick in das Leben der Preisträgerin.

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Von Autor/in Alexander Wasner

Monika Helfers überbordende Sammelleidenschaft

Wenn man Monika Helfer zuhause besucht, in Hohenems am Rande der österreichischen Alpen und sich am großen, aus Holz geschnitzten Wolf neben der Eingangstür vorbeigetraut hat – wenn man dann die Wohnung mit den schmalen Romanen vergleicht, ist wohl jeder überrascht.

Das ganze Haus ist überbordend mit Bildern, echten und künstlichen Pflanzen und allem möglichen Spielzeug, Andenken, Figuren und Objekten angefüllt. „Ich hatte schon immer ein Faible dafür, Sachen zu sammeln“, sagt Monika Helfer. „Ich habe am liebsten, wenn alles gedrängt auf einem Haufen ist.“ 

Das Haus ist das Elternhaus ihres Mannes Michael Köhlmeier, selbst bekannter Schriftsteller. Einige Dutzend Romane, noch mehr Literaturpreise und vier Kinder, diverse Enkel und sogar die ersten Urenkel entstammen dieser Familie. 

Eine verlustreiche Lebensgeschichte

In dieser freundlichen, warmherzigen, offenen und ehrlichen Atmosphäre vergisst man leicht, was für eine verlustreiche Lebensgeschichte Monika Helfer in ihren Büchern erzählt. Der Bestseller „Die Bagage“ erzählt von ihrer Großmutter, deren Mann in den ersten Weltkrieg zieht und die belagert wird wie Penelope, als Odysseus nach Troja zieht.

Monika Helfer und Michael Köhlmneier 2021
Die beiden erfolgreichen österreichischen Autoren Monika Helfer und Michael Köhlmeier haben gemeinsam vier Kinder.

In „Vati“ wird von ihrem Vater erzählt, der sich nur für seine große Büchersammlung interessiert, aber nicht für die Kinder, die er in die Welt gesetzt hat. Als die Mutter stirbt, werden sie zu Tanten und Onkeln in Verwahrung gegeben. Und in Löwenherz stirbt einer von ihnen, der wehrloseste, Richard. Monika Helfer nimmt das Material für ihre Bücher aus dem eigenen Leben.

Erinnerungen an die verstorbene Tochter

Es gibt im Haus noch ein Bild, das Lorenz, der Sohn, gemalt hat: „Darauf zu sehen ist Paula, als sie etwa sechs Jahre alt war“, erzählt Monika Helfer. „Paula hatte genau diese Art zu gehen – also nicht zu gehen, sie ist immer ein bisschen gehüpft – wie es viele Kinder haben.“ 

Paula Köhlmeier war auf dem Weg zur Regisseurin und Schriftstellerin, als sie 2003 in den Bergen tödlich verunglückte. Ihr Bild findet sich oft im Haus, zwischen allen anderen Familienbildern. Ist es Ihr Lebensthema, Familie? „Ja, sicher. Ich denke, es gibt nichts Wichtigeres.“ 

Ungeschönte Auslotung der eigenen Gefühlswelt

Jetzt bekommt sie die Carl-Zuckmayer-Medaille für besondere Verdienste um die deutsche Sprache. Ihre knappe Art, ihre präzise, ungeschönte und offene Auslotung der eigenen Gefühlswelt zeichnen die 78-jährige Schriftstellerin aus.

Carl Zuckmayer 1975 in Mainz
Mit dem politischen Autor Carl Zuckmayer hat Monika Helfer vor allem eines gemeinsam: den Willen, ihre Welt in Spache zu fassen.

Mit Carl Zuckmayer, dem politischen Autor, hat das wenig zu tun – aber Verdienste um die deutsche Sprache hat sie sich sicher erworben. Monika Helfer ist beim Gespräch noch sehr vorsichtig, was sie sagen soll zu Carl Zuckmayer, dem Autor des Fröhlichen Weinbergs, des Drehbuchautors und Grandseigneurs, der wegen Hitler nach Österreich, der Schweiz und Amerika emigrierte.

Zwischen Zuckmayers österreichischem Domizil Henndorf und Monika Helfers Wohnort Hohenems liegen 400 Kilometer. Zwischen ihren Büchern liegen noch ein bisschen mehr.

Gemeinsam ist ihnen aber der Wille, ihre Welt in Sprache zu fassen. „Es ist komisch, aber es ist eine Ehre und es freut mich.“ 

Preisverleihung Für Verdienste um die deutsche Sprache – Monika Helfer mit Carl-Zuckmayer-Medaille geehrt

Die Schriftstellerin Monika Helfer wurde vor allem durch ihre autofiktionale Roman-Trilogie bekannt, in der sie über ihre Großeltern, Eltern und Geschwister geschrieben hat. Sie verfasst aber auch Theaterstücke, Gedichte und Bücher für Kinder. Im Mainzer Staatstheater wurde ihr nun die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

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Monika Helfer erzählt in „Der Bücherfreund“ von Leben der Bücher, vom Lesen und Schreiben, vor allem aber von ihrem Vater und ihrer eigenen Nachkriegskindheit in der Bergwelt der Vorarlberger Alpen.
Rezension von Jörg Magenau

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