Stadtgeschichte musikalisch erzählt

Eine klingende Liebeserklärung an Pforzheim: Uraufführung „Das goldene Tor“ von Ali N. Askin

Generalmusikdirektor Daniel Inbal lebt erst seit wenigen Monaten in Pforzheim und ist schon Feuer und Flamme für seine Stadt. So sehr, dass er den befreundeten Komponisten Ali N. Askin einlud, für die Badische Philharmonie ein musikalisches Portrait der Stadt zu komponieren. Was bedeutet Heimat heute eigentlich?

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Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Feuer und Flamme für Pforzheim

Dass Daniel Inbal seinem neuen Wohnort Pforzheim gleich ein musikalisches Denkmal schenken würde, hatte wohl niemand erwartet. Denn als der Dirigent im vergangenen Herbst die Stelle als neuer Generalmusikdirektor am Theater Pforzheim antrat, war er in Bezug auf die Stadt erstmal sehr skeptisch.

Ali N. Askin (links) und Generalmusikdirektor Daniel Inbal bei der Probe
Ali N. Askin (links) und Generalmusikdirektor Daniel Inbal bei der Probe. Pressestelle Theater Pforzheim | Sabine Hägele

„Als Neuankömmling in Pforzheim bekommt man von den dort geborenen Einwohnern genauso wie von Zugereisten Warnungen in Bezug auf die Schönheit der Stadt“, sagt Inbal. Doch auch wenn das heutige Pforzheim architektonisch wirklich keine Schönheit ist – Daniel Inbal und seine Familie begeisterten sich schnell für die schöne Lage und Umgebung der Stadt und für die junge, internationale Bevölkerung.

Ein musikalisches Heimatstück für die Stadt

Seitdem sei er Feuer und Flamme für die Stadt, sagt Inbal. „Ich dachte, dass diese Stadt auch mal eines der traditionellen Heimatstücke, die aus dem 19. Jahrhundert entstammen, verdient hat.“

Für Daniel Inbal war auch schnell klar, wer dieses zeitgenössisches Stadt-Portrait komponieren sollte: Ali N. Askin. Die beiden kennen sich schon lange und Daniel Inbal schätzt die enorme musikalische Bandbreite des Münchner Komponisten.

Kompositionsauftrag an Ali N. Askin

Ali N. Askin wurde klassisch ausgebildet an der Musikhochschule München, dann spielte er als Pianist und Keyboarder in allen möglichen Projekten und Bands, ging mit Sissi Perlinger auf Tour, war Assistent bei Frank Zappa, arbeitete mit Heiner Goebbels und ist seit Mitte der 1990er-Jahre vor allem als Filmkomponist tätig.

Ali N. Askin bei der Probe zum 3. Sinfoniekonzert „Heimatgefühle“
Komponist Ali N. Askin hat mit seinem neuen Werk „Das goldene Tor“ ein eigens für Pforzheim entwickeltes Musikstück geschrieben. Pressestelle Theater Pforzheim | Sabine Hägele

Der Kompositionsauftrag aus Pforzheim hat ihn sofort gereizt: „Natürlich ist es ein Blick auf die Stadt von außen. Ich habe viel recherchiert und viel Interessantes gefunden für mich“, so Askin. „Die ganze Geschichte, von den Römern bis zur Industriezeit. Die erste große Autofahrt, die die Welt verändert hat – das hat hier seinen Anfang genommen, unglaublich.“

Stadtgeschichte musikalisch erzählt

Ali N. Askin hat sechs Sätze komponiert. Jeder greift ein historisches Kapitel Stadtgeschichte auf: von den Römern – hier kommen nur Schlagzeug und Blechbläser zum Einsatz – über tickende Uhren, die für das goldene Zeitalter der weltberühmten Schmuckindustrie Pforzheims stehen.

Doch natürlich dürfen auch die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte nicht fehlen, wie die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Konzentrations- und Todeslager. Hier – wie an anderen Stellen in dem Orchesterwerk auch – werden zusätzlich Texte eingelesen.

Probenimpression zum 3. Sinfoniekonzert „Heimatgefühle“
Die Badische Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Inbal bei der Probe. Pressestelle Theater Pforzheim | Sabine Hägele

Und dann die Bombardierung der Stadt am 23. Februar 1945, bei der das alte Pforzheim fast vollständig zerstört wurde. Auf seinen Stadtspaziergängen hat Ali N. Askin auch den Wunden der Stadt nachgespürt.

Musik für die Menschen der Stadt

Aber besonders fasziniert war der Komponist von den vielen Kulturen, die jetzt in der Stadt zusammenleben. Deswegen hat er für das Finale auch einen türkischen Musikverein und alteingesessene Spielmannszüge eingeladen, mitzuspielen.

„Etwas für die Menschen die hier leben zu machen, das ist etwas Besonderes. Es ist kein Werk, wo ich sage: Es ist mir egal für wen, ich bin der Künstler“, sagt Askin. „Hier kommt mir das Filmmusiker-Dasein zugute, das Denken ans Publikum. Kein Spezialistenpublikum à la Donaueschingen, sondern die Menschen in dieser Stadt. Das ist eine tolle Herausforderung.“

 

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