Feuer und Flamme für Pforzheim
Dass Daniel Inbal seinem neuen Wohnort Pforzheim gleich ein musikalisches Denkmal schenken würde, hatte wohl niemand erwartet. Denn als der Dirigent im vergangenen Herbst die Stelle als neuer Generalmusikdirektor am Theater Pforzheim antrat, war er in Bezug auf die Stadt erstmal sehr skeptisch.
„Als Neuankömmling in Pforzheim bekommt man von den dort geborenen Einwohnern genauso wie von Zugereisten Warnungen in Bezug auf die Schönheit der Stadt“, sagt Inbal. Doch auch wenn das heutige Pforzheim architektonisch wirklich keine Schönheit ist – Daniel Inbal und seine Familie begeisterten sich schnell für die schöne Lage und Umgebung der Stadt und für die junge, internationale Bevölkerung.
Ein musikalisches Heimatstück für die Stadt
Seitdem sei er Feuer und Flamme für die Stadt, sagt Inbal. „Ich dachte, dass diese Stadt auch mal eines der traditionellen Heimatstücke, die aus dem 19. Jahrhundert entstammen, verdient hat.“
Für Daniel Inbal war auch schnell klar, wer dieses zeitgenössisches Stadt-Portrait komponieren sollte: Ali N. Askin. Die beiden kennen sich schon lange und Daniel Inbal schätzt die enorme musikalische Bandbreite des Münchner Komponisten.
Kompositionsauftrag an Ali N. Askin
Ali N. Askin wurde klassisch ausgebildet an der Musikhochschule München, dann spielte er als Pianist und Keyboarder in allen möglichen Projekten und Bands, ging mit Sissi Perlinger auf Tour, war Assistent bei Frank Zappa, arbeitete mit Heiner Goebbels und ist seit Mitte der 1990er-Jahre vor allem als Filmkomponist tätig.
Der Kompositionsauftrag aus Pforzheim hat ihn sofort gereizt: „Natürlich ist es ein Blick auf die Stadt von außen. Ich habe viel recherchiert und viel Interessantes gefunden für mich“, so Askin. „Die ganze Geschichte, von den Römern bis zur Industriezeit. Die erste große Autofahrt, die die Welt verändert hat – das hat hier seinen Anfang genommen, unglaublich.“
Stadtgeschichte musikalisch erzählt
Ali N. Askin hat sechs Sätze komponiert. Jeder greift ein historisches Kapitel Stadtgeschichte auf: von den Römern – hier kommen nur Schlagzeug und Blechbläser zum Einsatz – über tickende Uhren, die für das goldene Zeitalter der weltberühmten Schmuckindustrie Pforzheims stehen.
Doch natürlich dürfen auch die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte nicht fehlen, wie die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Konzentrations- und Todeslager. Hier – wie an anderen Stellen in dem Orchesterwerk auch – werden zusätzlich Texte eingelesen.
Und dann die Bombardierung der Stadt am 23. Februar 1945, bei der das alte Pforzheim fast vollständig zerstört wurde. Auf seinen Stadtspaziergängen hat Ali N. Askin auch den Wunden der Stadt nachgespürt.
Musik für die Menschen der Stadt
Aber besonders fasziniert war der Komponist von den vielen Kulturen, die jetzt in der Stadt zusammenleben. Deswegen hat er für das Finale auch einen türkischen Musikverein und alteingesessene Spielmannszüge eingeladen, mitzuspielen.
„Etwas für die Menschen die hier leben zu machen, das ist etwas Besonderes. Es ist kein Werk, wo ich sage: Es ist mir egal für wen, ich bin der Künstler“, sagt Askin. „Hier kommt mir das Filmmusiker-Dasein zugute, das Denken ans Publikum. Kein Spezialistenpublikum à la Donaueschingen, sondern die Menschen in dieser Stadt. Das ist eine tolle Herausforderung.“
Mehr Musikalisches aus Pforzheim
Hausbesuch Musik und Kunst als Brückenbauer - zu Besuch bei Firat Yildiz in Pforzheim
Firat Yildiz hat durch die HipHop-Kultur seine Liebe zur Musik entdeckt. Als DJ hat er erlebt, wie schön und bereichernd es ist, Menschen durch Musik zusammen zu bringen und verschiedene kulturelle Einflüsse zu mischen.
Er hat sich immer intensiver mit der Migrationsgeschichte seiner Eltern und Großeltern beschäftigt und auf diesem Weg sind auch erste Performances und Klanginstallationen entstanden. Inzwischen studiert Firat Yildiz an der Kunstakademie in Wien, möchte aber seiner Heimatstadt Pforzheim treu bleiben und weiterhin dort die Kulturszene bereichern.
Musikthema Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim feiert 75-jähriges Jubiläum
Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim feiert 75 Jahre: Gegründet 1950, zählt es heute zu Europas Top-Ensembles, mit 80 Konzerten pro Jahr und internationaler Strahlkraft.
33 Jahre Fools Garden: In Pforzheim wird gefeiert
Das Lied Lemon Tree von der Pforzheimer Band Fools Garden wird auch heute noch weltweit rauf und runter gespielt. Jetzt feierte die Popband ihren 33. Geburtstag mit einem Festival in der Heimatstadt. Auch prominente Gäste wie die Prinzen und Fury in the Slaughterhouse erwiesen den Jungs die Ehre.